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Aachen: Mario Ancic ist „kein neuer Goran!”

Aachen : Mario Ancic ist „kein neuer Goran!”

Rohan Goetzke ist schon so lange im Tennisgeschäft. Schon lange bevor sein Schützling Mario Ancic den ersten Schläger in der Hand halten konnte.

Und in all seinen Jahren hat sich Goetzke einen ganz einfachen Spruch reserviert, wenn er die Zukunft deuten soll: „Was passiert, passiert eben.”

Und so passierte es eben auch, dass die Nummer 1 beim Aachener ATP-Turnier am Brüsseler Ring schon nach Runde 2 die Rückfahrt buchen musste.

Der Schweizer Ivo Heuberger, stolze 100 Ränge hinter der 69 der Welt platziert, kämpfte den 19-jährigen Kroaten mit 7:6, 2:6 und 6:3 nieder, spielt am Freitag im Viertelfinale gegen Popp-Bezwinger Frederic Niemeyer.

Doch Niederlage hin oder her. Enttäuschung hin oder her. „Klar will die Nummer 1 der Setzliste so ein Turnier gewinnen, aber auf diesem Boden entscheiden ein, zwei Punkte über Sieg oder Niederlage. Mario wird sich mit jedem Spiel weiterentwickeln”, resümiert Goetzke.

Und in der kroatischen Heimat malen sie Ancics Zukunft bereits in den grellsten Farben. Einen „neuen Goran Ivanisevic” nennen sie den 1,93 Meter-Riesen in freudiger Erwartung, erzählen immer wieder die Geschichte von dem 15-jährigen Mario, der sein Land im Davis-Cup gegen Portugal vertrat. „Das war drittklassig”, relativiert sein Trainer.

Doch die eine oder andere Parallele lässt sich nicht verheimlichen. Mario Ancic stammt wie der große Ivanisevic aus Split, beide lernten beim gleichen Klub und haben auch schon zusammen ein paar Bälle geschlagen.

„Doch einen neuen Goran wird es nie geben. Mario ist ein ganz anderer Tennisspieler”, erläutert der Trainer. Goetzke zieht ganz andere Vergleiche und erinnert an den Niederländer Richard Krajicek. Den hatte er einst zum Wimbledon-Triumph geführt.

„Beide sind groß und spielen sehr offensiv”, berichtet der fröhliche Trainer mit dem spärlichen Haupthaar. Und er vergleicht weiter: „Richard war mit 19 noch explosiver, aber er hat in diesem Alter noch keine Tourerfahrung gesammelt.”

Die hat Ancic. Und wie! In diesem Jahr überraschte er die Tenniswelt mit seinem Sieg in Hamburg, zuletzt stand er im Viertelfinale von Stockholm.

„Es macht Spaß, mit diesem Jungen zu arbeiten. Doch wir müssen Geduld haben. Und Mario hat die Geduld. Er ist ein smarter Typ der weiß, was er will”, beschreibt Goetzke. Die Karriere ist generalstabsmäßig geplant.

Ancic soll bei kleineren Grand Prix Erfahrungen und Siege sammeln, dann werden die Masters und Grand Slams in Angriff genommen. „Doch es kann immer schneller gehen, als man denkt”, schränkt Goetzke mit all seiner Erfahrung ein.

Und irgendwo in seinem Kopf gibt es diesen Traum, mit Mario Ancic etwas Großes zu vollbringen. Wimbledon. „Wenn man so etwas tut, träumt man davon, dass sich so etwas wiederholt. Deswegen mache ich den Job. Ich liebe Tennis, das Training und den Erfolg”, erzählt er und bremst: „Aber was passiert, passiert.” So auch das überraschende Aus in Aachen...

Das Aachener ATP-Turnier in Zahlen

2. Runde: Pescosolido (Italien/Nr. 8) - Kohlmann (Herdecke) 6:4, 7:6 (8:6), Carlsen (Dänemark/Nr. 6) - Ketola (Finnland) 6:3, 6:3, Peya (Österreich) - Burgsmüller (Sundern/Nr. 2) 6:3 6:4, Voltchkov (Weißrussland/Nr. 3) - Berrer (Freudenstadt), Browne (Argentinien/Nr. 7) - Norman (Belgien)

Spielbeginn Freitag : 13 Uhr, Spiel des Tages:

Spielbeginn Samstag: ab 18 Uhr Halbfinals Einzel und Doppel

Spielbeginn Sonntag: ab 14 Uhr Finalspiele