Fahrer des BSV Profil Hürtgenwald gewinnt die Europameisterschaft

Zwölf Stunden Strapaze : Michael Bürke aus Eschweiler gewinnt MTB-Europameisterschaft

Während des Frühstücks haben sie ihre Meinung geändert. Wer für den Sinneswandel in früher Morgenstunde letztlich verantwortlich war, weiß keiner der beiden Mountainbiker mehr. Fakt ist: Der Eschweiler Michel Bürke, der für den BSV Profil Hürtgenwald startet, und sein Kollege Erik Hühnlein (Sport-Treff 2.0 Bonn) hatten vor, im bayerischen Dießen als Duo an der MTB-Europameisterschaft über zwölf Stunden teilzunehmen.

Die Konkurrenz erschien ihnen aber als zu stark, um als Duo erfolgreich abzuschneiden. Also meldeten sie für den Einzelwettbewerb – mit der Taktik, gemeinsam die Strapazen auf sich zu nehmen.

Die Entscheidung Minuten vor Meldeschluss erwies sich als goldrichtig. Denn: Bürke durfte nach 273,8 Kilometern und 4070 Höhenmetern in 11:51,12 Stunden die Goldmedaille bei den Senioren I gen Himmel recken, Hühnlein siegte bei den Senioren zwei.

Als Zweier-Team wären sie abwechselnd gefahren, hätte jeder nur sechs Stunden in die Pedale treten müssen. So aber: „Zwölf Stunden am Stück sind hart, aber wenn man nicht auf sich alleine gestellt ist, sondern von seinem Kollegen unterstützt wird und man selbst dem Mitstreiter helfen kann, macht es irgendwie doch richtig Spaß“, sagt Bürke. Aber nicht die ganze Zeit: „Zwischen der fünften und der sechsten Stunde hatte ich einen Durchhänger“, gesteht der 46-Jährige. „Da musste ich mich wirklich durchkämpfen“, erinnert sich Bürke an die Tortur auf dem 7,4 Kilometer langen Rundkurs des Schatzbergrennens.

Erschwerend kam hinzu, dass nach rund 240 Minuten Regen einsetzte. Der trübte die Stimmung doch etwas: „Wenn ich alleine am Start gewesen wäre, hätte ich das Rennen abgebrochen und wäre nach Hause gefahren“, gesteht Michael Bürke freimütig ein. Aber er war ja nicht alleine, Erik Hühnlein war ja mit von der Partie. Und so motivierte der eine Mountainbiker den anderen und umgekehrt. Besonder Hühnlein war es, der das Rennen zu Ende fahren wollte: Für ihn stellte die Europameisterschaft den Höhepunkt der Saison dar. Anfang des Jahres war Hühnlein schwer gestürzt: „Er hatte sich tierisch auf dieses Rennen gefreut, da konnte ich ihn doch nicht im Stich lassen“, sagt Bürke.

Noch nie hatte der Sportler von Profil Hürtgenwald ein Zwölfstundenrennen bestritten. Fünf, sechs Stunden dauern die längsten Fahrten mit dem Mountainbike, aber zwölf Stunden? Bereits in seiner Jugend war Michael Bürke ein guter Radrennsportler. Mit 14 Jahren fand er Gefallen an der Sportart, er bestritt zahlreiche Rennen im Junioren- und Amateurbereich, wurde auch für den Landeskader der Junioren nominiert. „Dann ging ich aber sportlich auf Tauchstation“, sagt Bürke und lacht. Die Priorität verlagerte sich Richtung Beruf und Familie. Auch zog er von Eschweiler fort. Vor acht Jahren kehrte Bürke an die Inde zurück. Mit Kollegen stieg er auf das Mountainbike, er wurde immer besser, wurde bei einer Deutschen Meisterschaft Achter in seiner Altersklasse. Er schloss sich dem BSV Profil an, nimmt auch an den Rennen teil, die sein Klub veranstaltet. Doch der Unterschied zwischen den vier Stunden durch den Hürtgenwald zwischen dem Franziskus-Kloster in Vossenack und Simonskall und den zwölf Stunden am Ammersee sind gewaltig. „Wenn ich von Anfang an für das Einzelrennen gemeldet hätte, dann wäre ich wohl angesichts der zwölf Stunden verrückt geworden“, gesteht Bürke.

So aber hatte er wegen der kurzfristigen Entscheidung beim Frühstück keine Zeit, über die Herausforderung nachzudenken. Es fiel ihm schließlich immer leichter, die zwölf Stunden zu absolvieren: „Ich hatte schließlich einen Vorsprung von drei Runden. Da brauchte ich nicht an das Limit zu gehen. Ich konnte langsam fahren und schon mal eine halbe Minute Pause machen, um Wasser zu trinken oder eine Banane zu essen.“ Hühnlein und Bürke zogen sich gegenseitig immer weiter. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer und die telefonische Unterstützung von Bürkes Frau Julia ließen den Medaillengewinn immer leichter erscheinen. Und so hat er es keinesfalls bereut, die Tortur auf sich zu nehmen.

Und er wird sich wieder der Herausforderung stellen: „Im kommenden Jahr will ich den Titel verteidigen.“ Ohne vorher verrückt zu werden: „Ich weiß ja, was auf mich zukommt“, sagt Michael Bürke und lacht.

(sis)
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