Fußball: Die neue Videotechnik sorgt für Gesprächsstoff

Fußball: Die neue Videotechnik sorgt für Gesprächsstoff

Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) rührt die Werbetrommel. Die Vision: Schon bald sollen möglichst viele Spiele zwischen Kreis- und Mittelrheinliga live im Internet übertragen werden.

Dafür hat der FVM im vergangenen Jahr langfristige Kooperationen mit den Unternehmen Soccerwatch und Sporttotal abgeschlossen.

Die beiden Streaminganbieter stellen den Vereinen ihr vollautomatisches Kamerasystem zur Verfügung. Die Geräte werden auf Höhe der Mittellinie – in der Regel an Flutlichtmasten – befestigt. Die Kameras verfolgen dann das Geschehen auf und teilweise neben dem Platz dank künstlicher Intelligenz automatisch, die Fans können das Spiel kostenlos vom Sofa aus verfolgen. „Das Kamerasystem wird durch uns einmal montiert. Fortan ist weder Ein- noch Ausschalten nötig. Die Kamera springt rechtzeitig zum Anpfiff an und schaltet sich nach Spielschluss automatisch ab. Viel Fußball, kein Personalaufwand“, lautet das Motto von Soccerwatch.

Brutaler Schläger im Bild

Mit Werbeeinblendungen sollen die Projekte teilfinanziert werden. Zudem stehen große Konzerne hinter den Anbietern, wie die Telekom bei Sporttotal und Vodafone bei Soccerwatch. Drei Vereine aus dem Fußballkreis Aachen haben bereits eine vollautomatische Kamera installiert: Eintracht Verlautenheide, der VfL Vichttal und Teutonia Weiden. Auf der Platzanlage der Eintracht am Heider-Hof-Weg sorgte Ende vergangenen Jahres ein Video für Aufsehen, das einen brutalen Schläger am Seitenrand zeigt (wir berichteten). Aufgenommen wurde die Szene von einer Soccerwatch-Kamera, die die Gewalt-Eskalation live ins Netz streamte.

Diese neue Form der Berichterstattung findet nicht bei allen uneingeschränkte Zustimmung. So hat die Stadt Aachen unlängst alle Vereine angeschrieben und per Brief die Installation einer solchen Kamera auf städtischen Plätzen untersagt, mit der Begründung, dass es sich um eine „bauliche Veränderung“ handele und vorab datenschutzrechtliche Dinge geklärt werden müssten. „Wir wollen das den Vereinen ganz sicher nicht vermiesen, aber einige offene Fragen müssen noch beantwortet werden“, unterstreicht Björn Gürtler vom Presseamt der Stadt Aachen. Dabei müsse vor allem gewährleistet sein, dass bei Schulsport-Veranstaltungen oder Kinder- und Jugendfußballspielen die Geräte nichts aufzeichnen. Interessierte Vereine sollen sich mit dem Sportamt in Verbindung setzten, wie Gürtler betont. Mit den Verantwortlichen von Eintracht Verlautenheide sei man bereits im Gespräch.

Ähnlich schildert Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen, die Situation bei Teutonia Weiden. Auch hier sei die Kamera ohne Zustimmung der Kommune installiert worden. Mitarbeiter der Stadt hätten das Gerät am Flutlichtmast eher zufällig entdeckt. „Das löst natürlich eine Datenschutzproblematik aus. Wer garantiert uns denn, dass die Kamera nicht rund um die Uhr aufzeichnet?“, verdeutlicht Schaffrath. Soccerwatch sei von der Stadt angeschrieben worden, um entsprechende Fragen zu klären. Zudem sieht Schaffrath für die Vereine die Gefahr, dass die Zuschauer durch die Liveberichterstattung nicht mehr zum Platz kommen.

Für Stefan Sander, zuständig für die Vereine und den Kundenservice bei Soccerwatch, sind diese Bedenken Alltagsgeschäft. Fast täglich erreichen ihn Anfragen von besorgten Vereins- oder Verbandsvertretern. „Der Datenschutz ist momentan ein Riesenthema“, sagt Sander. „Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer werden aber vor Betreten der Platzanlage durch Schilder darauf hingewiesen, dass gefilmt wird. Zudem schaltet sich die Kamera etwa fünf bis zehn Minuten vor einem offiziell eingetragen Spiel erst ein und kurz danach wieder automatisch ab“, fügt er hinzu. Partien unterhalb der A-Junioren seien aus Datenschützengründen besonders sensibel und würden daher erst gar nicht aufgezeichnet. „Und der Platzwart muss keine Bedenken haben, dass er beim Rasenmähen gefilmt wird“, ergänzt Sander augenzwinkernd. Die Gefahr, dass künftig noch weniger Zuschauer die Spiele vor Ort besuchen könnten, sieht Sander ebenfalls nicht. „Das Live-Erlebnis am Platz können wir nicht ersetzen.“

Diese Erfahrung haben auch die Verantwortlichen von Eintracht Verlautenheide gemacht, wie Obmann Fabian Scheen berichtet: „Bei uns hängt die Kamera schon seit mehr als einem Jahr, und die Leute kommen immer noch gerne zum Platz.“ Der 30-Jährige sieht durch die Bewegtbilder von den Spielen „eine Steigerung der Attraktivität“ und „einen Gewinn für den Amateurfußball“. Scheen sagt: „Die Spieler sind total glücklich, wenn sie sich ein Tor nochmal anschauen können. Und unsere Trainer nutzen die Videos teilweise für die Analyse. Wir hatten bislang keinerlei Probleme, weder mit Soccerwatch noch mit FuPa.tv.“

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