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Aachen: Michaels-Beerbaum WM-Dritte - Lansink holt Titel

Aachen : Michaels-Beerbaum WM-Dritte - Lansink holt Titel

In der zehnten Runde platzte der Traum vom Gold am dritten Hindernis. Meredith Michaels-Beerbaum verpasste die Krönung zur Königin des Springsports durch einen Abwurf im Stechen und musste sich bei der Weltmeisterschaft in Aachen mit Einzel-Bronze begnügen.

Im Finale setzte sich der 45-jährige Jos Lansink (Belgien) vor Beezie Madden (USA) mit einer eindrucksvollen Leistung durch. „Ich bin trotzdem ganz stolz”, versicherte Michaels-Beerbaum strahlend und wirkte dabei fast so fröhlich, als habe sie gewonnen.

„Es ist toll, hier zu reiten, ich bin froh über eine Medaille”, sagte die 36-Jährige aus Thedinghausen. Im Stechen hatte sie im Sattel von Shutterfly mit 4 Strafpunkten in 45,40 Sekunden das Nachsehen. „Er war vielleicht etwas müde, es war eine lange Woche”, sagte die gebürtige Amerikanerin. Tapfer lächelnd gratulierte sie Lansink, der in 45,01 Sekunden als einziger Reiter fehlerfrei blieb. Schnellste im Stechen war Madden (43,74), doch ihr Authentic hatte ebenfalls einen Abwurf. „Das habe ich vorher nicht erwartet”, sagte Lansink, der seinen größten Erfolg feierte. Bei der Siegerrunde mit seinem 13-jährigen Schimmel-Hengst ritt er ohne Helm - und ohne die Zügel zu halten: „Das ist unfassbar.”

Für Michaels-Beerbaum war schon „die Teilnahme am Finale ein Riesen-Erfolg”, wie sie sagte. Von Platz 30 am ersten Tag im Zeitspringen stürmte sie unter die besten Vier. „Das ist super”, schwärmte sie. „Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Davon träumt man schon als kleines Mädchen.” Wie Lansink und Madden war die Deutsche in den vier Runden des Finales fehlerfrei geblieben, ehe die Entscheidung im Stechen fallen musste.

Das Finale war ein Nervenspiel, das schon unmittelbar nach der Qualifikation der besten Vier begann. Der amerikanische Trainer George Morris beschwerte sich, dass Michaels-Beerbaum in der Ehrenrunde nach dem Halbfinale nicht ihren Wallach Shutterfly ritt. Ehemann Markus war nur schwer zu beruhigen, Bundestrainer Kurt Gravemeier schimpfte: „Der macht immer Ärger. Das war mit dem Schiedsgericht abgeklärt, aber der hat wohl was gesucht.” Doch Meredith Michaels-Beerbaum ließ sich vom Theater, das ausgerechnet ihr ehemaliger Jugendtrainer anzettelte, kaum beeindrucken.

Den Erfolg verdankt sie auch dem 13-jährigen Hannoveraner-Wallach, der sie ins Finale trug. „Shutterfly war super. Es war nicht ideal für ihn. Er war so aufgeregt”, lobte sie das Pferd, das sie seit sieben Jahren reitet und das früher Struwwelpeter hieß. Vor dem entscheiden Umlauf mussten Betreuer den nervösen Shutterfly beruhigen, der sich zunächst nicht einmal die Satteldecke auflegen lassen wollte. „Er war da ein bisschen wild”, sagte die Reiterin.

Mit Lansink gewann der Routinier im Feld. Der 45-Jährige gehört zu den erfahrensten Reitern der WM. Acht Mal war er niederländischer Meister, gewann 1992 Team-Gold bei den Olympischen Spielen und den Weltcup 1994, ehe er vor fünf Jahren ins Nachbarland Belgien wechselte. „Ich bin es gewohnt, viele verschiedene Pferde zu reiten”, sagte Lansink zum Pferdewechsel im Finale. Als Verkaufsreiter müsse er sich häufig umzustellen. „Das sind ja alles tolle Pferde”, sagte er grinsend. Lansink hatte sich mit vier fehlerfreien Runden im Nationenpreis souverän ins Finale geritten. „Cumano ist gut zu reiten”, sagte er über seinen mächtigen Schimmel.

Schwer enttäuscht war derweil Ludger Beerbaum, der weiter auf den letzten fehlenden Titel seiner großen Sammlung verzichten muss - die Einzel-Weltmeisterschaft. Wie vor acht Jahren in Rom scheiterte er wieder nur um einen Platz am Finale. „Als Fünfter, das ist bitter”, sagte der 43-Jährige aus Riesenbeck nach seinen Ritten mit LEspoir. Ob er auf das falsche Pferd gesetzt habe, wurde Beerbaum vom Aachener Stadion-Moderator gefragt - und der Reiter konterte:„Das ist der größte Schwachsinn, den ich diese Woche gehört habe.”

Die Bilder von der Reit-WM