Die Tennis-Bundesligisten der Region vor dem Saisonstart: Ein Stadtduell „gibt es nur in Aachen“

Die Tennis-Bundesligisten der Region vor dem Saisonstart : Ein Stadtduell „gibt es nur in Aachen“

Es war am 12. August 2018, gegen 19 Uhr, ein sonniger Sonntagabend, als das Horrorszenario drohte. Zumindest aus Sicht der Aachener Tennisfans. Die Verantwortlichen des Zweitligisten Blau-Weiss Aachen hatten gerade erfahren, dass der Traum vom direkten Wiederaufstieg geplatzt war. Und zeitgleich schwebte Erstligist TK Kurhaus in höchster Abstiegsgefahr.

Dass es in dieser Saison zum Derby der beiden Aachener Klubs in der Ersten Liga kommt, und nicht in Liga zwei, hatte viel mit Nervenstärke und auch ein bisschen mit Glück zu tun. Die Vorfreude der beiden Teamchefs Alexander Legsding (Kurhaus) und Marc Zander (Blau-Weiss) auf die neue Spielzeit ist jedenfalls riesig. Vor dem ersten Aufschlag haben sich Benjamin Jansen und Wilhelm Peters mit den beiden über Ziele, Sponsoren und Blumensträuße unterhalten.

Am Sonntag startet die Tennis-Bundesliga-Saison. Es hat nicht viel gefehlt, und sie hätte in diesem Jahr ohne Aachener Beteiligung stattgefunden . . .

Alex Legsding: Das stimmt. Wir haben die Klasse im vergangenen Jahr erst am letzten Spieltag gehalten. Im entscheidenden Doppel lagen wir im Champions Tiebreak schon mit 2:6 hinten, danach ist den Spielern von Blau-Weiß Halle aber zum Glück kein Punkt mehr gelungen. Am Ende stand ein 3:3, und wir hatten den Ligaverbleib denkbar knapp gesichert.

Marc Zander: Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es Alex damals gegangen ist. Wir haben ja eine ähnliche Situation in dieser Saison mit unserer Frauen-Bundesligamannschaft erlebt. Wenn man selbst erfahren hat, wie so etwas laufen kann, dann weißt du, was das für eine Leistung ist, am Ende noch die Klasse zu halten. Kurhaus hat es – berechtigterweise – geschafft, der Verein gehört einfach in die Erste Liga.

Und auch Blau-Weiss Aachen ist wieder Teil der höchsten deutschen Spielklasse.

Zander: Sportlich haben wir den Aufstieg leider verpasst. Und dass wir als bester Vizemeister beider Zweitliga-Gruppen noch hochrücken würden, damit haben wir natürlich nicht gerechnet. Das war letztlich ein bisschen Fügung durch den Rückzug von Blau-Weiß Halle.

Personell haben beide Aachener Klubs von der Abmeldung des fünffachen Mannschaftsmeisters jedenfalls profitiert.

Legsding: Durch den Rückzug von Halle ist es uns gelungen, mit Jan-Lennard Struff und Tim Pütz zwei deutsche Davis Cup-Spieler zu verpflichten. Das ist eine tolle Sache, für uns, unsere Mitglieder und unsere Fans. Ich werde mittlerweile fast täglich gefragt: Wann schlagen die deutschen Davis Cup-Spieler in Aachen auf?

Und Ihre Antwort lautet dann?

Legsding: Dass das vom Abschneiden der beiden in Wimbledon abhängt. Ich rechne fest mit Jan-Lennard und Tim am zweiten Spieltag, wenn wir in Krefeld spielen. Und auch am dritten und vierten Spieltag sind beide eine Option.

Für Blau-Weiss könnten in diesem Jahr sogar drei ehemalige Hallenser spielen.

Legsding: Und das sind drei richtig gute . . .

Zander: Wir freuen uns auf jeden Fall auf Tallon Griekspoor, Thiemo de Bakker und Aslan Karatsev.

Die enge wirtschaftliche Verzahnung mit dem Modekonzern Gerry Weber hat Halle zur Aufgabe gezwungen. Wie wichtig sind Sponsoren in der heutigen Zeit?

Zander: Sehr wichtig. Ohne einen Großsponsor kann man in der Tennis-Bundesliga nicht oben mitspielen.

Legsding: Wir sind unserem Hauptsponsor Hermann Bühlbecker sehr dankbar für die langjährige, treue Unterstützung. Ohne seinen Einsatz würde das Lambertz-Team nicht seit 18 Jahren in der Ersten Liga spielen.

Wie wäre es mit dem TK Kurhaus weitergegangen, wenn der Verein in der vergangenen Saison abgestiegen wäre?

Legsding: Ich kann nicht sagen, ob wir dann in der Zweiten Liga angetreten wären. Aber zum Glück ist uns dieses Szenario ja erspart geblieben.

Es geht am kommenden Wochenende in der Ersten Liga weiter. Für beide Aachener Vereine. Auf der Homepage des Deutschen Tennis Bundes ist zu lesen, dass es für Blau-Weiss „von Beginn an nur um den Klassenerhalt geht“. Sehen Sie das genauso?

Zander: Ja. Unsere Spieler wissen, dass sie in jede Partie als Außenseiter gehen. Das erschließt sich schon beim Blick auf die Meldelisten. Das heißt aber nicht, dass wir nicht in der Lage sind zu punkten. Wir haben einige Jungs dabei, die für Überraschungen sorgen können.

Also könnte Ihr Team die „Wundertüte“ der Liga werden?

Zander: Gegen diesen Titel hätte ich nichts einzuwenden. Es wird für uns aber keinen Überlebenskampf geben, wie ich es in diesen Tagen irgendwo gelesen habe. Das Leben würde auch weiter gehen, wenn wir absteigen.

Die Prognose für Kurhaus geht in eine andere Richtung. „Trotz Platz acht in der Vorsaison gehen die Aachener nach Krefeld als der Topfavorit in die Saison“, schreibt der DTB.

Legsding: Ich sehe uns nicht als Titelanwärter. Vorjahressieger Mannheim, Krefeld und Gladbach sind für mich die Favoriten. Eine Platzierung zwischen Platz drei und fünf halte ich mit unserer Mannschaft für realistisch. Man darf nicht vergessen, dass uns Jan-Lennard Struff zum Beispiel ab Mitte der Saison nicht zur Verfügung steht.

Angeführt wird das Kurhaus-Aufgebot wie im Vorjahr vom Spanier Roberto Bautista-Agut, immerhin die Nummer 22 der Welt. Wird er in diesem Jahr im Lambertz-Dress aufschlagen?

Legsding: Das war schon im vergangenen Jahr geplant, eine Verletzung von Roberto hat das aber verhindert. In dieser Saison könnte er vielleicht im Heimspiel gegen Düsseldorf mitspielen.

An Nummer eins im Blau-Weiss-
Aufgebot befindet sich ein Inder.

Zander: Ja. Prajnesh Gunneswaran ist am Dienstag in Wimbledon ausgeschieden. Wir sind in Kontakt und schauen gerade, ob er am Sonntag in Weinheim mitspielen kann.

Apropos Weinheim: Wie zufrieden sind Sie mit dem Spielplan?

Zander: Logistisch hätte es für uns nicht viel besser laufen können. Wir haben fünf Heimspiele, und mit Kurhaus, Gladbach und Düsseldorf haben wir drei von vier Auswärtspartien in der Nähe. Spielerisch ist es nicht so wichtig für uns, an welchem Spieltag wir gegen welches Team antreten.

Legsding: Ich finde, dass es ein sehr interessanter Spielplan ist. Zum Auftakt haben wir direkt ein schönes Heimspiel gegen Köln vor der Brust.

Und zum Abschluss steht dann das Derby an. Besteht die Gefahr, dass es zu diesem Zeitpunkt für beide Teams um nichts mehr geht?

Legsding: Selbst wenn das so wäre: Dann bleibt es immer noch ein Derby. Das ist immer brisant. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf das Aufeinandertreffen mit Blau-Weiss. Ich hoffe, dass unsere Anlage im Kurpark aus allen Nähten platzt.

Was wünschen Sie dem jeweils anderen Klub für die anstehende Saison?

Legsding: Ich würde mir wünschen, dass Blau-Weiss die Klasse hält. Zwei Bundesligisten aus einer Stadt sind etwas ganz Besonderes. Das gibt es nur in Aachen. Und es wäre schön, wenn das auch 2020 so wäre.

Zander: Ich hoffe, dass Kurhaus oben mitspielt. Das haben der Verein und Alex verdient. Und sollte schon vor dem letzten Spieltag für uns der Klassenerhalt feststehen und für Kurhaus der Meistertitel, werden wir auch garantiert mit einem Blumenstrauß antreten (lacht).

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