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Nürburgring; Auf der Rennstrecke soll bald wieder Normalität einkehren

Geschäftsführer im Interview : Nürburgring: „Wir kommen gut durch die Krise“

Die Coronavirus-Krise hat auch den eigentlichen vollen Rennkalender des Nürburgrings komplett leergefegt. Geschäftsführer Mirco Markfort sieht trotz der schwierigen Lage nicht schwarz - und hofft, das auf der Rennstrecke in der Eifel schon bald wieder so etwas wie Normalität einkehrt.

Wenn es still wird in der „Grünen Hölle“, dann ist Winterpause – oder Ausnahmezustand. Die Coronavirus-Krise macht auch um den Nürburgring keinen Bogen. Mirco Markfort, Geschäftsführer der legendären Rennstrecke in der Eifel, spricht im Interview mit Klaus Schmidt über Folgen, Hoffnungen und Perspektiven.

Herr Markfort, wie geht’s dem Nürburgring?

Mirco Markfort: Die Frage kann man derzeit nicht generell beantworten. Auf der einen Seite hatten wir die Saison und die Umsätze nun mal ganz anders geplant. Durch die Corona-Krise sind fast alle Einnahmequellen in den vergangenen Wochen weggebrochen. Da ist es auch ein schwacher Trost, dass wir die Umstände, unter denen das passiert ist, nicht zu entscheiden hatten. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass wir unter den aktuellen Bedingungen auch vieles richtig machen und den Nürburgring mit unseren Maßnahmen ganz gut durch die Krise führen. Wir konnten mit den ersten Aktivitäten wie den „kontaktlosen Touristenfahrten“ und verschiedenen Fahrtrainings wieder starten. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Unser Blick geht nach vorne.

Welche Folgen hat die Corona-Krise konkret – für Mitarbeiter, Anzahl der Veranstaltungen und Besucherzahlen speziell im Motorsport?

Markfort: Wir haben alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen – wenn auch in unterschiedlichen prozentualen Abstufungen je nach Aufgabenfeld. Der Großteil der Mitarbeiter war zu 100 Prozent zu Hause, was anhand der fehlenden Möglichkeiten, die es gibt, um etwas durchzuführen, logisch ist. Das ist besonders bitter, da diese Kollegen in den vergangenen Jahren daran mitgearbeitet haben, dass der Nürburgring sich zu einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen entwickelt hat. Verschieben statt absagen ist bei den Veranstaltungen nach wie vor unser Motto. Bei einem Terminkalender, der für die ganze Saison von März bis Oktober, jeweils von Montag bis Sonntag, ausgebucht ist, ist das gar nicht so einfach. Dennoch konnten wir zum Beispiel das 24-Stunden-Rennen in den September verlegen, der Fisherman´s Friend StrongmanRun – ein Extrem-Hindernislauf – findet hingegen nun im November statt und das Saisonfinale der Rallycross-WM im Dezember. Mit anderen Veranstaltern sind wir in Gesprächen über Termine und Konzepte. 

Wie hoch sind die Umsatzeinbußen im Vergleich zu einer „normalen“ Saison?

Markfort: Kurzum: immens. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Maßnahmen haben den Nürburgring genau zu Saisonbeginn getroffen. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Nutzung der Strecke so richtig starten sollte. Wir haben umgehend in den Krisenmodus geschaltet und erst einmal, als Gegengewicht zu den fehlenden Einnahmen, Kosten eingespart. Hierzu gehörte leider auch die Kurzarbeit. Zeitgleich haben wir aber auch unsere Angebote und Aktivitäten analysiert und an Konzepten gearbeitet, um zu sehen, was unter Berücksichtigung der Gesundheit aller Beteiligten mit welchen Maßnahmen durchführbar wäre.

„Verschieben statt absagen“: Nürburgring-Chef Mirco Markfort. Foto: Dirk Holst

Was findet am „Ring“ überhaupt noch statt?

Markfort: Wir konnten Ende April dank unseres neuen Konzepts zum ersten Mal die „kontaktlosen Touristenfahrten“ durchführen. Nach unserer Erfahrung lief das gut, und wir werden nach dieser Premiere auch erste Lerneffekte für die Zukunft einbauen können. So soll das Konzept noch weiter verfeinert und auch für andere Aktivitäten angewendet werden. Nun müssen wir im nächsten Schritt schauen, was nach und nach im Sinne des Sports und unter Beachtung der Gesundheits- und Hygienerichtlinien vielleicht möglich ist.

Ist das wirtschaftliche Überleben in Gefahr?

Markfort: Aktuell nicht. Wir haben rechtzeitig Maßnahmen ergriffen, die das Überleben des Nürburgrings in den Mittelpunkt gestellt haben. Dennoch muss man nun natürlich die weitere Entwicklung in der Corona-Krise abwarten. Die aktuelle Situation betrifft wirtschaftlich die ganze Welt und somit natürlich auch unsere ganze Region, fast alle Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, die Automobilbranche, Rennserien und deren Teams, unzählige private Haushalte. Es wird sich nun zeigen, was passiert.

Gibt es finanzielle Hilfen?

Markfort: Als Unternehmen mit 200 Mitarbeitern bekommen wir keine aktiven finanziellen Hilfen. Für uns ist es wichtig, nun nach und nach wieder unsere sportlichen Aktivitäten ans Laufen zu bekommen – das ist die beste finanzielle Hilfe. Möglichkeiten und Konzepte, dies unter den geltenden Gesundheits- und Hygienevorschriften durchzuführen, gibt es.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass der Nürburgring die Kurve kriegt?

Markfort: Wir haben ein tolles Team, das professionell und motiviert ist sowie in Großteilen bereits eine Krise vor ein paar Jahren erfolgreich überwunden hat. Obwohl diese Krise nun eine völlig andere ist und ganz andere Ursachen hat, hilft diese Erfahrung in so einer Situation natürlich. Wir haben gelernt, uns auf unsere Arbeit und unsere Stärken zu fokussieren. Der Nürburgring ist einzigartig, ein weltweit bekanntes Qualitätssiegel und eine motorsportliche Institution, die auch nach der Krise gefragt sein wird.