Transalpine Run: Collet lief acht Tage lang durch die Alpen

Transalpine Run : Collet lief acht Tage lang durch die Alpen

Sonntagabend, 21 Uhr: André Collet ist nach einer langen Rückfahrt aus Südtirol wieder zu Hause angekommen. Acht Tage lang war er durch die Alpen gelaufen, hatte erstmals beim Transalpine Run, einem der härtesten und spektakulärsten Trailrun-Events der Welt, mitgemacht.

Und gefinished – als Vierter der Klasse Seniormaster mit Partner Michael Sommer (Schwaikheim). 273,8 Kilometer mit 16.250 Höhenmetern bergauf und 14.400 Höhenmetern bergab – das sollte erst mal reichen. Denkt man. „Um 23.30 Uhr habe ich mich schnell noch vor Meldeschluss für die DM über 100 Kilometer am 21. September, meinem Geburtstag, angemeldet“, sagt Collet und muss selbst lachen, weil er weiß, dass diese Aussage ungläubiges Kopfschütteln hervorruft.

„Ich fühle mich fit, habe keine Muskelschmerzen oder sonstige Beschwerden“, sagt der noch 47-Jährige wie zur Verteidigung. Das hatte sich nach Tag eins des Transalpine Runs noch anders angehört. „Das war eine Hitzeetappe, unwahrscheinlich heiß“, blickt der Läufer der Aachener TG zurück. Im freien Fall war er gleich zu Beginn gestürzt und mit dem Knie auf eine Felsplatte geknallt. „Da habe ich zuerst gedacht, jetzt ist es schon vorbei.“ Aber es ging weiter. Collet und Sommer liefen als Zweite aufs Treppchen. „Wir haben selbst erfahrene Favoriten hinter uns gelassen“, sagt Collet, der unterwegs einem von diesen, der dehydriert den Anschluss verloren hatte, mit Wasser aushalf und ihn so im Rennen hielt. „Teamgeist gehört dazu. Und außerdem: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“, sind Collet bei allem Ehrgeiz menschliche Dinge sehr wichtig, auch wenn ihm besagter Läufer später das Podium streitig machte.

„Mit Sonnenbrand kamen wir ins Ziel. Der erste Tag war schon knackig, und ich dachte, ,oh weh, noch weitere sieben Tage’. Aber dann habe ich mich eingelaufen“, berichtet Collet. „Jede Etappe hatte ihren eigenen Charme, und zum Glück kannte Michael die Strecke recht gut, was mir in den technischen Passagen geholfen hat. Während ich keine körperlichen Probleme hatte, hat er sich – für mich – trotz Schmerzen in Beinen, Füßen und Magen durchgebissen.“

300 Teams aus 40 Nationen waren in Oberstdorf auf der Westroute zur Alpenüberquerung durch Österreich, der Schweiz und Italien bis zum Ziel in Sulden gestartet. „Das Rennen ist so etwas wie eine Achterbahn, rauf und runter, über Fels, matschige Stücke, Trampelpfade, Action pur“, sagt Collet und fügt lachend hinzu: „Wie eine Gämse bin ich den Berg rauf und runter. Rauf war mir lieber, auch wenn das anstrengender war, da fühlte ich mich sicherer. Runter ist gefährlicher, jeder Schritt muss sitzen.“ Nach zwei, drei Tagen stieg aber die Zuversicht, dass er durchkommen würde.

Auch wenn Collet einen herben Schlag hinnehmen musste – er wurde von einer Frau überholt! „Unglaublich, die lief wie eine junge Bergziege, da wusste ich, wo der Hammer hängt“, erinnerte er sich an sein schwärzestes 100-Kilometer-Rennen in China, wo er bei Kilometer 50 einbrach und ebenfalls eine Frau vorbeizog. Sein Tiefpunkt kam an Tag fünf, „da bin ich drei Mal gefallen. Das war gar nicht so eine anspruchsvolle Strecke, vielleicht gerade deshalb war die Konzentration nicht so hoch. Und die Kraft lässt auch nach. Ich bin auf meinen Ellbogen gefallen.“

Da das Wetter umschlug, musste die letzte Etappe geändert werden. „Das wäre sonst zu gefährlich geworden. Im Gebirge gab es den ersten Schneefall“, ist Collet glücklich, dass er und Michael Sommer das Rennen gefinished hatten. „Eine Altersklasse darunter wären wir mit unserem Ergebnis auf dem Podium gewesen“, verdeutlicht Collet die Stärke der Konkurrenz. „Aber Platz vier bei der Premiere ist toll, das haben alle gesagt, zumal, wenn man sieht, wer da oben steht: Fast alles Sportler, die in den Bergen zu Hause sind.“

Und Collet hat Blut geleckt: „Ich würde den Transalpine Run gerne noch einmal angehen.“

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