Aachen: Mark Depta kehrt in Alemannias Tor zurück

Aachen: Mark Depta kehrt in Alemannias Tor zurück

Vor ein paar Tagen musste sich Mark Depta zwischen aktuellem und zukünftigen Beruf entscheiden. Mit Alemannia stand ein Testspiel bei Borussia Mönchengladbach II an, in Köln war für den Jurastudenten im ersten Semester die Klausur „Strafrecht“ terminiert. Aachens Torwart reiste also mit seiner Mannschaft zum Niederrhein, um mit einem Testspielerfolg zurückzukommen.

Die Klausur will er bei Gelegenheit nachholen. Es läuft gerade gut für ihn — auf dem Platz. Denn am Ende der Vorbereitung steht eine unerwartete Beförderung an: Depta kehrt als Stammkeeper wieder zurück.

Das Torwartleben hat für den gerade 20-Jährigen schon ein paar Überraschungen bereitgehalten. In der verganenen Saison wurde aus dem Herausforderer im Laufe der Rückrunde eine Stammkraft. Depta verteidigte seinen Vorsprung auch in der Vorbereitung und ging als Nummer eins in die Spielzeit. Die Mannschaft kam nicht richtig auf Touren, und Depta ging es wie dem Team. Häufig fehlte das Glück, zuweilen kam auch noch Pech dazu. Der Keeper leistete sich in den ersten acht Spielen nur einen handfesten Fehler, als er von einem harmlosen Kopfball im Spiel bei Viktoria Köln überrascht wurde.

„Ich kann ihm nicht viel vorwerfen“, fiel seinem Trainer Fuat Kilic der Torwartwechsel schwer. „Mark hat seine Leichtigkeit verloren und wirkt gehemmt.“ Für Depta war es der erste Rückschritt in seiner jungen Karriere. Die Verbannung auf die Ersatzbank habe sich angedeutet, sagt er, aber „ich war dann doch ein bisschen überrascht“. Veränderungen auf der Torwartposition sind im Fußballsport nicht der Alltag. Wer seinen Posten verloren hat, kommt monate-, manchmal jahrelang in die Warteschleife.

Ab dem neunten Spieltag bekam Patrick Nettekoven den Vorzug. Und was Depta von der Bank aus beobachtete, hat ihm durchaus gefallen. „Er hat seine Sache gut gemacht“, sagt der junge über den reiferen Torwart. Das Verhältnis zwischen den beiden ist durchaus speziell, denn Nettekoven ist in einer Person Konkurrent, Kollege und als Trainer auch sein Chef.

Nettekoven lieferte extrem zuverlässig — und wird seinen Platz doch wieder räumen. Kilic hat sich zu einem erneuten Tausch im Tor entschieden. Die Idee hat wenig mit der Vergangenheit, aber viel mit der Gegenwart zu tun. „Es geht um die Entwicklung, ich will sehen, wie ich mit Mark planen kann“, sagt er. Wächst da eine Nummer eins heran oder muss im Sommer auf der Position nachjustiert werden?

Herausforderung und Chance

Für Depta, der als einziger der Torhüter einen Vertrag über die Saison hinaus besitzt, sind die nächsten Wochen Herausforderung und Chance zugleich. „Der erneute Wechsel hat mich schon etwas überrascht“, sagt er auch diesmal. Depta hat einen Fürsprecher im Team, der Patrick Nettekoven heißt. Der Torwarttrainer selbst hat die nächste Torwartrochade vorgeschlagen.

„Sein Handeln zeigt eindrucksvoll, dass er sich nicht in den Vordergrund stellt“, lobt Kilic. Nettekoven findet einerseits, dass seine Leistungen keinen Anlass für den Torwartwechsel geboten haben. Aber andererseits steht Nettekoven zu der Verabredung vor der Saison. Er ist als Trainer und Förderer der jungen Torhüter gekommen. „Mark hat die Qualität Talent, hier die Nummer 1 zu werden“, sagt Nettekoven.

„Wenn er seine Leistung zeigt, stelle ich mich hintenan.“ Nettekoven räumt ohne Groll seinen Platz. Im Winter hätte er sogar zu einem Drittligisten wechseln können. „Ich bin gerne Teil dieser Aachener Mannschaft“, hat er die Offerte ausgeschlagen. Er will lieber die heranreifenden Torhüter Depta und Akif Sahin anleiten. Kilic wird an den verbleibenden Spieltagen auch bei der Nummer zwei variieren. Mal wird Nettekoven, mal wird Sahin auf der Bank sitzen. Für Mark Depta beginnt gegen Wiedenbrück am Samstag die neue Zeitrechnung. Er kann sich erneut den Stammplatz sichern — auch weil sich der heftigste Konkurrent ohne zu murren zurückzieht. Das ist eine ungewöhnliche Geschichte in einer Branche mit spitzen Ellenbogen, in der Spieler nach Einsätzen honoriert werden.

Voraussichtliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Fiedler (Damaschek) - Kühnel, Pluntke, Pütz, Buchta - Fejzullahu, J.S. Mickels, Yesilova

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