Aachen: Der BTB Aachen und die Harz-Affäre

Aachen : Der BTB Aachen und die Harz-Affäre

Sechs Wochen dauert es noch, dann treten die Handballer des BTB Aachen zu ihrem ersten Pflichtspiel an: Als Gegner im Pokal-Halbfinale des Handballverbandes Mittelrhein (HVM) wird der Polizei SV Köln anreisen. Kleiner Schönheitsfehler: Die Spieler des Aufsteigers in die Regionalliga haben bislang keine Sekunde lang Balltraining absolviert — und werden es bis zum Ende der Woche auch nicht gemacht haben, denn das Städtische Sportamt hat den Burtscheider Verein mit einem Hallenverbot sanktioniert.

„Ich will hier nicht von einem Riss sprechen“, sagt Ralf Klinkenberg, Abteilungsleiter Handball beim BTB, „aber das ist eine sehr unbefriedigende Situation für uns. Unsere erste Mannschaft spielt in derselben Spielklasse wie die Fußballer von Alemannia Aachen, und wir können uns nicht vernünftig auf die Saison vorbereiten.“

Klebriges Vergnügen: Das Harzen der Spielbälle ist im Handball üblich, BTB-Trainer Martin Becker (kleines Foto) sieht durch die Sanktionen der Stadt die Vorbereitung auf die neue Saison beeinträchtigt. Foto: Birkenstock

Stein des Anstoßes ist — nicht zum ersten Mal — die Nutzung sogenannter Haftmittel, eine harzige oder wachsige Substanz, die den Spielern mehr Grip gibt und das einhändige Fangen erleichtert. Grundsätzlich ist der Einsatz, der in höheren Ligen gang und gäbe ist, im Bereich des HVM verboten, wird aber geduldet, wenn der Halleneigner mitspielt.

Genau das macht die Stadt Aachen nicht, und die Hallenreinigung in Eigenregie durch den Verein war ihr nicht ordentlich genug. Es habe dann ein Krisengespräch mit den Vereinsverantwortlichen gegeben, so das Sportamt, in dem man dem BTB zunächst eine Hallensperrung während der gesamten Sommerferien in Aussicht gestellt habe. „Daraufhin habe ich gesagt, dann können wir die erste Mannschaft auch direkt abmelden“, sagt Klinkenberg. Betroffen ist nicht nur das sportliche Aushängeschild, sondern auch die zweite, die Frauenmannschaft und einige Jugendteams.

Der Kompromiss: Eine Woche Hallensperrung wegen Renovierungsarbeiten, zwei weitere wegen der Harz-Affäre. Aus der sportlichen Sicht von Martin Becker, Trainer der Ersten des BTB, mehr als unbefriedigend: „Meine Spieler haben bislang nur Kondition auf dem Aschenplatz gebolzt, aber noch keinen Ball in der Hand gehabt. Eigentlich sollten wir in der Vorbereitung zum jetzigen Zeitpunkt schon viel weiter sein, diesen Rückstand werden wir bis zum Saisonauftakt auch nicht mehr aufholen“, befürchtet Becker.

Doch die Fronten scheinen verhärtet, zumal es in Aachen immer wieder zu Beschwerden der Schulen gekommen ist und es aufgrund von Reinigungsarbeiten, die dann dem BTB in Rechnung gestellt und bezahlt worden waren, zu Unterrichtsausfällen kam. Ein Phänomen, das es im benachbarten Würselen, bislang Heimat der beiden Weidener Klubs TV und Westwacht und zukünftig des Fusionsklubs HC Weiden, nicht gegeben hat — und auch dort herrscht generelles Harzverbot.

„Wir haben 30 Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet“, zeigt Klinkenberg die Dimensionen auf, „und wir geben Familien und ihren Kindern eine sportliche Heimat. Als Ehrenamtler kommt man schnell an seine Grenzen, wenn man alles bis auf das Letzte kontrollieren will.“

Mit der Sperre, die nach dieser Woche endet, dürfte der Knatsch um die verharzten Hallenböden nicht ausgestanden sein. „Der Widerruf der Nutzungszeiten soll wiederholt werden, sobald weitere Zuwiderhandlungen festgestellt werden“, erklärt das Sportamt. Bleibt die Frage, ob der geplante Tag der offenen Tür des BTB im August nicht zu einem Tag der geschlossenen Tür wird.

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