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Braunschweig: „Lateintanzen ist doch kein Wettlauf”: Aachener überraschend nur auf DM-Platz 3

Braunschweig : „Lateintanzen ist doch kein Wettlauf”: Aachener überraschend nur auf DM-Platz 3

Gibt der Erfolg immer dem Recht, der ihn hat? Dann hat Horst Beer Recht, denn die Lateinformation der TSG Bremerhaven verbuchte bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig ihren 19. Titel.

Überraschungszweiter wurde das A-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen, das niemand auf der Rechnung gehabt hatte.

DM-„Verlierer” waren das Tanzsportzentrum Aachen und Düsseldorf Rot-Weiß, die als EM-Zweiter bzw -Dritter nur auf die Ränge 3 und 4 kamen.

„Wir haben uns auf alte Tugenden besonnen und machen das in dem Glauben, dass wir so auch Litauen schlagen können”, stellte Beer klar und ließ seine 16 Tänzer in einer ungeheuer hohen Geschwindigkeit effektvoll über das Parkett rennen.

Gut sah es aus, aber „Lateintanzen ist doch kein Wettlauf”, schüttelte Oliver Wessel-Therhorn, Ex-Trainer der Düsseldorfer, den Kopf.

Auch deren Choreographie zur Musik „Chicago” löste Diskussionen aus: Kühl, zippig im Swing- und Charlestonstil an alte Revuen erinnernd und mit Neuerungen wie der sich aus dem Roundabout entwickelnden Todesspirale war interessant anzusehen, aber nicht jedermanns Sache.

Ganz anders die Aachener, die ihr Augenmerk ganz auf gutes Lateintanzen legten und begeisterten. Auch die Wertungsrichter - bis zum Finale.

Vielleicht war es Pech, dass Aachen gleich nach Bremerhaven raus musste, denn nach der schnellen Darbietung wirkte das sehr gut und exakt getanzte „Latin America” auf einmal langsamer und etwas konservativ.

Lähmendes Entsetzen herrschte in der Aachener Ecke, als die Wertungen hoch gingen. Platz 3 - damit hatte niemand gerechnet. Tränen rollten, Erklärungen fand niemand.

„Wir können mit uns zufrieden sein, haben drei gute Durchgänge gezeigt, im Finale noch zugelegt. Jetzt sind wir nur noch enttäuscht, können es nicht fassen”, schüttelte TSZ-Teamsprecher Alexander Buttgereit nur den Kopf.

„Meine Mannschaft hat alles gegeben, sie hat sehr gut getanzt, besser noch als bei der EM. Was aber soll ich den Tänzern noch sagen, wie sie für die WM in zwei Wochen motivieren”, war TSZ-Cheftrainerin Petra Heiduk ratlos ob der Wertungen und der Entwicklung im Tanzsport.

„Ich werde kein Fast Food produzieren und meine Tänzer nur rennen lassen. Ich denke, dass wir Litauen nur mit unseren Tugenden, nämlich wirklich gutem Lateintanzen, schlagen können und nicht indem wir versuchen den Weg der Litauer, die Profis sind, nachzugehen.”

Und so blieb vor allem am Schluss eine Frage offen: Quo vadis, Tanzsport?