Düren: Blair Bann hat die Komfortzone des Liberos verlassen

Düren : Blair Bann hat die Komfortzone des Liberos verlassen

In den ersten drei seiner mittlerweile fünf Jahren bei den SWD Powervolleys Düren tauchte Blair Bann regelmäßig ganz oben auf in der Rangliste der Spieler, die die Aufschläge der Gegner am besten entschärfen können. Der Kanadier ist ein wenig abgerutscht. Aber das hat auch einen Grund.

Aktuell steht er in der Kategorie Annahme auf Platz fünf der Volleyball-Bundesliga. Der Grund: Bann ist mittlerweile nicht mehr Spitze in der Bundesliga. Er ist Weltklasse. Das steht spätestens fest, seit er im vergangenen Sommer zum besten Libero der Weltliga gewählt wurde. Und die schlechtere Statistik ist der Grund dafür. „Blair opfert seine Statistik auf, um der Mannschaft zu helfen“, sagt Trainer Stefan Falter.

Statistik ist das einzige, mit dem Liberos im Volleyball Eindruck machen können. Sie dürfen nicht aufschlagen, nicht blocken, nicht angreifen. Bei allem, was kracht, sind sie raus. Beziehungsweise sie kriegen die Bälle ab, die die Gegner über das Netz prügeln. Eine gute Quote in der Annahme ist das, worüber sich die meisten Liberos definieren, damit werben viele Spielervermittler.

„Ich habe früher schon öfter auf meine Quote geschaut“, sagt der 30-Jährige. Heute ist das anders. Seine Rolle in Düren und die in der kanadischen Nationalmannschaft hat sich geändert. „Wenn du als guter Libero bekannt bist, dann versuchen die Gegner, es zu vermeiden, dich mit ihrem Aufschlag anzuspielen“, sagt Bann. Bei ihm sei das auch lange so gewesen. „Das Problem ist, du kannst das Spiel kaum mitgestalten, wenn du nur acht oder zehn Mal den Ball bekommst“, beschreibt der Abwehrchef aus Kanada.

Seit dem Sommer 2016, dem Jahr, in dem er bei den Olympischen Spielen in Rio dabei war, hat Bann die Komfortzone des guten Liberos verlassen. 20 oder 30 Annahmen pro Spiel sind sein Ziel. Deswegen wirft er sich mittlerweile in Bälle, die die Gegner eigentlich in eine andere Ecke des Feldes geschlagen haben. Das hilft den Mitspielern, falls es der Abwehrchef nicht übertreibt. Aber es macht den Libero auch anfälliger für Fehler, weil die Ballkontrolle geringer wird, je weiter er seine Komfortzone verlässt.

„Damit eröffnest du eine Art Katz- und Maus-Spiel“, erklärt Bann. Entweder versuchen die Gegner auszutesten, wie weit er seine Komfortzone verlässt, um seine Fehlerquote in die Höhe zu treiben. Oder sie spekulieren darauf, dass er die Komfortzone verlässt und schlagen genau dahin auf. So wie bei einem Elfmeterschießen im Fußball, wenn der Schütze sich darauf verlässt, dass der Torwart in eine Ecke springt und genau in die Mitte zielt.

In einer Rückrunde, die aus Dürener Sicht von großem Verletzungspech geprägt war, weil mit Dirk Westphal und Romans Sauss die beiden als Stammspieler neben Bann in der Annahme der gegnerischen Aufschläge eingeplanten Angreifer lange zeitgleich ausgefallen sind, hat Banns Opferbereitschaft sein Team oft gerettet. Den unerfahrenen Außenangreifern Julius Firkal und Karli Allik hat der Kanadier so viel Verantwortung wie möglich abgenommen. Für seine Statistik war das noch schlechter. Seiner Mannschaft hat das geholfen, Platz vier vor dem heutigen Gegner im Viertelfinale, den Alpenvolleys, zu verteidigen.

Die Saison hat Kraft gekostet. Einerseits, weil Bann so oft außerhalb seiner Komfortzone über das Feld gehechtet ist. Andererseits, weil sie für den Kanadier schon so lange dauert. Nach der vergangenen Saison hat er kurz Pause gemacht, um dann mit Kanada die Weltliga zu spielen, dort im September mit dem Team die Bronzemedaille zu gewinnen und selbst zum besten Libero des Wettbewerbs gekürt zu werden. Zeit zur Entspannung gab es kaum. „Im Februar war das hart. Da habe ich schon Müdigkeit gespürt. Aber jetzt geht es zur Sache. Das Viertelfinale wird ein knallharter Kampf.“

Möglicherweise werden die Play-offs die letzte Schlacht, in die Blair Bann für die SWD Powervolleys zieht. Denn Statistik hin oder her — eine Auszeichnung als bester Libero der Weltliga weckt Interesse. In Düren sind sie heilfroh, dass sie den Vertrag mit dem 30-Jährigen schon verlängert hatten, bevor er an der Finalrunde der Weltliga teilgenommen hat.

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