Ex-Nationalspieler: Andreas Beck und seine erste Zeit bei der AS Eupen

Ex-Nationalspieler : Andreas Beck und seine erste Zeit bei der AS Eupen

Ex-Nationalspieler Andreas Beck spielt nun bei der AS Eupen. Den Reiz des Dreiländerecks hatte er schnell entdeckt. „Ich bin morgens in Deutschland aufgewacht, zur Arbeit nach Belgien gefahren und zum Kaffeetrinken in die Niederlande“, von Aachen über Eupen nach Maastricht, „alles in einer halben Stunde zu erreichen.“

Zwei Monate lebte Andreas Beck aus dem Koffer, im Hotel, seine Frau war hochschwanger, der Sohn sollte in Stuttgart zur Welt kommen. Inzwischen ist die Familie – mit der dreijährigen Tochter – wieder vereint, man wohnt in Hauset, und Beck sagt: „Ich fühle mich sehr wohl.“ Fehlt nur noch eins: der Erfolg mit dem neuen Klub des Fußballprofis.

Gestartet war die AS Eupen mit dem Ziel, die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte zu spielen und in die Top 10 der belgischen Pro League vorzudringen. Nach zehn Partien haben sich Plan und Realität voneinander entfernt – nur sechs Punkte, Tabellenvorletzter. „Wir müssen uns jetzt neu justieren und realistisch sein“, sagt Beck, will heißen: „Schnellstmöglich Punkte einfahren und vom letzten Platz wegdrücken“, dem einzigen direkten Abstiegsrang.

Der Königstransfer am Kehrweg

Andreas Beck, 32 Jahre alt, neunmaliger deutscher Nationalspieler mit 290 Bundesliga-Einsätzen, war im Sommer so etwas wie der Königstransfer am Kehrweg. Mit der AS, das räumt der Rechtsverteidiger ein, konnte er wenig anfangen. Sein älterer Bruder Arthur, der seit rund zehn Jahren eine Management-Agentur führt, eröffnete die Option. „Beim VfB Stuttgart hatten sie zwar immer gesagt, dass sie mit mir verlängern wollten. Aber es wurde nie konkret. Ich habe aus der Presse erfahren, dass sie nicht verlängern“, sagt Andreas Beck ohne nachzutreten. „So ist das Geschäft. Wir haben uns danach die Hände gegeben, es ist okay so.“ Der Bauch hatte schon vorher vor Naivität geschützt: „Wenn man ein Jahr lang gegen den Abstieg spielt, kann man nicht damit rechnen, dass es zu 100 Prozent weitergeht.“ In der misslungenen Relegation gegen Union Berlin fehlte Beck – zuvor VfB-Kapitän – wegen Meniskusverletzung („Die erste Operation in meiner Karriere“).

Er hatte die Möglichkeit, weiter in der Bundesliga zu spielen oder noch einmal in der Türkei, wo er in seinen zwei Jahren bei Besiktas Istanbul zwei Mal Meister wurde (2016 und 2017). „Aber in Eupen habe ich gespürt, dass sie mich unbedingt wollen, da gab es eine große Wertschätzung. Es war auch der einzige Verein, der mir eine so lange Laufzeit angeboten hat“, einen Dreijahresvertrag.

13. Mai 2010, Aachener Tivoli, vor dem 3:0 gegen Malta: Andreas Beck (vorne rechts) und die DFB-Teamkollegen Toni Kroos (hinten von links), Arne Friedrich, Stefan Kießling, Manuel Neuer, Dennis Aogo, Serdar Tasci und Sami Khedira sowie Lukas Podolski (vorne von links), Piotr Trochowski und Cacau. Foto: imago sportfotodienst

Hinzu kamen andere Faktoren: „Eine neue Liga, Mentalität und Fußballkultur, neue Sprachen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich die Herausforderung liebe. Und die ist bei der AS besonders. Mir war bewusst, dass Eupen vermutlich nicht in der Europa League spielt und dass es mehr Niederlagen als Siege gibt. Aber das Gesamtpaket hat gestimmt.“

In der Bundesliga noch auf 320 Einsätze zu kommen und weiter vor 50.000 Zuschauern zu kicken statt vor nicht einmal 3000 („Daran habe ich mich schnell gewöhnt“), das war kein Antrieb. Im Gespräch mit AS-Vorstand Andreas Bleicher machte sich Andreas Beck schnell ein Bild, auch über die spezielle Kooperation mit der Aspire Academy. „Das ist sehr spannend, viele Jungs machen hier ihre ersten Schritte im Profifußball.“ Einige wurden mit Katar Asien-Meister, inzwischen ist Eupen idealerweise das Sprungbrett für Talente aus Schwarzafrika. An die 20 Nationen sind im Kader vertreten, noch in der letzten Transferwoche kamen sieben neue Spieler. Auf dem Platz wird unter dem neuen (spanischen) Chefcoach Benat San José weitestgehend Englisch gesprochen, ans Französische tastet sich Beck langsam heran. „Ich lerne jeden Tag ein bisschen über Apps.“

Bleicher ist voll des Lobes über Beck: „Ein Vollprofi, der immer vorangeht. Ein offener und kritischer Geist, etwas, was heutzutage selten geworden ist.“ Der Routinier, so sagt er selbst, soll seine Erfahrungen „hier reinbringen. Die Jungen sollen sich was abschauen, sich anlehnen. Das gehört dazu, wenn man Andreas Beck verpflichtet.“ Er verspüre natürlichen Respekt und Wertschätzung in der Kabine, im Kraftraum. Klare Ansagen („Schau Dir mal Deine Werte an“) eingeschlossen. „Wir brauchen uns nicht zu verweichlichen. Wir sind nicht im Streichelzoo. Ich habe vier Jahre gebraucht vom Talent zum Bundesliga-Stammspieler.“

Beck hat durchaus Verständnis für die öffentliche Kritik an der AS. Nach dem 0:3 bei Standard Lüttich war vom Abstiegskandidaten Nummer 1 die Rede, nach dem bislang einzigen Sieg (2:1 bei Cercle Brügge) hieß es, dass zum Glück eine Mannschaft noch schlechter sei als Eupen. „Die Wahrnehmung ist immer tabellenabhängig. Punkte bekommt man ja nicht von außen.“ In der noch anhaltenden Findungsphase tue sich das Team „schwer, in Führung zu gehen. Wir sind in den meisten Spielen einem Rückstand hinterhergelaufen, fressen zu viele Gegentore vor allem nach Standards. Wir fassen uns schon an die eigene Nase. Es kann nicht sein, in zwei Heimspielen trotz Überzahl über jeweils 45 Minuten fünf Punkte liegenzulassen.“ Zumal der SV Zulte Waregem (1:1) und KV Mechelen (0:2) der eigenen zugedachten Kragenweite entsprechen und nicht aus den Top 5 kommen.

Im vierten Jahr in Folge spielt die AS jetzt erstklassig. Zu Rang 12, der bislang besten Platzierung in der vergangenen Saison unter dem einstigen französischen Star-Profi Claude Makélélé, fehlen fünf Punkte. „Die Tabelle ist nicht so auseinandergezogen, dass es ein paar Monate brauchen würde, um den Anschluss herzustellen. Aber dafür musst du jeden Tag arbeiten, auf die Ernährung achten, dich ordentlich vorbereiten.“ Vor allem wegen dieser Einstellung haben sie Andreas Beck geholt. „Auch wenn meine Aufgabe Nummer 1 immer noch die ist, die Linie rauf und runter zu rennen. Das macht immer noch am meisten Bock.“

Es fühle sich gut an, nach Eupen gewechselt zu sein. „Was sich nicht gut anfühlt, sind die Ergebnisse.“ Nach der Länderspielpause fährt die AS in einer Woche zu KV Ostende. Eine schöne Gelegenheit, mit einem Sieg ans Mittelfeld anzudocken.