Borussia Mönchengladbach: Platz zwei auch ohne Super-Leistung erreicht

Borussia Mönchengladbach : Platz zwei auch ohne Super-Leistung erreicht

Super-Liga – wir kommen! Könnte man meinen, wenn Borussia Mönchengladbach plötzlich auf Platz zwei der Fußball-Bundesliga steht und ausgerechnet einen der angeblichen Mitplaner der Geldmaschine überholt hat, Bayern München also.

Ein 3:0 über Fortuna Düsseldorf als Bewerbungsschreiben dürfte aber vielleicht doch nicht reichen, wenn der Sieg auch hochverdient war und die Nordkurve im Borussia-Park anders als die dauerzündelnden Fan-Kollegen der Düsseldorfer keine Bengalos zündeten, sondern nur verbal ein Feuerwerk abfeuerten: „Die Nummer 1 am Rhein sind wir!“

Eine Aussage mit zweifelhafter Wertigkeit: Die eine Macht spielt inzwischen in der 2. Liga, die andere – Fortuna eben – spielt derzeit zweitklassig. Wo aber ist die Borussia anzusiedeln? Trainer Dieter Hecking verweist auf die nackten Zahlen: „Wenn uns jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach einem Drittel 20 Punkte haben und auf Platz zwei stehen würden, hätten wir sofort unterschrieben.“

Mit Tempo und Geduld

Aber eher unbewusst befeuert er die abenteuerliche These, bereits in die Dimensionen der Bundesliga-Topklubs aufgestiegen zu sein. Womöglich sollte es für seinen Düsseldorfer Kollegen Friedhelm Funkel eher tröstend wirken, dass er skizzierte, er habe auch schon oft erlebt, wie Spieler gegen die Münchner 70 Minuten wie die Hasen gelaufen seien, um dann doch den Treffer zu kassieren. Für seine Gladbacher reichten 47 Minuten, um das Signal auf Sieg zu stellen: per Foulelfmeter nach einem Handspiel von Kaan Ayhan, der einen Schuss von Alassane Pléa an den angewinkelten Arm bekam; Thorgan Hazard verwandelte. Für Funkel spielentscheidend und ein zweifelhafter Pfiff, für Hecking nicht relevant: „Wir hätten auch ohne den Strafstoß gewonnen.“ Diese Gewissheit hatte er bereits in der Halbzeitpause in Worte gegossen, eben auch aus seiner Bayern-Erinnerung. „Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen das Tempo hochhalten oder sogar noch erhöhen und geduldig bleiben. Dann würden sich Lücken auftun.“

Das hört sich einfacher an, als es letztlich war. Denn die vergangenen zwei Pflichtspiele waren den Gladbachern anzusehen. Es war sichtbar, dass sie immer wieder dachten: Achtung, Konter! Was nicht unbedingt zur Stabilität beitrug und gegen eine offensivstärkere Mannschaft wohl zu einer Wiederholung der Probleme bei den Niederlagen in Freiburg und gegen Leverkusen geführt hätte. Bei den Düsseldorfern, die diese Schwächen natürlich auch kannten, machte der schnelle Dodi Lukebakio mit seinem Tempo Oscar Wendt das Linksverteidiger-Leben zwar schwer, aber dann kam auf der Verwerterseite nichts mehr.

Vor der Halbzeit aber führte die kollektive Erinnerung der Borussen auch dazu, dass das Umschalten nicht unbedingt halb-, aber maximal dreiviertelherzig angegangen wurde. In der Defensive immer einen mehr zu haben, war den verunsicherten Gastgebern wichtiger, als vorne eine zusätzliche Anspielstation zu besitzen. „Fünf Tore sind fünf Tore“, erklärte Torhüter Yann Sommer diese Zögerlichkeit. „Es war eine schwierige Woche. Das hat schon an uns gezerrt. Deshalb war das eine tolle Reaktion.“

Die Zusatzmotivation der Fans

Die mit einem Schuss Zusatzmotivation gelang. Nach der 0:5-Klatsche im Pokal am Mittwoch gegen Leverkusen hatten die Fans die Mannschaft trotzdem gefeiert. „Das war nicht selbstverständlich, und das wollten wir zurückzahlen“, sagt Hecking. Doch eine gewisses Maß an Souveränität kehrte erst nach dem 2:0 ein. Jonas Hofmann verwertete eine brillante Vorarbeit des Ex-Düsseldorfers Florian Neuhaus (67.). Dabei schien der Rückkehrer unter einem speziellen Florians-Prinzip zu leiden. Drei, vier beste Möglichkeiten besaß der 21-Jährige, vermied aber konsequent, in die Situation zu kommen, in der er seinem einjährigen Leiharbeitgeber mit einem Nichtjubel den obligatorisch gewordenen Respekt hätte zollen müssen. Dem Freudentanz nach seiner Vorbereitung des 2:0 konnte er sich dann hemmungslos hingeben. „Ich wollte ein Tor schießen, das ist mir leider nicht gelungen. Ich werde weiter an mir arbeiten“, versprach Neuhaus und fügte noch artig hinzu: „Und ich bin ja nicht so wichtig.“

Wichtig war an diesem Sonntagnachmittag zweifelsfrei Pléa, der überraschend in der Startformation gemeinsam mit Raffael und Hazard die Dreierspitze bildete. Der Franzose erzielte nach einwöchiger Verletzungspause zwar keinen Treffer, bereitete aber das erste Tor und das 3:0 vor, als Hazard gradlinig Richtung Düsseldorfer Tor sprintete und den Ball schließlich in die Maschen wuchtete (82.).

„Ich habe immer gesagt, dass Pléa den Unterschied machen kann“, erklärte Hecking. „Er tut unserem Spiel gut.“ Das scheint eher noch untertrieben zu sein. Mit der Körperlichkeit und dem Abschlusswillen des Franzosen bewegt sich Borussia auf einem anderen Level. Er ist derzeit unverzichtbar, sogar wenn er selbst nicht trifft.

Das letzte Wort aber soll einem jungen Mann gehören, der ebenfalls nicht getroffen hat, Neuhaus also noch mal. Nach dem Abpfiff musste das Talent noch eine letzte Hürde nehmen. Natürlich wurde er von den Journalisten nach Platz zwei gefragt. Bei seiner Antwort errötete er fast: „Das ist nur eine Momentaufnahme!“ Da war er doch noch, der Treffer.

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