Rheine: Beim Ultramarathon einfach mal 100 Kilometer weit gelaufen

Rheine : Beim Ultramarathon einfach mal 100 Kilometer weit gelaufen

„Da laufe ich doch einfach mal 100 Kilometer weit.“ Die wenigsten Menschen werden auf diesen Gedanken kommen, selbst wenn man vorher schon Marathon gelaufen ist. Auch da sind immerhin schon 42,195 Kilometer zu bewältigen. Doch Thomas Rubel juckte es quasi in den Füßen, sich auch einmal auf die lange Strecke zu begeben.

Mit Erfolg: Bei den Deutschen Meisterschaften im Ultramarathon im westfälischen Rheine wurde der 36-Jährige in 8:09:43 Stunden Zweiter seiner Altersklasse M 35 und Zwölfter im Gesamtklassement. Erfolgreich waren auch der Gesamt-22. Wolfgang (M 60; beide TV Konzen) und die Gesamt-14. Marion Braun (W 60; Germania Eicherscheid), die ihre jeweiligen Altersklasse in 8:45:92 bzw. 9:56:44 Stunden gewannen. André Collet (Aachener TG), Deutscher Meister 2016 und Vizemeister 2017 in der offenen Klasse, hat auf die DM verzichtet, da er sich speziell auf die WM Anfang September in Kroatien vorbereitet.

Verpflegung unterwegs: Wolfgang Braun stärkt sich beim Durchlaufen des ehemaligen Flugzeughangars. Seine Frau Marion (rechtes Foto) freut sich nach knapp zehn Stunden über den Zieleinlauf.

„Wir haben Thomas animiert, es doch mal zu versuchen, und dann konnten wir selbst auch nicht mehr zurück“, kommentiert Marion Braun lachend. Der ließ sich gerne animieren, weil „ich gemerkt habe, dass mir lange Strecken liegen“, so Rubel. Schon als Kind war er gerne gelaufen, hatte sich aber — wie der Rest der Familie — dem Reitsport verschrieben und Dressuren bis Klasse M geritten.

Freude über DM-Silber in der Altersklasse M 35: Thomas Rubel bei seinem ersten Start über 100 Kilometer.

Als er jedoch die Ausbildung bei der Polizei begann, fehlte zunehmend die Zeit für ein eigenes Pferd. „Zudem muss ich auch für den Job eine gute Grundkondition haben“, sagt Rubel, der „nach zwei, drei Wochen den Fußballern“ unter seinen Kollegen schon weglief. Rubel gesteht: „Damals habe ich aber etwas übertrieben, musste kürzertreten und meinen Traum vom Marathon zurückstellen.“

Seit 2012 schnürt er privat seine Laufschuhe beim TV Konzen, wo in einer großen Gruppe trainiert wird, zu der auch die „Braunis“ gehören. „Da habe ich viele Tipps bekommen und meinen ersten Wettkampf angepeilt.“ Die Initialzündung war der Osterlauf in Eupen über schlappe 15 Kilometer. Das hat so gut geklappt, dass der nächste Versuch der Monschau-Marathon war — obwohl Rubel sich zwei Wochen zuvor erst einen Bänderriss zugezogen hatte.

Bei der DM in Rheine hatte die Läufer ein flacher, fünf Kilometer langer Rundkurs erwartet, der über ein Militärgelände führte mit Verpflegungsstationen in den Hangars. Im Dunkeln um 6 Uhr morgens ging es bei sechs Grad los — mittags herrschten vorsommerliche 16 Grad. „Angesichts des Wetters und der Schneedecke in der Eifel zuvor beim Training hätte ich es mir kälter gewünscht, zudem war es teilweise recht windig“, berichtet Rubel, der aufgrund von Magenproblemen bei Kilometer 60 das Tempo rausnehmen musste, aber nie ans Aufhören gedacht hat. „Sicher habe ich den ein oder anderen Fehler gemacht. Bei der Zeit ist noch was drin. Aber es fühlt sich gut an, überhaupt durchgekommen zu sein. 100 Kilometer zu laufen, ist ja nicht selbstverständlich.“

Ende Mai will der Polizeioberkommissar die nächste Premiere folgen lassen, einen Ultratrail im belgischen Robertville über 60 Kilometer. Anfang Juli geht es zum Skymarathon, einen Ultratrail über 45 Kilometer mit 3000 Höhenmetern, ehe der Monschau-Marathon als läuferischer Saisonhöhepunkt angepeilt wird.

In Robertville wollen auch die „Braunis“, wie sie von den Lauffreunden liebevoll genannt werden, mit dabei sein. Zuvor geht es aber am Wochenende nach Ostern noch zum Rom-Marathon, „der stand noch auf meiner Wunschliste“, so Marion Braun. Vor drei Jahren war die jetzt 60-Jährige bei der WM im niederländischen Winschoten Weltmeisterin in ihrer Altersklasse geworden, ihr Mann, der am Freitag 64 Jahre alt geworden ist, hatte seine Altersklasse ebenfalls gewonnen.

Für beide war das übrigens der letzte reine Straßenlauf vor dieser DM. „Damals bin ich 8:07 Stunden gelaufen, meine absolute Bestzeit“, sagt Wolfgang Braun, der mit seiner Zeit bei der DM in Rheine nicht ganz zufrieden ist. „8:20, das sind zwölf Kilometer pro Stunde, hatte ich mir erhofft. Ich habe das Alter noch nicht erreicht, in dem ich nur noch mitlaufen will“, zeigt er lachend noch Ehrgeiz. „Die plötzlich steigende Temperatur und der Gegenwind waren ein Problem.“ Bei Marion Braun, die aufgrund privater Sorgen im Vorfeld eh quasi einen Rucksack zu tragen hatte, kamen ab Kilometer 60 plötzlich heftige Magenprobleme hinzu.

„Bis Kilometer 50 lief alles gut, aber dann ging es los. Das war zeitweise hart, aber ich wusste, dass ich es durchstehen würde“, so die Läuferin, die „in jungen Jahren“ 8:13 als Bestzeit vorzuweisen hatte. „Mit einer 9:20 oder 9:30 wäre ich sehr zufrieden gewesen. Aber ich bin auch jetzt nicht unzufrieden, sondern froh, dass ich den Lauf so überstanden habe.“ Zudem: „Der Lauf auf dem Militärgelände war nichts für mich, ich brauche etwas fürs Auge. Unterwegs musste ich mir die fünf Kilometer wirklich schönreden“, so die 60-Jährige lachend.

Im Training ist das Ehepaar immer zusammen — „wir sind beide keine Vielkilometertrainierer“, lassen die „Braunis“ es ruhiger angehen als beispielsweise André Collet, der im Training alleine jeden Sonntag einen Marathon läuft. „Wir laufen in Konzen, in Eicherscheid, mit Bekannten — immer mit der Gruppe, wir sind sehr gesellig, das gehört für uns dazu“, erzählt Marion Braun, die 2016 beim berühmtem Ultratrail Mont Blanc über 170 Kilometer „gefinished“ hatte und Zweite ihrer Altersklasse geworden war.

Das Ehepaar hat ein großes Ziel für 2018 — die WM in Kroatien, bei der es auch eine Seniorenwertung gibt. „Ich denke, dem werden wir auch unseren Urlaub unterordnen und in der Schweiz trainieren“, erteilt Wolfgang Braun dem mallorquinischen Strand in Gedanken schon eine Absage. „Laufen ist für uns eben Leidenschaft.“

Zeitgleich fand ein Sechs-Stunden-Lauf statt. Frank Kampo (Konzen) bewältigte 68,118 Kilometer und wurde Neunter (Vierter M 45). Ralf Peters (Würselen; 49. M 45) mit 40 Kilometern 193., während Dieter Brendemühl (PTSV Aachen; 220.) mit 33,549 Kilometer die Altersklasse M 75 gewann. Rebecca Braun (Dritte W 40) mit 55,6 und Anja Issac (beide Konzen; Neunte W 45) belegten mit 52,731 Kilometern die Plätze elf bzw. 23.

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