Nicht ganz souveräner Sieg des 1. FC Köln über VfL Bochum

Bochum : Für den 1. FC Köln zählt erst mal nur das Ergebnis

Leo Bittencourt hat den 1. FC Köln in diesem Sommer in Richtung TSG Hoffenheim verlassen. Fünf Tore und drei Vorlagen gelangen dem Deutsch-Brasilianer in der vergangenen Saison für den FC, nun soll ihn Dominick Drexler ersetzen — und man darf sagen, dass das 1:0 des 1. FC Köln in der 44. Minute des Zweitliga-Auftaktspiels beim VfL Bochum immerhin eine Produktion war, an der Drexler ebenso großen Anteil hatte wie ein gewisser Leo.

Christian Clemens lupfte den Ball in den Bochumer Strafraum, wo VfL-Torhüter Riemann „Leo“ brüllte — eigentlich das Signal an seine Verteidigung, den Ball passieren zu lassen. Doch Drexler manipulierte die Situation zu seinen Gunsten. „Der Torhüter ruft ‚Leo‘, der Spieler ist dann nicht mehr mit seinem Kopf weggekommen, weil ich ihn auch leicht geschubst habe“, gestand der Zugang aus Kiel später. Im Ergebnis hatte Leo also die Vorlage gegeben. Und obgleich Drexler wohl lieber selbst getroffen hätte, konstatierte er: „Ein schönes Eigentor.“

In der Nachbetrachtung der Partie des Absteigers beim Mitfavoriten im ausverkauften Ruhrstadion wurde an mehreren Stellen deutlich, dass zum Auftakt das Resultat wichtiger war als die Art seines Zustandekommens. Besonders in der ersten Halbzeit war von dem, was die Mannschaft in den vergangenen fünf Wochen vorbereitet hatte, kaum etwas zu sehen. „Aber wir hatten ein Erfolgserlebnis“, fasste Markus Anfang zusammen, der weite Teile der ersten Halbzeit im emotionalen Ausnahmezustand verbracht hatte.

Seine Spieler hatten enorme Schwierigkeiten, den Gegner unter Druck zu setzen. Im Training hat Anfang stets unterbrochen, wenn sich seine Spieler nicht an die Abläufe hielten. Am Samstag konnte er das nicht und verzweifelte ein bisschen daran. So musste Timo Horn in der 17. Minute eine große Parade zeigen, sonst wäre Köln bei mehr als 40 Grad in der prallen Sonne einem Rückstand hinterhergelaufen. „Gerade in der ersten Hälfte hatten wir Probleme, haben Bochum mit Fehlpässen eingeladen und hatten spielerische Schwierigkeiten“, kommentierte Horn.

Beim Entspannungstraining am Sonntagmorgen war Anfangs Ärger längst verraucht. Er kennt die Zweite Liga aus der vergangenen Saison, als er mit Holstein Kiel und einem Sechs-Millionen-Etat ins Rennen um den Aufstieg eingriff. Nun steht ihm das vierfache Geld zur Verfügung, und selbstverständlich steckt in seinem Kader jede Menge Einzelqualität. Doch reicht die Summe der Begabungen im Fußball nicht zuverlässig zum Sieg. Zumal die Kölner noch schweres Gepäck mit sich herumschleppen. Einer Mannschaft, die in der vergangenen Saison 22 von 34 Ligaspielen verlor, eine Siegermentalität zu geben, wird eine der zentralen Aufgaben sein. „Wir dürfen nicht vergessen, was die Jungs hinter sich haben“, sagte Anfang.

Bochum hätte locker in Führung gehen können, vor allem durch Robbie Kruse, den Australier, der nach vielen torlosen Jahren bei Bayer 04 Leverkusen an der Ruhr sein Glück gefunden hat, am Samstag gegen Köln aber wie gewohnt Chancen in Serie vergab. Als Schiedsrichter Zwayer nach 25 Minuten eine Trinkpause ansetzte, nutzte Anfang die Minuten zwar für sehr laute Ansagen, doch das Kölner Spiel wurde nur langsam besser. Nach der glücklichen Führung verweigerte Zwayer den Gastgebern einen klaren Elfmeter, als Jorge Meré im Strafraum Danilo Soares legte. „Die Führung zur Halbzeit war schmeichelhaft“, sagte Anfang.

Das Spielglück hatte den Kölnern eine Pausenführung beschert. Und nach einer herausragenden ersten Hälfte schwanden auch den Bochumern die Kräfte. Als der VfL um die 55. Minute herum erstmals die Abwehr entblößte, um die Bemühungen um den Ausgleich zu forcieren, hatten die Kölner in rascher Folge Chancen, und den Bochumern hätte in dieser Phase mehr zustoßen können als nur Czichos’ Abstaubertor in der 59. Minute. „Da hätten wir das dritte oder vierte Tor machen müssen“, sagte Timo Horn.

Als Meré aber in der 71. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste, war es um das Kölner Offensivspektakel geschehen. Die Gäste mussten in der Bochumer Mittagsglut ihre letzten Kräfte zusammenklauben, um die Partie relativ ungefährdet über die Zeit zu bringen. Es war ein schwerer Gang.

Anfang betonte hinterher den Einsatz seiner gesamten Mannschaft, einzelne Spieler lobt er grundsätzlich nicht, auch nicht die bemerkenswert starken Zugänge Rafael Czichos und Dominick Drexler, die er aus Kiel mitgebracht hat, sowie Christian Clemens. „Die haben es auch nicht allein gemacht“, kommentierte Anfang. Am Ende blieb eine freundliche Bilanz: „Ein Dreier auswärts gegen eine richtig gute Mannschaft. Das ist schon schön.“

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