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Aachen: „Olympiade in Aachen? Auszuschließen ist das nicht”

Aachen : „Olympiade in Aachen? Auszuschließen ist das nicht”

Weltreiterspiele in Aachen: Eine derart grandiose Veranstaltung, dass selbst der Himmel ununterbrochen Tränen der Rührung vergießt. Das fällt nicht in die Verantworttung von Frank Kemperman, Turnierdirektor und Geschäftsführer des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins.

Über alles andere sprachen mit dem 51-jährigen Niederländer unsere Redakteure Christoph Pauli und Roman Sobierajski.

Ist Ihr Präsident Klaus Pavel eigentlich unter diesen Umständen noch zu halten?

Kemperman: Warum fragen Sie?

Er ist schließlich für das Wetter zuständig!

Kemperman (lacht): Ich habe vorhin den Wetterdienst angerufen und dem Präsidium berichtet. Es war plötzlich ganz still.

Die Prognosen sind nicht gut?

Kemperman: Aachen-Wetter. Massives Regengebiet, Samstagfrüh November-Wetter, nachmittags Schauer. Sonntag wird es etwas besser. Und jetzt das Schöne: Montag und Dienstag erneut heftiger Regen.

Also müsste er eigentlich noch während des Turniers zurücktreten. Wie sieht Ihre sonstige Bilanz nach einer Turnierwoche aus? Dpa schrieb zum Start von einem chaotischen Auftakt, der österreichische Verband sprach von Arroganz und Überheblichkeit.

Kemperman: Der Auftakt war ganz phantastisch. Das Aktuelle Sportstudio am Samstag mit einer gigantischen Atmosphäre. Die Eröffnungsfeier war super. Dann kam unsere neue Disziplin Distanzreiten. Das war für uns alle neu. Und das Chaos war eher für die Presse da. Für uns war das nicht so. Ich war überrascht über die Reaktion der Presse. Die Resultate liegen nie sofort vor, sondern erst nach zwei Stunden. Das ist ganz normal.

Die konkrete Kritik war, dass vergessen wurde, der österreichischen Reiterin mitzuteilen, dass das Abwiegen abgesagt worden war.

Kemperman: Ein Funktionär hat vergessen, den Wagen von A nach B mitzunehmen. Er hat es verpennt. Das bedeutet aber auch, es ist für alle gleich. Aber die Österreicher haben ein Riesentheater daraus gemacht. Genau wie die Holländer mit der Flugkamera. Aber der Protest war auch schnell wieder vom Tisch.

Also konkret: Wir sind bei einer Weltmeisterschaft und alles reagiert nervöser als üblich?

Kemperman: Proteste kommen bei jedem Turnier ein-, zweimal vor. Aber jetzt wird das aufgeblasen. Auch die Sache mit der Satteldecke bei den Holländern. Nun wird erst einmal registriert, welcher Verband welche Sponsor hat. Das sind alles kleine Sachen, die durch Emotionen der Equipe-Chefs hochgekocht werden.

Wird es Distanzreiten in Aachen noch einmal geben? Sie suchen ja nach Möglichkeiten, den CHIO zu erweitern.

Kemperman: In der internationalen Pferdewelt steht dieser Sport wieder in der Diskussion.

Auch wegen des eingeschläferten Pferdes?

Kemperman: Es gab zufällig ein totes Pferd. Aber das hat nichts mit Distanzsport zu tun und hätte auch mit einem Hobbypferd passieren können. Nein, man fragt sich, ob die jetzt praktizierte Form die richtige ist, um Distanzreiten besser in der Welt zu verkaufen. Aus Tradition geht es über 160 Kilometer, 100 Meilen. Warum nicht über 120 oder 100 Kilometer? Auch die Vielseitigkeit tragen wir nur noch in der Kurzform aus.

Machen Sie es denn jetzt nochmal?

Kemperman: So wie es jetzt gelaufen ist, bin ich natürlich nicht begeistert. Aber das ist das Problem mit Weltmeisterschaften. Zum CHIO laden wir die Besten der Welt ein. Jetzt sind viel mehr Länder als sonst vertreten, also auch viele Schwächere. Unsere Parcoursbauer haben in der nächsten Woche das Problem, die Prüfungen so zu gestalten, dass die Besten gewinnen und die Schwachen heil ankommen. Vielleicht muss man eine B-Weltmeisterschaft einrichten. Aber die Dressur ist hervorragend gelaufen, das Voltigieren und die Vielseitigkeit bislang auch. Und die Atmosphäre im Stadion ist einfach toll. Es läuft.

Sie haben den Eigenanspruch, die beste WM aller Zeiten auszurichten. Erreichen Sie dieses Ziel?

Kemperman: Ja, das wollen wir. Sehen Sie: Pannen kommen überall vor. Bei anderen Weltmeisterschaften, etwa in Spanien, sagt man bei Problemen, o.k., da kümmern wir uns vielleicht morgen drum. Bei uns müssen Probleme in Sekundenschnelle abgestellt sein. Alles muss perfekt geregelt sein. Geredet wird immer nur über das Schlechte. Aber wenn am Schluss gesagt wird, es war eine wunderbare WM, bin ich zufrieden. So eine traumhafte Veranstaltung wie jetzt haben wir noch nie gehabt. Alle Reiter sind begeistert.

Stimmt das Gerücht, dass Sie Generalsekretär beim Weltreiterverband werden?

Kemperman: Das habe ich auch schon öfter gehört. Die Bewerbungsfrist um diese Stelle ging bis zum 1. August. Vorstellungsgespräche waren Mittwoch und Donnerstag. Ich hatte keine Zeit mich zu bewerben. Und ich bin glücklich in Aachen.

Sie bleiben also in Aachen und richten nochmals die WM aus?

Kemperman: Mal sehen. 2010 folgt Kentucky, danach ist noch nicht vergeben. Das ist solche eine Mammutveranstaltung, das können nicht viele in Europa. Wir sehen ja mit unserer Riesenerfahrung, wie kompliziert, wie schwierig das ist. Der Unmut über die Qlympischen Spiele 2008 ist jetzt schon sehr groß, und die Leute sagen, macht die bloß hier.

Olympia in Aachen statt in der Pekinger Außenstelle Honkong?

Kemperman: Honkong und Peking sind weit auseinander. Auszuschließen ist das nicht, Mensch noch... Aber das muss der Weltverband entscheiden.

von der Reit-WM