Manni Stefes' Wiedersehen mit Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach : Warum Stefes immer noch der Manni ist

Das Duell seiner alten mit seiner neuen Borussia ist für den Ur-Gladbacher und jetzigen Dortmunder Co-Trainer Manfred Stefes sehr emotional.

Manfred Stefes ist immer noch Manni Stefes. Dabei ist er ein Aufsteiger, beruflich gesehen. Bei seinem alten Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach kümmerte sich der 51-Jährige vor seiner Entlassung nur noch um die Talente, die an die Erste Mannschaft herangeführt werden sollten. Jetzt ist er Co-Trainer beim Tabellenführer Borussia Dortmund, ist Teil eines aufsehenerregenden Halbjahres mit spektakulären Spielen in der Champions League und der Fußball-Bundesliga.

Es gibt Personen im Fußball, die – angekommen auf einer „hohen“ Position – ihre verniedlichenden und kumpelhaften Vornamen aus Gründen der vermeintlich gewonnenen  Seriosität loswerden möchten. So wurde aus Jogi Joachim Löw. Doch Stefes wird immer noch Manni genannt. Das passt auch gut ins Ruhrgebiet, wo man auf Etikette und Höflichkeit wenig Wert legt, sondern die direkte und ehrliche Art vorzieht. Auch sprachlich. Da ist es hilfreich, dass der Manni vom Niederrhein bodenständig und authentisch ist. Und so werden ihn heute ab rund 19 Uhr im Dortmunder Stadion auch seine ehemaligen Arbeitskollegen rufen: Borussia Dortmund empfängt zum Abschluss der Hinrunde Borussia Mönchengladbach.

Ein Vereinslied seiner nun ehemaligen Borussia suggeriert und fordert, es gebe nur eine Borussia. Für Manni Stefes gilt das nicht mehr, trotz 31-jähriger Zugehörigkeit zum Traditionsklub aus Mönchengladbach. Und so ganz neu ist die Situation für den Fußballlehrer auch nicht. „Ich habe schon mal drei Jahre die Entfernung geübt, als ich für den MSV Duisburg gearbeitet habe.“ Das zählt aber ebenso zum Niederrhein. Und auch die Berufung in die Westfalen-Metropole hängt mit seiner Vergangenheit im Rheinland zusammen.

Stefes ist Assistent von Lucien Favre, mit dem er bereits vier Jahre in Gladbach zusammengearbeitet hat, bis dieser nach einer Niederlagenserie fluchtartig den Borussia-Park verließ. Der Schweizer Trainer machte seinen Wechsel von OGC Nizza zu Dortmund davon abhängig, dass ihm erneut Stefes assistiert. „Wir sind immer in Kontakt geblieben“, erläutert der Co-Trainer sein Verhältnis zu seinem Wieder-Chef. Doch er verdeutlicht auch die Ebene, auf der die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit basiert. „Ich muss wohl fachlich gut genug sein. Denn das war kein Freundschaftsdienst. Aber natürlich haben wir uns in den Jahren in Mönchengladbach kennen- und schätzengelernt. Und das fachlich, aber auch menschlich.“

Zwei Jahre arbeitete Favre in Südfrankreich, da liegt es nahe zu vermuten, dass das savoir vivre beim detailversessenen Fußballbastler Spuren hinterlassen hat. Der neue Lucien Favre also? „Jeder verändert sich. Aber Favre ist nach wie vor der alte, was seine menschlichen und fachlichen Prinzipien angeht“, widerspricht Stefes. „Das sind doch alles Klischees. Veränderungen, was das Fußballspielen angeht, hängen mit Spielern zusammen. Er ist noch genau der gleiche Trainer.“

Ist Manni Stefes noch der gleiche Co-Trainer? Über seine Entlassung in Gladbach  möchte er nicht mehr reden. Dieter Hecking hatte als neuer Trainer Dirk Bremser mitgebracht. Frank Geideck, der im Gefolge von Michael Frontzeck zu Gladbach kam, hatte sich offensichtlich unentbehrlich gemacht. Stefes wurde zum Nachwuchs verschoben. Dann aber wollte seine alte Borussia in diesem Bereich mit Otto Addo zumindest personell neue Wege gehen. Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie sehr das Manni Stefes verletzt hat.

Die neue Aufgabe in Dortmund ist nach einer Phase, in der er sich bei etlichen Klubs in der Bundesliga und der Premier League als Hospitant weitergebildet hat, mehr als ein Pflaster auf der schwärenden Wunde. Bei aller Zurückhaltung hat sein Selbstbewusstsein aber nicht gelitten. Klar könne er sich vorstellen, auch mal als Cheftrainer zu arbeiten. Nach seiner Entlassung aber sei er nicht so vermessen gewesen zu glauben, dass er neuer Trainer etwa beim HSV werde. Seine Vorliebe ist die 1. Bundesliga. „Ich bin lieber Co-Trainer in Dortmund als Cheftrainer in Sandhausen.“

Beim BVB ist es nicht mehr ganz so einfach wie in Gladbach, unerkannt unter dem öffentlichen Radar zu fliegen. „Hier ist mehr Medienpräsenz, man steht selbst als Co-Trainer mehr in der Öffentlichkeit.“ Das liebt er nicht, wie viele seiner ehemaligen Chefs (Hans Meyer, Frontzeck), doch er weiß, „es gehört dazu. Aber natürlich macht es mehr Spaß, auf dem Platz zu stehen als Interviews zu geben oder – wie jetzt – ein Gespräch zu führen“.

Als ihn der Favresche Lockruf erreichte, musste er auch nicht lange überlegen. Die „andere“ Borussia war für ihn emotional nicht negativ besetzt. Im Gegenteil. „Mich haben immer diese Emotionen im Stadion und im Verein und diese Energie fasziniert.“ Sympathien wurden verstärkt durch das Wissen, in einem günstigen Moment zu Schwarz-Gelb zu kommen: „Es ist natürlich einfacher, wenn die Erwartungen des neuen Arbeitgebers zuletzt nicht erfüllt wurden.“ Nach einem halben Jahr sind sie jetzt aber mit Platz 1, der K.o.-Runde in der Königsklasse und dem glücklichen Verbleib im DFB-Pokal übererfüllt. Und zum Jahresabschluss noch das Duell Erster gegen Zweiter: „Das ist ein emotionales Spiel mit viel Tradition. Aber kein Derby nur wegen des gleichen Namens Borussia.“ Für Manni Stefes ist es angesichts seiner Fußball-Geschichte besonders emotional. Das könnte nur noch getoppt werden am letzten Spieltag der Rück­runde – ab 17.15 Uhr im Borussia-Park. Wenn ihm sein verlegener Chef Lucien Favre schnell die Meisterschale weiterreicht – und ihn nur noch Manfred nennt ...