Aachen: Hertha Walheim: Der „Lange“ fiebert dem Start entgegen

Aachen: Hertha Walheim: Der „Lange“ fiebert dem Start entgegen

Die ersten Wochen als Cheftrainer von Hertha Walheim haben den Alltag von Daniel Formberg ein wenig auf den Kopf gestellt. Sein Smartphone klingelt jetzt Tag und Nacht. „Ich stehe ganz anders in der Verantwortung. Spieler oder Vorstand melden sich, damit wir uns optimal auf die nächsten Aufgaben vorbereiten können“, berichtet der neue Übungsleiter des Fußball-Landesligisten.

Der bisherige „Co“ hatte Anfang des Jahres die Aufgabe von Helge Hohl übernommen, der sich in Richtung Bergisch Gladbach verabschiedet hatte. Formbergs neuer Vertrag ist vorerst bis Saisonende datiert.

Die Entscheidung für die neue Herausforderung sei ihm nicht schwer gefallen, denn die Hertha ist sein Heimatverein, bei dem er schon als Spieler viele Erfolge feiern durfte. Lediglich der Zeitpunkt sei auch für ihn überraschend gewesen. „Das ging alles ganz schnell. Helge hat mich sofort gefragt, ob ich die Mannschaft übernehme, falls er zu Bergisch Gladbach wechseln würde. Das war ihm wichtig“, sagt der 37-Jährige, der in seiner noch jungen Trainerkarriere bereits einiges erlebt hat.

Bei seiner ersten Station als Coach von Raspo Brand gelang ihm direkt das bis dato schier „Unmögliche“. Der „Lange“, so nennen ihn seit seiner aktiven Zeit bei Borussia Brand fast alle Amateurfußballer aus der Region, schaffte mit dem Dauer-B-Ligisten auf Anhieb den Aufstieg. Ein Eintrag in die Geschichtsbücher des Klubs war ihm gewiss, denn viele Trainer vor ihm waren an diesem ehrgeizigen Ziel gescheitert. Und obwohl die Verantwortlichen unbedingt mit ihm verlängern wollten, entschied sich Formberg, den Verein nach nur einer Saison wieder zu verlassen. „Meine damalige familiäre und berufliche Situation hatten es zeitlich einfach nicht zugelassen, mich gebührend um die Aufgabe zu kümmern“, begründet Formberg seine einstige Entscheidung, sich aus dem Amateursport zurückzuziehen.

Doch nur ein Jahr später gelang es Roetgens sportlichem Leiter Tom Moosmayer, ihn davon zu überzeugen, die Nachfolge von Frank Küntzeler beim Bezirksliga-Aufsteiger FC Roetgen zu übernehmen. Die familiäre Situation zeigte sich mittlerweile entspannter, und auch seine Ehefrau Melanie gab grünes Licht. Den Eifelklub führte er direkt auf einen beachtlichen fünften Platz. Da man sich aber nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnte, verließ Formberg den FC erneut nach nur einer Saison. Doch durch seine Erfolge mit Raspo und Roetgen hatte er sich einen Namen in der Szene gemacht. So sollte es nicht lange dauern, bis neue Angebote auf seinen Tisch flatterten.

Überraschenderweise entschied sich Formberg gegen ein Angebot als Cheftrainer bei einem Landesligisten und unterschrieb als „Co“ bei der Hertha. „Die Verantwortlichen haben mir damals die Perspektive aufgezeigt, dass ich die Nachfolge von Helge antreten könnte, wenn er den nächsten Schritt gehen will“, verdeutlicht Formberg, warum er nicht lange zögerte und das Angebot annahm. Und so sollte es jetzt kommen, früher als gedacht.

Mit der Vorbereitung auf das erste Meisterschaftsspiel nach der Winterpause gegen den Tabellenzweiten GFC Düren 99 (Sonntag, 15 Uhr) ist der Hohl-Nachfolger im Großen und Ganzen zufrieden. Im Testspiel gegen den Regionalligisten FC Wegberg-Beeck setzte sich sein Team mit 2:1 durch. Beim 1:3 gegen Mittelrheinligist Viktoria Arnoldsweiler zeigten seine Jungs eine ordentliche Leistung, und der Triumph zuletzt bei der Hallenstadtmeisterschaft beflügelte noch einmal die Stimmung im Team.

Ein wenig Kopfzerbrechen macht ihm aber die derzeitige Personallage. Sein ohnehin schon „sehr dünner Kader“ muss nun auch noch den Ausfall von Sebastian Wirtz (Meniskusriss) verkraften. „Ich konnte in der Vorbereitung nur auf zwölf oder 13 gesunde Spieler zurückgreifen. Wir müssen als Team jetzt extrem zusammenrücken“, weiß Formberg, der keine Zugänge gefordert hatte, da er „seine“ Hertha eher als Ausbildungsverein sieht. „Ich spüre hier nicht den Druck, dass wir aufsteigen müssen. Aber die Jungs, die da sind, haben schon Qualität. Wir spielen jetzt in den kommenden Wochen gegen die ersten Drei, danach wissen wir, wo wir stehen und was möglich ist“, fiebert Formberg dem Auftakt entgegen.

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