Eintracht Walheim erfolgreich in Judo-Bundesliga

Ringen : Fritsch knackt „stärkste Kleinostheimer Bank“

Der Ringer-Bundesligist Eintracht Walheim gewinnt das Duell mit dem Favoriten aus Kleinostheim hauchdünn 14:13, bleibt aber weiterhin auf Tabellenplatz fünf.

Eine Erkenntnis, die keine wirkliche Neuigkeit ist, wird mit dem Begriff Binsenweisheit definiert. Eine solche Binsenweisheit wäre zum Beispiel der Hinweis darauf, dass es gute und schlechte Krimis gibt. Eine solche Feststellung – geschenkt. Dass die Bundesliga-Ringer von Eintracht Walheim und die Gäste des SC Kleinostheim (Hinkampf 9:14) dem zahlenden Publikum am Samstag im ersten Duell der Rückrunde einen höchst spannenden, weil dramatischen und durch und durch unterhaltsamen Krimi präsentierten, ist alles andere als eine Binsenweisheit.

Grandioser Kampfabend

Es war ein grandioser Kampfabend mit dem hauchdünnen, besseren Ende für die Eintracht. Sie bezwang den Tabellendritten bei je fünf Siegen für beide Teams mit 14:13 (Halbzeitstand 6:7). Die Eintracht bleibt damit auf Rang fünf der Gruppe Nordwest. Was die Mattenkünstler boten, war jeden Cent des Eintrittsgeldes wert.

Durch die Wechsel der Stilarten in der Rückrunde waren die Karten in den Gewichtsklassen neu gemischt. Dass am Ende Walheim mehr Asse in der Hand hatte, veranlasste Teamsprecher Dieter Otto zu der Feststellung: „Dieser Erfolg über den Tabellendritten lässt die Walheimer Chancen auf die Endrunde deutlich ansteigen.“ Eine zwar angesichts der schlechteren Kampfdifferenz im Vergleich zu Kleinostheim und dem Tabellenvierten Witten gewagte, aber doch noch mögliche Prognose, die die Chancen auf das Erreichen der Finalrunde offen lässt.

Wie eng die Auseinandersetzung war, zeigen auch Aussagen dreier direkt oder indirekt beteiligter Eintrachtler: Spieltrainer Yaschar Jamali gestand nach dem Sieg: „Ich hatte noch am Tag vor dem Kampf daran gezweifelt, dass wir es schaffen.“ Klaus Sailer, der ehemalige Coach der Mannschaft, meinte: „Das waren teils Weltklasse-Leistungen. Mit diesem Ergebnis war nicht zu rechnen.“ Und Vereinschef Berthel Heck diktierte: „Gegen ein so bärenstarkes Team wie Kleinostheim so aufzutreten – das war eine grandiose Mannschaftsleistung.“

Der Schlüssel, der die Türe zum Erfolg öffnete, hat den Namen Robert Attila Fritsch: Der 75-Kilogramm-Athlet der Walheimer (griechisch-römisch) musste im vorletzten Kampf – Kleinostheim führte 13:10 – gegen den Vizeeuropameister von 2016 und EM-Dritten 2017 Aleksandar Maksimovic gewinnen, um das Blatt noch zu wenden. Er schaffte es mit einer begeisternden, superstarken Leistung und einer offensiven Kampfart, seinen favorisierten Gegner in die Defensive zu zwingen und gewann 2:0 (4:1-Wertungen). „Fritsch knackte die stärkste Kleinostheimer Bank und ermöglichte den Sieg“, formulierte Dieter Otto treffend.

Weil es nun nur noch 13:12 für die favorisierten Gäste stand, musste 75-Kilo-Freistiler Alberts Jurcenko gegen den Defensivspezialisten Sascha Büchner „nur“ noch den Sack zumachen. Jurcenko schnürte diesen Sack schließlich mit einem 2:0-Erfolg zugunsten seines Klubs zu. Vorher waren es Purya Jamali, Robin Pelzer und erstmals seit 2015 wieder Edgar Babayan, die dem Walheimer Krimi ein hochdramatisches, hochklassiges und gutes Ende beschwerten.

„Die komplette Mannschaft ist an die Schmerzgrenze gegangen, jeder hat das letzte aus seinen Möglichkeiten herausgeholt“, bilanzierte Dieter Otto. Und Berthel Heck hielt ebenso begeistert wie erleichtert fest: „Eine grandiose, geschlossene Mannschaftsleistung, dieser Zusammenhalt zeichnet die Jungs aus. Sie haben ihre Heimstärke in einer tollen Atmosphäre unter Beweis gestellt.“

PS: Yaschar Jasmali gestand: „Es war sooo spannend. Unglaublich, wie zum Beispiel Edgar Babayan nach drei Jahren zurückgekommen ist. Mir ist bei manchem Kampf das Herz fast in die Hose gerutscht.“ Auch das ist es, was einen guten Krimi ausmacht . . .

Walheim - Kleinostheim 14:13: 57 Kilogramm/Gr.-röm.: Dennis Schmitz - Erik Tangel 0:4; 61 kg/Freistil: Purya Jamali - Jason Markgraf 3:0; 66 kg/GR: Robin Pelzer - Benjamin Hofmann 3:0; 71kg/F: Yaschar Jamali - Roman Duscov 0:3; 75 kg/GR: Robert Fritsch - Aleksandar Maksimovic 2:0; 75 kg/F: Alberts Jurcenko - Sascha Büchner 2:0; 80 kg/GR: Edgar Babayan - Christopher Fersch 4:0; 86 kg/F: Maximilian Otto - Marcus Plodek 0:3; 98 kg/GR: Martin Otto - Felix Radinger 0:1; 130 kg/F: Kasim Aras - Kevin Schwäbe 0:2

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