Fußball: Auf Talentsuche in der Region

Fußball : Auf Talentsuche in der Region

Haldun Üstel ist Chefscout der Jugendakademie des türkischen Fußball-Erstligisten Konyaspor. In Düren ist der 67-Jährige drei Monate lang auf der Suche nach den Stars von morgen.

Der Fußball hat sie zusammengeführt. Haldun Üstel und Holger Peters haben sich vor fünf Jahren kennengelernt. Sie schätzen einander und fachsimpeln gerne über ihre liebste Ballsportart.

Dieser Tage ist Üstel zu Gast in Düren, doch der Chefscout der Jugendakademie des türkischen Erstligisten Konyaspor ist nicht nur zum Plaudern nach Deutschland gekommen. Der 67-Jährige sucht nach vielversprechenden Talenten, vorzugsweise im U 19-Bereich und mit türkischen Wurzeln. Und Düren als Scouting-Standort hat er nicht etwa gewählt, um seinen Freund Holger Peters zu besuchen. „Im Umkreis von rund 100 Kilometern sind über 30 Profiklubs angesiedelt. Alles, was in einer guten Stunde Autofahrt erreichbar ist, ist interessant“, erklärt er.

Kreativität ist gefragt

Konyaspor muss in der Süper Lig hinter den großen Istanbul-Klubs, die mit Budgets im dreistelligen Millionenbereich aufwarten, kreativ werden. Der Verein aus Zentralanatolien bewegt nur einen Bruchteil dieser Summen, hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf den Ausbau der eigenen Jugendakademie gesetzt, Profi-Bedingungen auch für die jüngsten Kicker geschaffen und mit Üstel einen Mann an die Spitze der Akademie gesetzt, der als eines der Gesichter des Vereins aus der größten türkischen Provinz gilt.

In Konya geboren, schlug ­Üstel zunächst eine Turnerlaufbahn ein. Mit 16 Jahren kam er mit seinem Bruder nach Stuttgart. „Ich kann auch auf Schwäbisch schwätze“, witzelt Üstel. Deutsch lernte er in einer Sprachschule. Erstmals die Fußballschuhe schnürte er dann für die SpVgg 07 Ludwigsburg. Später ging er zurück in die Heimat und spielte für Konya Idman Yurdu, einem Konyaspor-Vorgängerverein. Insgesamt brachte er es in seiner aktiven Zeit auf 17 Profi-Jahre und wurde 1991 nach seiner Karriere als erster hauptamtlicher ­Konyaspor-Manager eingestellt. Parallel erwarb er die Trainerlizenz, ist seit 1998 Fußballlehrer. Zuletzt trainierte er die U 21-Mannschaft „seines“ Klubs, doch die Reserve-Liga wurde zu dieser Spielzeit vom türkischen Verband abgeschafft, und Üstel widmete sich der Jugendakademie.

Drei Monate verbringt er nun in der Stadt Düren und ihrem Umland. Holger Peters, seit 39 Jahren Trainer in der Region – unter anderem bei Jugendsport Wenau, dem FC Stolberg und derzeit bei der U 16 des 1. FC Düren – unterstützt seinen Freund. „Ich stelle das ‚Programm’ für Haldun zusammen“, sagt der 56-Jährige. Peters weiß genau, wo die Informationen herzubekommen sind, wann welche Spiele stattfinden. Üstel lobt Peters: „Holger sucht alle interessanten Spiele heraus. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.“

Gemeinsam mit dem Alsdorfer Spielerberater Önder Günay betreiben die drei regelrecht „Groundhopping“. Die Spielerbeobachtung fällt dabei ganz anders aus, als es früher noch der Fall war, berichtet Üstel: „Scouting ist sehr technisch heutzutage. Vorstöße oder Ballkontakte werden beispielsweise statistisch erfasst.“ Videoaufnahmen studiert er stundenlang, bis ein adäquater Bericht angefertigt werden kann und zur Vorlage bei Cheftrainer und Präsident geeignet ist.

„Am wichtigsten“, sagt Üstel, „sind für uns als Verein die Gespräche mit den Eltern der Spieler.“ Ein aggressives Werben um jeden Preis werde es von Seiten seines Klubs nicht geben. „Es muss für alle Beteiligten passen“, meint er.

Die besonnene Art trägt schon erste Früchte. 17 türkische U-Nationalspieler entwickeln sich derzeit im Konyaspor-Internat. Weitere sollen möglichst hinzustoßen. Daran arbeitet Haldun Üstel – und „zwei, drei für uns interessante Spieler sind mir schon aufgefallen. Ich werde sie im Auge behalten und demnächst ­Kontakt zu ihren Eltern aufnehmen“.

Bis dahin scoutet der 67-Jährige weiter. Und als besondere Geste für seinen Freund Holger Peters leitete Haldun Üstel kürzlich sogar eine Trainingseinheit der U­16 des 1. FC Düren.