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Düren: Moculescu: „Sollen wir jetzt absichtlich schlechter spielen?”

Düren : Moculescu: „Sollen wir jetzt absichtlich schlechter spielen?”

„Wir wollen den VfB schlagen.” Diesen Satz haben sie beim Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren aus ihrem Repertoire gestrichen. In den vergangenen drei Jahren kamen knackige Kampfansagen aus Düren, wenn das nächste Spiel gegen den großen VfB Friedrichshafen anstand.

Nicht ohne Grund; schließlich war den Volleyballern von der Rur hin und wieder sogar ein Sieg gegen die „Häfler” gelungen.

Im Pokalfinale im westfälischen Halle am Sonntag stehen sich beide Mannschaften erneut gegenüber. Ein einziger Sieg trennt Düren vom ersten Titel der Vereinsgeschichte. Kampfansage? Fehlanzeige! „Ich will nicht vom Pokalsieg sprechen”, hat Mirko Culic, der zum Saisonende scheidende Trainer der Dürener, gesagt. „Ich will erreichen, dass unsere Fans stolz auf unsere Leistung sind.”

Culics Aussage zeugt nicht von der gespielten Demut des Außenseiters, der den Favoriten in Sicherheit wiegen will. Die Worte des Dürener Trainers sind schlicht und einfach die nackte Wahrheit. Ein Sieg gegen den VfB ist derzeit wenig realistisch. Für Düren. Und für die Vereine, die in der Tabelle am Vizemeister vorbei gezogen sind, weil sie investieren konnten, während Düren nach dem Zuschussgeschäft Champions League sparen muss. Auch für Moers, Berlin und Unterhaching sind die Volleyballer vom Bodensee weit weg.

Kein einziges Spiel hat die Mannschaft von Stelian Moculescu in dieser Saison bisher verloren. Und es spricht vieles dafür, dass das so bleiben wird. „Gegen die ist kein Kraut gewachsen”, sagte der ehemalige Dürener und derzeitige Leipziger Trainer Michael Mücke kürzlich.

Bester Beweis: Die Art und Weise, wie der VfB derzeit in der Champions League untermauert, dass der Gewinn des Wettbewerbs im vergangene Jahr kein Zufall war. Volleyball, wie ihn die „Häfler” phasenweise beim 3:2-Auswärtssieg im Viertelfinal-Hinspiel gegen Sisley Treviso, die teuerste Vereinsmannschaft der Welt, gespielt haben, ist für alle anderen deutschen Teams physikalisch fast gar nicht möglich.

Die Bundesliga hat ein Image-Problem. Zwölf Mannschaften spielen um die Meisterschaft. Und am Ende gewinnt Friedrichshafen. Die vermeintliche Vorhersehbarkeit des Meisters fördert den Versuch der Liga, auf mehr öffentliches Interesse zu stoßen, nur wenig. Dass die Liga hinter dem Primus tatsächlich stärker geworden ist, verkommt zur Randnotiz.

„Für uns ist das kein Problem”, erklärt Moculescu, dass das Publikum in Friedrichshafen noch nicht zu erfolgsverwöhnt ist. „Früher hatten wir einen Zuschauerschnitt von 800. Jetzt kommen gegen den VC Leipzig 3000 Zuschauer.”

Zum Verständnis: Leipzig ist keine Spitzenmannschaft und der Sieger steht eigentlich schon fest, wenn beide Mannschaften die Kräfte messen. Der VfB profitiert von seiner Monopolstellung am Bodensee. Neben dem Champions League-Sieger gibt es im tiefsten Süd-Schwabenländle weit und breit keinen Spitzensport. „Was sollen wir denn jetzt machen”, antwortet Stelian Moculescu gerne auf die Frage, wie die Liga spannender werden könnte. „Sollen wir jetzt absichtlich schlechter spielen?” Den Gefallen wird der VfB der Konkurrenz nicht tun.

Mirko Culic und seine Dürener Mannen können nur versuchen, die eigenen Fans in Halle stolz zu machen. Wenn das gelingt, dann wäre auch der Schritt zur ersten großen Überraschung der Saison nicht mehr ganz so unmöglich groß wie er im Moment erscheint.

1:4 im Test

Dürens Trainer Mirko Culic bat seine Spieler am Donnerstag zum Testspiel gegen das belgische Spitzenteam VC Handelsgids Averbode. Ohne den an der Hand operierten Mittelblocker Vladimir Rakic unterlagen die Gastgeber 1:4.

Der Trainer war nicht gerade begeistert: „Ich hatte gehofft, dass die Spieler die Partie wie ein Pokalfinale ansehen, sie haben sie aber als Vorbereitungsspiel betrachtet.

Voraussichtlich werden in der über den Ausgang der Partie vorentscheidenden Annahme neben Libero Till Lieber Jan Umlauft und Sven Dick die Verantwortung tragen.