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Miami/Aachen: Kühnen: „Kopfzerbrechen auf hohem Niveau”

Miami/Aachen : Kühnen: „Kopfzerbrechen auf hohem Niveau”

„Zwei aus Drei” heißt der vorösterliche Auftrag für Patrik Kühnen. „Kopfzerbrechen auf hohem Niveau” nennt es der Daviscup-Teamchef.

Grund für das Dilemma: Plötzlich stehen der deutschen Mannschaft drei erstklassige Einzelspieler für die Partie gegen Israel in Alsdorf zur Verfügung. Unser Redakteur Thorsten Pracht sprach mit Kühnen, der derzeit in Miami die letzten Eindrücke vor der Nominierung des Teams am Mittwoch sammelt.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr, als alle Last auf Rainer Schüttler ruhte, genießen Sie mit ihm, Thomas Haas und Nicolas Kiefer derzeit den Luxus von drei guten Einzelspielern. Sie haben die Qual der Wahl.

Kühnen: Es ist natürlich immer schwer, die zwei rauszupicken, die dann die Einzel spielen. Aber allein die Tatsache, dass die drei jetzt - auch wenn man die Weltrangliste betrachtet - so weit vorne drin stehen, ist natürlich erfreulich. Ihre Qualität spricht ja auch für sich.

Das ist generell ein sehr erfreulicher Zustand, viel viel besser als im letzten Jahr. Ich habe ja immer gesagt, dass der Verlust von Tommy Haas deutlich zu spüren war. Wichtig ist, dass die Mannschaft versteht, dass sie nur miteinander Erfolg haben kann, auch wenn jeder natürlich immer spielen will.

Könnte die leichte Verletzung von Rainer Schüttler ein Hinweis darauf sein, dass die Einzel in Alsdorf von Nicolas Kiefer und Thomas Haas gespielt werden?

Kühnen: Darauf gibt es keinerlei Hinweis. Und ich werde mich auch mit Sicherheit nicht vorzeitig äußern, wer letztendlich spielen wird.

Das Doppel wurde immer wieder als wunder Punkt im deutschen Team bezeichnet. Schüttler und Kiefer haben zuletzt in Indian Wells überzeugt. Zeichnet sich da schon eine Tendenz ab?

Kühnen: Es hat mich einfach gefreut, dass die beiden gut gespielt haben. Ich habe immer versucht das zu fördern. Letztlich sind beide aufeinander zugegangen, sie haben ja auch Anfang des Jahres in Melbourne schon miteinander gespielt. Das trägt jetzt Früchte.

Rainer ist jetzt im Doppel in der Weltrangliste sogar der beste Deutsche. Aber das hat für Alsdorf noch nichts zu sagen. Da wird die Form vor Ort noch eine wichtige Rolle spielen. Auch hier gilt: Es ist für mich schöner, mir den Kopf auf hohem Niveau zu zerbrechen, als andersrum.

Der Alsdorfer Lokalmatador Tomas Behrend hat seine Priorität im Frühjahr klar auf die Aschensaison gesetzt. Auf seinen Einsatz brauchen die Leute in der Region wohl nicht zu hoffen?

Kühnen: Tomas hat mit Sicherheit seit längerer Zeit auch nicht mehr ganz so erfolgreich gespielt. Und es geht ja auch nur noch um den vierten Mann im Team.

Also geht die Tendenz eher dahin, einen Doppel-Spezialisten zu nominieren?

Kühnen: Das werde ich sehen. Ich möchte die Eindrücke hier in Miami noch abwarten. Es ist ja auch noch bis Mittwoch Zeit.

Sie haben selbst in der Blütezeit des deutschen Tennis in großen Hallen dreimal den Daviscup gewonnen. Wie sehen Sie den Gang in die „Provinz” nach Alsdorf?

Kühnen: Es ist sicherlich ein ganz klares Ziel, dass wir demnächst wieder in größeren Stadien spielen. Aber das ist erfolgsabhängig. Die Ist-Situation stellt sich jetzt eben so dar, dass wir in der 2. Liga spielen.

Ich war vor Ort in Alsdorf, habe mir alles angeschaut. Das ist sicherlich eine ganz andere Situation als in der Vergangenheit, das ist richtig. Aber damit müssen die Spieler zurechtkommen.

Es liegt allein an der Mannschaft, im nächsten Jahr wieder in weitaus größeren Stadien zu spielen und viele Menschen mit ihrem Tennis zu begeistern. Aber nach meinem Besuch in Alsdorf muss ich sagen: Das ist absolut in Ordnung.

Stichwort Israel. Ist das ein Gegner, von dem man - ohne arrogant zu wirken - sagen muss: Die müssen wir immer schlagen?

Kühnen: Sagen wir mal so: Ich warne davor, Israel zu unterschätzen, weil es einfach ein gutes Team ist. Harel Levy hat sich nach seiner Verletzungspause noch mal ein bisschen gefestigt, steht um die 100 in der Rangliste. Der kann schon ordentliches Tennis spielen.

Außerdem verfügt Israel über ein sehr gutes Doppel. Andy Ram und Jonathan Erlich stehen beide unter den ersten 30 der Doppel-Weltrangliste, waren 2003 in Wimbledon im Halbfinale, sind sehr eingespielt. Wir sind sicher favorisiert, das sehen wir selber auch so, aber ohne überheblich zu sein.

Spiele gegen israelische Nationalmannschaften sind immer etwas besonderes. Gerade jetzt ist die Lage in Israel politisch hoch brisant. Beschäftigt Sie das?

Kühnen: Man hat es schon im Kopf. Ganz von sich wegstoßen kann man so etwas nicht. Da kommen Gedanken auf, die man bei anderen Gegnern nicht hat. Ich denke, dass die Sicherheitskräfte in Alsdorf alles tun werden und hoffe, dass das Sportliche im Vordergrund stehen wird.

Am kommenden Mittwoch wird Patrik Kühnen in Miami sein Aufgebot für das Spiel gegen Israel bekannt geben. Eine Woche später, am 7. April, findet im Kasteel Vaalsbroek die Auslosung statt. Am Karfreitag beginnt der Daviscup im Sportforum Alsdorf um 14 Uhr mit zwei Einzeln.