Aachen: Ironman auf Hawaii: Ein Debütant und ein Routinier

Aachen : Ironman auf Hawaii: Ein Debütant und ein Routinier

Einmal beim Ironman auf Hawaii teilnehmen — den meisten Triathleten bleibt dieser Wunsch verwehrt. Was dem Stolberger Markus Ganser im vergangenen November gelungen ist, klingt da schon fast „dreist“: Beim Qualifikationsrennen in Mexiko hat er sich vor rund einem Jahr seine neunte Teilnahme für das Rennen auf Big Island in Kailua Kona gesichert.

Bei der 40. Auflage, die am 14. Oktober stattfindet, zum neunten Mal dabei — es gibt vermutlich wenige, die die WM auf Hawaii so gut kennen wie Ganser, der für den Brander SV startet. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen — „das Rennen an sich ist das beschissenste, was es gibt“, weiß der 45-Jährige und meint damit vor allem die klimatischen Bedingungen auf Big Island.

„Es ist schweinewarm. Auf den Lava-Feldern erhitzt sich die Luft schon mal auf 50 Grad Celsius“, beschreibt Ganser die extremen Bedingungen. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse müssen die Athleten viel Flüssigkeit und Kohlenhydrate zu sich nehmen. Magendarmprobleme seien deshalb die häufigsten Beschwerden: „Oft sehnt man sich einfach nur nach der nächsten Verpflegungsstelle oder einem Dixi-Klo. Wie ich mich ernähre und am besten regeneriere, das kann ich mittlerweile sehr gut einschätzen.“

Gansers Aussagen über das sogenannte Mekka der Triathleten sollten wegen dieser Erfahrungen gerade junge Qualifikanten zu Herzen nehmen. So könnte etwa Michael Cramer von den Tipps des Hawaii-Experten profitieren. Cramer fiebert seiner ersten Hawaii-Teilnahme entgegen, seit er sich im August beim Ironman in Maastricht für die WM qualifiziert hat. „In Maastricht bin ich volles Risiko gegangen, es galt: Alles oder Nichts. Auf Hawaii will ich erst einmal die Atmosphäre aufschnappen“, freut sich der 31-jährige Triathlet, der für den DLC Aachen startet,

Ganser und Cramer kennen sich seit einigen Jahren persönlich, ihre Werdegänge könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht mit Ganser ein ehemaliger Profi-Radfahrer, den es nach Ende seiner aktiven Karriere zum Triathlon gezogen hat. Auf der anderen Seite Cramer; seit seinem 16. Lebensjahr passionierter Triathlet. Auch die jeweilige Paradedisziplin unterscheidet sich: Während Ganser auf dem Rad die Vorsprünge herausfährt, sieht Cramer sich als starken Läufer.

Unterschiede zwischen dem erst- und neunmaligen Teilnehmer zeigen sich auch bei der Reise an sich. Der 31-Jährige fliegt bereits am 3. Oktober mit der halben Familie. Vater, Mutter und Bruder begleiten ihn nach Hawaii. „Meine Eltern sind wahrscheinlich nervöser als ich“, scherzt Cramer. Nach dem Ironman steht dann auch erstmal ein wohlverdienter Urlaub an. „Bis zum 22. bleiben wir noch als Touristen auf Hawaii.“

Ganser dagegen fliegt dieses Jahr ohne seine Familie auf die Insel inmitten des Pazifischen Ozeans. Seine Frau und die beiden Töchter können den Triathlon nur vor dem heimischen Fernseher oder im Live­stream verfolgen, da er nicht in der Ferienzeit stattfindet. Vereinbar ist das für Ganser nur mit einer späten Anreise am kommenden Mittwoch und einer frühen Rückreise — suboptimal für einen Spitzensportler.

„Es macht eigentlich immer Sinn, sehr früh anzureisen, damit sich der Körper auf die Zeitverschiebung einstellen kann“, erklärt Ganser. Zwölf Stunden Unterschied liegen zwischen Deutschland und Hawaii. Wie es der Triathlet trotzdem schafft, sich rechtzeitig zu akklimatisieren? „Die Lebensart der Hawaiianer liegt mir einfach“, schwärmt Ganser von der „Hang loose“-Philosophie („Bleib locker“) auf der Insel.

„Möglichst weit vorne“

Eine Gemeinsamkeit zwischen den einzigen männlichen Teilnehmern aus der Region gibt es dann aber doch noch: den Willen, die bestmögliche Leistung beim prestigeträchtigen Rennen abzuliefern. „Sich auf eine Zeit festzulegen, ist auf Hawaii kaum möglich“, sagt Ganser. In ihren Altersklassen streben beide aber eine Platzierung „möglichst weit vorne“ an. Am 14. Oktober wird es ernst: Dann gehen rund 2200 Triathleten beim 40. Ironman auf Hawaii an den Start.

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