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Mönchengladbach: Makellos nur auf den ersten Blick

Mönchengladbach : Makellos nur auf den ersten Blick

Die Bilanz erscheint auf den ersten Blick makellos: Mit 16:0 Toren und natürlich ungeschlagen wird Borussia Mönchengladbach in den Statistiken der Uefa bei den Aufeinandertreffen mit zyprischen Mannschaften in vier Jahrzehnten Europapokal-Geschichte geführt. Der Schönheitsfehler versteckt sich im Detail: Die 16 Tore schossen die Borussen in Hin- und Rückspiel gegen Enosis Pezoporikou Amol FC und die Torschützen hießen im September 1970 Netzer, Wimmer, Laumen, Köppel und Co.

Im Hinspiel gegen den aktuellen Gegner AEL Limassol blieb die Borussia zwar auch ohne Gegentreffer, nur wollte der Ball auch nicht in das gegnerische Tor in Nikosia. Oscar Wendt verschoss sogar einen Elfmeter in der achten Minute der Nachspielzeit (!). Statt des erhofften Dreiers gegen den Letzten in der Gladbacher Gruppe der Europa League sprang nur ein trostloses Unentschieden heraus. „Das war extrem bitter und schade, dass es mit dem Sieg im ersten Spiel nicht geklappt hat“, erinnert sich Borussias Angreifer Patrick Herrmann an die Gefühlslage im September, als seine Mannschaft mit nur einem Punkt aus zwei Begegnungen fast schon abgeschlagen war.

Warnung des Berufswarners

Zwei Monate später ist die Ausgangslage für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre eine ungleich bessere: Die Borussia kann Donnerstagbend mit einem Sieg gegen die Mannschaft aus dem Süden der Mittelmeerinsel vorzeitig den Einzug in die K.o.-Phase des Wettbewerbs schaffen, vorausgesetzt, Fenerbahce schlägt im anderen Gruppenspiel Olympique Marseille. „Aber dafür dürfen wir nicht nur ausschließlich an das Gewinnen denken“, warnt der Berufswarner, „wir dürfen nicht vergessen, Fußball zu spielen. Wir müssen Torchancen kreieren und dürfen die Defensive nicht vernachlässigen.“ Juan Arango heißt der kreative Kopf — Fuß — in den Reihen der Borussia, der für den offensiven Zauber zuständig ist. Und der sonst schwer zurückhaltende Favre überschlägt sich für seine Verhältnisse fast vor Begeisterung, wenn er die Qualitäten des Venezolaners auflistet.

„Arango hat viele Assists auf dem Konto, er macht die wichtigen Tore, sein linker Fuß ist phantastisch. Er schlägt tolle Pässe und super Flanken, und seine Standards sind sehr gefährlich“, führt der 55-Jährige detailliert auf — und lässt nach einer kurzen Pause ein fast gedankenverlorenes „Und das ist schon viel“ folgen. Zur Seite steht Arango dabei Patrick Herrmann, der immer stärker in die Rolle von Marco Reus rutscht und sich dabei immer wohler fühlt. „Ich habe früher schon im Sturm gespielt, aber ich habe in der Position noch Luft nach oben“, räumt der 21-Jährige selbstkritisch ein.

„Luft nach oben“ war in den letzten Partien auch in der Defensive, nicht nur aufgrund des kuriosen Eigentores durch Roel Brouwers. Da absehbar nur weiterhin Luuk de Jong und Kapitän Filip Daems verletzt ausfallen und hinter dem Einsatz von Tony Jantschke ein dickes Fragezeichen steht, besteht für Gladbachs Trainer eigentlich keine Notwendigkeit, die Mannschaft großartig umzubauen. Doch Favre wäre nicht Favre, hätte er nicht immer das große Ganze im Blick: „Wir haben jetzt vier Spiele in zehn Tagen, da wird es fast unmöglich, immer mit der gleichen Mannschaft zu spielen. Ich weiß noch nicht, wie wir gegen Limassol anfangen.“

So könnten sie spielen: ter Stegen — Brouwers, Stranzl, Dominguez, Wendt — Nordtveit, Marx — Rupp, Arango — Herrmann, Hanke