Alemannia Aachen: Pyro-Aktion beim Pokalfinale mit Folgen?

Alemannia Aachen: Pyro-Aktion beim Pokalfinale mit Folgen?

Es waren schöne TV-Bilder angekündigt. 21 Landesverbände richteten ihr Pokalfinale aus, als „echten Feiertag der Amateure“ wurde die Veranstaltung angepriesen. Als der Fußball-Feiertag dann angepfiffen wurde, kam es fast überall anders, als es der DFB wollte. Einige Fans nutzten die öffentliche Bühne für ihre Pyro-Shows.

In nahezu jedem Finalort wurde gezündelt, die Anhänger in Babelsberg verhinderten sogar die Siegerehrung für Energie Cottbus. Im Ligaalltag sind die Spruchkammern der Verbände routiniert darin, nach solchen Vorkommnissen Strafen zu verhängen. Die Veranstalter werden regelmäßig zur Kasse gebeten, weil die Einlasskontrollen zu lax waren.

Nach dem Pokaltag hat allerdings noch kein Verband verlauten lassen, dass ein Ordnungsgeld gegen die Veranstalter verhängt werden soll. Die Verbände müssten sich in diesem Fall selbst bestrafen, weil sie die Endspiele selbst organisieren. Das macht die Sache kompliziert.

Alemannia Aachen bestritt das Pokalfinale gegen Viktoria Köln. Die Partie fand im Bonner Sportpark statt, es war die letzte Partie an diesem langen Fernsehtag, an allen anderen Spielorten wurde bereits gefeiert oder getrauert. In beiden Fanlagern wurden Feuerwerkskörper gezündet. In der Nachspielzeit brachen Alemannia Fans ein Tor zum Spielfeld auf und versuchten, sich gewaltsam Zutritt zum Spielfeld zu verschaffen. Polizisten und Ordner brauchten ein paar Minuten, um die Situation zu entschärfen.

Für das Fehlverhalten solcher „Fans“ werden Vereine regelmäßig sanktioniert. Am Tivoli flatterte erst wenige Tage vor dem Finale der nächste Bußgeld-Bescheid ins Haus. Die Pyro-Einlage beim Gastspiel in Essen ahndete der Verband mit 4800 Euro. Für den vorbestraften Klub war es die bislang höchste Geldstrafe. Martin vom Hofe hat einerseits angedeutet, dass man die Verursacher in Regress nehmen wolle. Alemannias Geschäftsführer weist aber auch darauf hin, wie komplex das Thema sei. „Immer neue Geldstrafen haben die Situation nicht verändert“, sagt er. „Es muss andere Wege geben.“ Schließlich sei das auch kein regionales Phänomen.

Bislang ist nichts passiert

Im Abspann des Finales ist bislang passiert: nichts. Die beteiligten Klubs wurden nicht einmal zur Stellungnahme aufgefordert. Der Fußballverband Mittelrhein ist etwas mundfaul bei dem Thema. Man beschäftige sich mit den Ereignissen rund um das Pokalfinale, teilt eine Sprecherin mit. Mehr Auskünfte gebe es derzeit nicht. Vielleicht merkt der Verband gerade am eigenen Körper, wie schwierig es sein kann, so ein Fußballspiel pyrofrei zu organisieren.

Bislang versucht Alemannia intern anhand der Polizeibilder, die Rädelsführer vom Pfingstmontag herauszufiltern. Verharmlosen will man die Vorfälle nicht. Und wieder einmal muss der Umgang mit den Ultra-Gruppierungen justiert werden. Während der Insolvenzzeit entspannte sich die Lage, der Vertrauensvorschuss gilt nach den vergangenen Aktionen als aufgebraucht. Vom Hofe und sein Vorstand führen in dieser Woche wieder Gespräche mit den Fan-Vertretern. Auch die Fan IG überdenkt ihr Verhältnis zu „einigen Unverbesserlichen aus dem Ultra-Umfeld, die Mannschaft und Verein durch das Abbrennen von Pyrotechnik erneut massiven Schaden zugefügt haben“, sagt der Vorsitzende der Fan IG, Thomas Wenge.

Am Dienstagabend fand ein Meinungsaustausch statt. Gekommen waren auch Vertreter der Fan-Gruppierung „Yellow Connection“. Die Ultras hätten sich nicht von Pyro-Aktivitäten distanziert, aber sie lehnten die Gefährdung anderer Menschen selbstverständlich ab, fasst Wenge die Debatte zusammen. Man will im Gespräch bleiben. Die Fan IG bittet gleichwohl Vereins- und Geschäftsführung, „ihren in den vergangenen Monaten recht wohlwollenden Umgang mit den Ultras ernsthaft zu überdenken und gegebenenfalls einen Kurswechsel vorzunehmen“.

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