Aachen: Amateurkicker auf den Spuren der Profis

Aachen : Amateurkicker auf den Spuren der Profis

Akribisch füttert Tim Rademacher seine Exceltabelle mit Zahlen. Spalte für Spalte notiert der Sportstudent ausgewählte Daten, wie Laufdistanz, Sprintanzahl oder Sprintgeschwindigkeit von Fußballspielern. Der 23-Jährige sitzt dabei mit seinem Laptop im Leichtathletik-Stadion der Deutschen Sporthochschule.

Obwohl er einen fast unverbauten Blick auf die große Arena des Zweitligisten 1. FC Köln hat — das Rhein-Energie-Stadion liegt nur einen Steinwurf entfernt —, interessieren ihn die Daten der Profifußballer nur am Rande. Sein Fokus liegt vielmehr auf den Leistungswerten der Amateurkicker.

Sechser mit Trackern ausgestattet

Der Aachener erfasst im Rahmen seiner Bachelorarbeit die Daten der defensiven Mittelfeldspieler aus der Bezirksliga-Staffel vier. Dafür stattete er die Sechser zum Ende der vergangenen Saison mit einem Tracker aus. „Jetzt habe ich exakte Werte, die ich für meine wissenschaftliche Auswertung nutzen kann“, sagt Rademacher, der auf die handygroßen Geräte der Firma Tracktics zurückgreift, einem Start-up-Unternehmen aus der Mainmetropole Frankfurt.

„Ich habe den Verantwortlichen meine Idee vorgetragen, und dann haben sie mir dankenswerterweise eine Teambox zur Verfügung gestellt“, freut sich Rademacher, der selbst begeisterter Hobbyfußballer ist und die Schuhe seit diesem Sommer für den SC Borussia Lindenthal-Hohenlind schnürt. Vor seiner Studentenzeit war er für die Eintracht aus Kornelimünster aktiv.

Der GPS-Tracker, der mit einem Gürtel auf Hüfthöhe getragen wird, zeichnet alle relevanten Daten auf, die dann per Satellit übertragen werden. Mit Hilfe der Spielanalyse-App sind die Daten dann auf mobilen Endgeräten abrufbar. „Der Profibereich präferiert noch genauere Werte als zwei Nachkommastellen. Für den Amateurbereich ist der Tracker sehr interessant“, sagt Rademacher.

Die DFL nutzt für ihre Datenanalyse beispielsweise ein aufwendiges Kamerasystem, welches enorme Kosten verursacht, dafür allerdings genauer in der Erfassung ist. Dennoch bietet auch die „Amateurvariante“ eine umfassende Analyse, wie Rademacher festgestellt hat: „Nach der Markierung des Spielfelds in der App lässt sich auch eine ‚Heatmap‘ erzeugen. So kann das Zonenverhalten genau überprüft und gesteuert werden“, verdeutlicht der Student, der der bei FuPa Westrhein die Fäden zusammenhält und sich dadurch einen Namen in der Amateurszene gemacht hat.

So musste er auch keine große Überzeugungsarbeit leisten, um die Bezirksligakicker für sein Vorhaben zu begeistern. Marcel Bey, Spielführer von Eintracht Verlautenheide, zählte zu den Auserwählten, die sich zum Ende der vergangenen Saison einen Tracker umschnallen durften. „Ich habe mir vorher schon Gedanken gemacht, da man das Teil ja auf Hüfthöhe tragen muss“, sagt der 27-Jährige und fügt hinzu: „Es hat mich im Spiel aber nicht gestört.“

Der Sechser gilt nach eigener Auskunft im Team eher als lauffaul. Deshalb zeigte er sich sichtlich überrascht, als Rademacher ihm die Ergebnisse nach der Partie bei der DJK FV Haaren am 29. Spieltag übermittelte. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel laufe“, sagt er mit einem Schmunzeln. 10,4 Kilometer spulte der Mittelfeldakteur in der Begegnung ab. „In beiden Halbzeiten hat er sehr ausgeglichen agiert. Nach der Pause sind die Tempowechsel etwas weniger geworden“, analysiert Rademacher anhand eines Balkendiagramms in der Tracktics-App. Generell stellt der FuPa-Kümmerer den Spielern ein sehr gutes Zeugnis aus: „Alle hatten sehr konstante Werte. Insbesondere bei spannenden Kämpfen um gute Tabellenplatzierungen sind hohe Intensitäten bewältigt worden.“ Darüber hinaus hat der Student festgestellt, dass sich die Amateurkicker von Spieltag zu Spieltag gesteigert haben.

„Die Motivation sich zu verbessern ist offenbar sehr groß“, sagt Rademacher, was sein Proband Bey bestätigt: „Natürlich wollte ich ganz oben dabei sein. Die Daten spornen einen an und helfen auch bei der Selbstreflexion.“

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