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Aachen: Leos „Pranken”-Hieb ebnet den Weg zur EM

Aachen : Leos „Pranken”-Hieb ebnet den Weg zur EM

Leo Zulic machte seinem Namen alle Ehre. Wie ein Löwe kämpfte der Aachener Thai-Boxer - gegen seinen Kontrahenten Paco Koszielniak und gegen die Schmerzen in seinen rechten Hand.

Ein Arbeitsunfall hatte im Vorfeld jede Menge strategisches und taktisches Geschick erfordert. Trainer Frederick Jungheim erklärte den Fauxpas im Vorfeld der Deutschen Meisterschaft der Amateure in Aachen zum Staatsgeheimnis. Niemand wusste, dass der Aachener Thai-Boxer (bis 71 kg) angeschlagen war.

Im Ring waren die Schmerzen freilich vergessen. „Als der Gong ertönte, habe ich mich nur noch auf meinen Gegner konzentriert”, berichtete Zulic von einer Kurzzeit-Genesung. Denn es war die angeschlagene Rechte, die wie ein Dampfhammer gegen Koszielniaks Kopfschutz prallte. Zuviel für den Rommerskirchener Mit-Favoriten. Die Knie knickten ein, der Kampf war schon in Runde 1 vorbei. Knock-out! „Eigentlich wollte ich über die Kondition den Kampf gewinnen, denn Koszielniak hatte schon zwei Kämpfe hinter sich”, meinte Kurzarbeiter Zulic.

Als Kämpfer der A-Klasse war es sein erster Auftritt beim Heimspiel der vom Tai-Kien-Boxen Dojo Aachen organisierten Meisterschaften. Und sein letzter! Der schnelle K.o.-Sieg reichte für Platz 2 und damit zur Qualifikation für die Europameisterschaften im nächsten Jahr. „Wenn Leo weitergekämpft hätte, hätte er auch gewonnen. Der Junge ist so stark”, war Trainer Jungheim überzeugt. Doch die Gesundheit des Athleten war wichtiger. So durfte sich Dirk Prosovski kampflos feiern lassen.

Es war ein langer Tag bei den „Deutschen”. „Viele gute Kämpfe”, hatte Jungheim gesehen - Zwischenfälle gab es keine. Anders als die Profis tragen die Amateure nämlich Helme und Schutzpanzer vor Brust, Ellbogen und Schienbein. Harte Burschen sind es trotzdem. Immer wieder entwickelten sich wilde Keilereien, bei denen nur das geschulte Auge saubere Techniken ausmachte. Im Akkord prasselten Schläge und Tritte auf die Thai-Boxer ein. Zwei Minuten Rundenzeit konnten eine Ewigkeit sein.

Doch es wurden nicht nur EM-Tickets ausgekämpft, für viele Sportler - auch Leo Zulic - waren die Meisterschaften ein Leistungscheck für die WM im November in Bangkok. „Wir stehen mit dem deutschen Thai-Boxen so um Platz 6 oder 7”, erklärte Bundestrainer Detlef Türnau. Leo Zulic traut er gar einen Platz im Halbfinale zu: „Der Junge wird auf sich aufmerksam machen.”

Mit Jalal El Jirari (bis 67 kg) startete ein weiterer Aachener. Im zweiten Kampf gegen Tilo Schneider verpufften allerdings die eleganten Kicktechniken des Jungheim-Schülers, und so musste er sich mit Platz 3 begnügen. Leo Zulic schickte wenig später Handküsschen zu seinen Fans. „Ich war froh, überhaupt dabei zu sein”, sagte er und zeigte die geschwollene Rechte. Doch der Löwe hatte sich eindrucksvoll durchgebissen.