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Düsseldorf: Platz 4 - das hat keiner in Aachen erwartet

Düsseldorf : Platz 4 - das hat keiner in Aachen erwartet

„Contenance, Kinder”, mahnte Roman Frieling, „wir tanzen, wenn wir einmarschieren.” Der neue Trainer des Tanzsportzentrums Aachen rang sichtlich um Haltung, während seine Tänzer die Tränen nicht zurückhielten.

Nur Minuten vorher hatten die neun Wertungsrichter die Tafeln mit den Platzziffern hochgehalten - und damit alle Träume zerstört.

Nur Platz 4 - das gab es seit über einem Jahrzehnt nicht mehr -holte das A-Team bei den Deutschen Meisterschaften der Lateinformationen in Düsseldorf hinter Grün-Gold Bremen A, Titelverteidiger TSG Bremerhaven und dem Überraschungsdritten Bremen B. Das Aachener B-Team schied in der Vorrunde aus.

Ein Platz unter den ersten Zwei, am liebsten natürlich der Sieg - das hatte sich Roman Frieling bei seiner Premiere gewünscht. Und mit „Cuba!” hatte er zusammen mit „Co” Dirk Reißer und dem Team eine Choreographie auf die Beine gestellt, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Einmal mehr überzeugten die Aachener vor allem mit tänzerischer Perfektion. Nach guter Vorrunde hatten sie eine schwächere Zwischenrunde getanzt, sich dann aber im Finale noch einmal beachtlich gesteigert. Lediglich das Roundabout war nicht ganz synchron.

„Das war ein perfekter Durchgang”, lobte Frieling, als er mit seinem Team von der Tanzfläche zurückkam. Um so größer war die Enttäuschung. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles gegeben. Bremen hat verdient gewonnen, alles andere dahinter ist offen”, geht sein Blick gleich in die Zukunft.

„Let me entertain you”

In der Tat, Bremen zeigte tolles Finale und setzte den Sturm an die Spitze eindrucksvoll fort: Vor zwei Jahren als Aufsteiger Überraschungs-Vierter, im vergangenen Jahr Zweiter der DM, der Bundesliga und sogar der WM im Mai hinter Weltmeister Litauen und vor Bundesliga-Sieger Bremerhaven.

„Let me entertain you” hatte Trainer Roberto Albanese als Thema gewählt, und der Titel ist gleichzeitig Programm bei den Bremern. Sie zeigten eine unterhaltsame, mitreißende Choreographie mit tollen Bildern, die fehlerfrei auf den Punkt genau kamen.

„Das ist ein Traum”, mehr brachte der vor Glück fassungslose Albanese nicht hervor, bevor der am Rande der Tanzfläche ungläubig in die Knie sank. „Zehn Jahre haben wir auf den Erfolg hingearbeitet. Und nun Gold und zudem Bronze mit dem B-Team - wir haben die komplette deutsche Spitze erobert.”

In der Tat war der Erfolg des Bremer B-Teams die Sensation der DM. Es tanzte die frühere EM-Choreographie des A-Teams „La dolce Vita” und zeigte nach vielen Fehlern in der Zwischenrunde ein makelloses Finale, dass ihnen eine Note 3 mehr als den Aachenern einbrachte.

„Platz 1 bis 3 war realistisch, mit Rang 4 hatten wir nie im Leben gerechnet. Das Ergebnis war ein Schock für uns”, gibt Teamsprecher Dennis Bölk zu. „Bremen war super, aber auf den restlichen Plätzen kann in der Bundesliga noch einiges passieren. Ich denke, wir haben noch Potenzial nach oben, können noch perfekter tanzen.”

Eine Frage hat die DM endgültig beantwortet: Der Tanzsport geht in Richtung viel Show. Wobei den Bremern wohl die perfekte Mischung gelang: gutes Lateintanzen und eine mitreißenden Show.