Größtes Spiel der Vereinsgeschichte: BTB Aachen reist zum DHB-Amateurpokal-Finale nach Hamburg

Größtes Spiel der Vereinsgeschichte : BTB Aachen reist zum DHB-Amateurpokal-Finale nach Hamburg

Es ist das größte Ereignis in der Geschichte des Vereins, ein geradezu historisches. Und man merkt, dass die Vorfreude wächst. Martin Becker (37), Trainer des BTB Aachen, und Carsten Jacobs (27), Spieler des Handball-Regionalligisten, strahlen, wenn sie auf Sonntag vorausschauen. Dann steht der BTB in der Hamburger Barcleycard Arena im DHB-Amateurpokal-Finale. Mit den beiden sprach Helga Raue.

Das DHB-Amateurpokalfinale als Vorspiel vor dem Final-Four-Finale, wie groß ist die Vorfreude?

Martin Becker: In so einer Halle, die 13.000 Zuschauer fasst, zu spielen, ist etwas Besonderes. Im vergangenen Jahr verfolgten zwischen 3000 und 5000 Zuschauer das Amateurfinale. Einmal habe ich mit dem BTB in der Kölner Lanxess-Arena gespielt. Wir bestritten das Vorspiel vor der Partie Gummersbach gegen Kiel, das war gigantisch. Man steht da unten und schaut erst mal nur nach oben in die Ränge. Sehr viele von uns werden so eine Kulisse wie in Hamburg nicht mehr erleben.

Carsten Jacobs: Die Vorfreude ist riesig, selbst in der Uni und beim Handball hat man jetzt nur noch Hamburg im Kopf. Gefühlt habe ich nie vor mehr als 1000 Leuten gespielt in der Dritten Liga, das wird ein Riesenerlebnis, das ist für uns alle etwas Besonderes.

War der DHB-Pokal ein Saisonziel?

Jacobs: Wir Spieler haben schon im Trainingslager darüber geredet, dass wir uns via Kreis- und Mittelrheinpokal qualifizieren könnten, dass es ein Bonus für uns wäre. Aber . . .

Becker: . . . ich als Trainer habe das Augenmerk mehr auf die Liga gelegt, schließlich waren wir ein Aufsteiger, und das erste Ziel musste der Klassenerhalt sein. Hamburg ist eine schöne Sache, wären wir aber abgestiegen, wäre es mir ein Dorn im Auge gewesen, weil die Prioritäten nicht gestimmt hätten.

BTB-Trainer Martin Becker. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Hätten Sie gedacht, dass das Finale in Hamburg drin ist?

Jacobs: Den Kreispokal hat der BTB schon öfters gewonnen, den Mittelrheinpokal erstmals. Als wir im DHB-Viertelfinale Korschenbroich geschlagen haben, haben wir gesagt, nun wollen wir ins Finale, da ist die Euphorie hochgekocht.

Becker: Natürlich war die Euphorie auf einmal groß. Aber wir haben auch angesprochen, dass wir erst unsere Hausaufgaben machen müssen und nicht in der Liga nachlässig werden dürfen, weil wir mit dem Kopf woanders sind.

Hatten Sie Bedenken?

Becker: Nein, Bedenken hatte ich nicht, den Gedanken daran aber schon. Wenn wir in der Liga angetreten sind, hat jeder 1000 Prozent gegeben.

Jacobs: Trotz aller Euphorie haben wir es geschafft, den Fokus auf der Liga zu halten. Aber seit wir das Spiel am Sonntag hinter uns und den Klassenerhalt sicher hatten, haben wir Hamburg im Kopf.

Das ist sicher gestattet, zumal die Saison ja sehr erfolgreich läuft.

Becker: Die ist sensationell. Ende der Hinrunde hatten wir schon 13 Punkte, und nun – fünf Spiele vor Schluss – stehen wir mit 24:20 Zählern auf Rang sechs und haben als Aufsteiger die Klasse gesichert. Wir sind zwar nicht gut gestartet, haben uns aber schnell gefangen und vor allem zu Hause eine unglaubliche Serie mit 17:5 Punkten gespielt.

Auswärts war es nicht ganz so erfolgreich.

Becker: Auswärts ist noch Luft nach oben. Wir haben in der Winterpause an ein, zwei Stellschrauben gedreht – vor allem an mentalen Dingen – jetzt agieren wir auch auswärts gut. Ich bin mehr als zufrieden.

Welche Stellschrauben waren das?

Becker: Jede Mannschaft in dieser Liga ist heimstark, daher ist es schwerer, auswärts zu punkten. Es ging um mentale Dinge – wie Erinnerungen. Vor der Partie in Korschenbroich hat unser Betreuer ein Plakat gemacht, dass an unser Aufstiegsspiel Ende der vergangenen Saison erinnerte. Es sollte bewirken, dass die Jungs sich auch auswärts in der Kabine wie zu Hause fühlen und selbstbewusst auftreten.

Jacobs: Es hat tatsächlich gewirkt. Weil unser Auswärtsproblem eine reine Kopfsache war. Aber wir sind auch über die Saison hinweg gereift. Man darf nicht vergessen, dass die Nordrheinliga für die meisten Jungs die höchste Klasse ist, in der sie bisher gespielt haben.

Reist das Plakat mit nach Hamburg?

Becker: Ja, das ist jetzt ein treuer Begleiter auf Auswärtsfahrten.

Jacobs: Selbstverständlich, es wird in der Kabine hängen. Zu Hause ist es einfach, mit breiter Brust aufzulaufen. Es erinnert uns daran, dass wir das auch auswärts können. Aber das Pokalfinale ist nicht mit normalen Auswärtsspielen zu vergleichen, wir werden versuchen, es zu genießen. Andererseits: Wenn das Finale angepfiffen wird, dann wollen wir gewinnen und nicht nur ein schönes Wochenende in Hamburg verbringen.

Apropos Liga, wie schätzen Sie die Mannschaft aktuell ein?

Becker: Sie ist im Laufe der Saison stärker geworden, hat eine sehr große Entwicklung gemacht. Wenn ich etwa unsere Spiele gegen Bonn sehe: Das Hinspiel haben wir verloren, das Rückspiel zu Hause mit zehn Toren Unterschied gewonnen. Auch da­ran sieht man, wie wir uns weiterentwickelt haben. Zudem haben wir davon profitiert, dass wir von schweren Verletzungen verschont geblieben sind.

Apropos Mannschaft, Sie sind wie viele andere langjährige „Bandits“?

Becker: Ich habe in der Jugend bei Schwarz-Rot Aachen gespielt, auch auch zu Beginn der Seniorenzeit. Dann bin ich zum BTB gewechselt, habe damals mit Simon Breuer unter Khalid Khan gespielt. Insgesamt waren es vier Regionalliga-Jahre beim BTB. Danach bin ich als Spieler und später Trainer zurück zu Schwarz-Rot gegangen. Im Sommer gehe ich nun in meine fünfte Saison als BTB-Coach.

Jacobs: Ich habe die komplette Jugend beim BTB verbracht, schon mit 17 Jahren bei den ersten Herren – noch mit Martin zusammen – gespielt. 2016 bin ich für zwei Jahre nach Ratingen gewechselt, weil ich in der Dritten Liga und dort mit Simon Breuer spielen wollte.

Was hat Sie bewogen, im Sommer 2018 zum BTB zurückzukehren?
Jacobs: Es waren zwei schöne Jahre, ich habe sportlich viel in Ratingen gelernt. Der Wechsel von Simon hat den Ausschlag gegeben, ich habe gesehen, dass es beim BTB vorwärts geht und sich etwas entwickelt. Davon wollte ich ein Teil sein. Ich bin froh, wieder hier zu sein. Meine besten Freunde spielen hier.

Viele Spieler halten über Jahre dem BTB die Treue. Ist das das Erfolgsrezept?

Becker: Die Mannschaft ist wirklich eine verschworene Gemeinschaft, nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Wir verstehen uns gut, sind Freunde, die meisten Akteure spielen seit Jahren zusammen, einige leben sogar in einer WG.

Jacobs: Und auf dem Platz agieren wir mannschaftlich sehr geschlossen. Jeder steht für jeden ein, in jeder Phase des Spiels, auch bei Fehlern halten wir alle zusammen.

Übrigens, wie ist Martin Becker denn so als Trainer?

Jacobs: Wir kennen uns schon sehr lange und haben ja auch schon zusammen auf dem Feld gestanden. Er ist ein sehr guter Trainer, der es versteht, die Mannschaft zu führen. Martin kann mit den Spielern sehr gut umgehen, er weiß, wie er jeden ansprechen muss.

Becker (lacht): Da beschwere ich mich nicht.

Wie ist Carsten Jacobs als Spieler?

Becker: Es hat wehgetan, als er 2016 nach Ratingen gegangen ist, aber als Trainer wollte ich ihm keine Steine in den Weg legen. Es hat seiner Entwickling gutgetan. Carsten ist Linkshänder, was mich begeistert, da ich selbst einer war. Er bringt Erfahrung, Torgefährlichkeit und Schnelligkeit mit, ist inzwischen aber auch ein guter Deckungsspieler. Er ist ein Vorbild für die jungen Spieler und hat einen hohen Stellenwert in der Mannschaft, nicht nur wegen seiner Leistung auf dem Platz, sondern auch daneben.

Jacobs (strahlt): Schön gesagt.

Wie geht die Vorbereitung weiter?

Becker: Am Donnerstag stehen Training und Videostudium an. Freitag wird trainiert. Am Samstag geht es bereits um 5 Uhr morgens los, da wir uns die Final-Four-Spiele anschauen wollen. Am Sonntag haben wir hoffentlich selbst etwas zu feiern. Rund 90 BTB-Fans werden uns in Hamburg anfeuern. Der Großteil der Mannschaft bleibt bis Montag, dann geht es zurück.

Und wie geht es weiter, wenn der BTB gewinnen sollte?

Becker: Die erste Runde im DHB-Pokal ist Mitte August terminiert. So weit denken wir nicht. Alles, was obendrauf käme, wäre zusätzlich.

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