Kommentiert: Löws zweite Chance

Kommentiert: Löws zweite Chance

Joachim Löw gibt Joachim Löw eine zweite Chance. Mit diesen Worten hätte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag seine Mitteilung überschreiben können. Hat er zwar nicht. Ist aber so.

Die Verantwortlichen hatten längst betont, dass sie den Bundestrainer nicht entlassen würden, und jetzt hat Löw eben entschieden, dass er sich auch selbst nicht entlässt. Er bleibt also Bundestrainer. Und jetzt muss die Zukunft zeigen, ob die Entscheidung des Trainers und seiner Chefs die richtige ist.

Nachvollziehbar ist sie durchaus, und das gilt für beide Seiten. Für den Verband wiegt die glorreiche Vergangenheit schwerer als der aktuelle Misserfolg, der DFB will sich nicht wegen eines desaströsen Turniers von dem Mann trennen, der den Aufschwung des deutschen Fußballs in den vergangenen Jahren grundlegend geprägt hat. Für Löw ist das Weitermachen eine Chance, als letzte Amtshandlung nicht das erste Scheitern eines deutschen Teams in einer WM-Vorrunde maßgeblich mitverantwortet zu haben. Er hat nun die Möglichkeit, seine großen Fehler — die er in Russland gemacht hat — zu korrigieren.

Und das wird schwer genug. Denn die angekündigte schonungslose Analyse des frühen Ausscheidens allein wird nicht reichen — es werden auch Konsequenzen erfolgen müssen. Es versteht sich von selbst, dass die Nationalmannschaft nach all den Unstimmigkeiten in Russland neue Impulse braucht, das hat Löw selbst gemeint, als er von „tiefgreifenden Veränderungen“ gesprochen hat. Weil diese nun nicht auf der Trainerbank vorgenommen werden, muss Löw selbst nachjustieren.

Es braucht neue Reize, frische Ideen, unverbrauchte Spieler. Der Trainer, der so gerne am Bewährten festhält, muss sich neu erfinden, er muss auch ein Krisenmanager sein. Löw muss jetzt beweisen, dass er seine zweite Chance verdient hat.