Aachen: Kölns Trainer drückt auf den Reset-Knopf

Aachen : Kölns Trainer drückt auf den Reset-Knopf

Lange musste Stefan Ruthenbeck über die Antwort auf die Frage nachdenken, wo er denn am 20. Mai 2017 gewesen sei, doch genau konnte er sich dann doch nicht erinnern. „In der zweiten Liga irgendwo?“, rätselte der Trainer des 1. FC Köln. „Auf jeden Fall ganz weit weg von der Bundesliga.“

Nun, der FC feierte an diesem Tag vor rund zehn Monaten die Qualifikation für die Europa League mit einem 2:0 über Mainz 05, und es steht zu vermuten, dass der FC auch „in der zweiten Liga irgendwo“ steckt, sollte das Endspiel der Endspiele am heutigen Samstag (15.30 Uhr) nicht gewonnen werden. Erneut heißt der Gegner Mainz, sechs Punkte vor den Kölnern auf dem Relegationsplatz rangierend, und bei einer Niederlage wäre dann auch Köln „weit weg von der Bundesliga“.

Doch zunächst einmal war es die Aufgabe von Ruthenbeck und seinem Trainerstab, bei der Mannschaft nach dem 0:6-Debakel in Hoffenheim den Reset-Knopf zu drücken. „Ich will das andere Gesicht sehen“, fordert der 45-Jährige von seinen Profis. „Nicht das einer Mannschaft, die sich aufgegeben hat.“ Die Belege für diese Kritik sind leicht zu finden: „Es fehlte die Laufbereitschaft, die Aggressivität. Es gab keine taktischen Fouls, keine einzige Gelbe Karte gegen uns“, listete Ruthenbeck die Mängelliste aus dem Drehbuch des Hoffenheim-Spiels auf, das gegen Mainz nicht wieder aufgeführt werden soll. „Jeder Spieler ist wütend“, gab Ruthenbeck Einblicke in die Stimmungslage. „Wir haben uns blamiert, das wollen wir so nicht stehen lassen.“

Einige Akteure werden neben Dominic Maroh (Magen-Darm-Infekt) allerdings hinnehmen müssen, dass sie keine Gelegenheit zur direkten Wiedergutmachung haben, zumal auch Jonas Hector und Marcel Risse wohl rechtzeitig fit sind. „Es wird auf jeden Fall Veränderungen geben“, kündigte der FC-Coach personelle Auswirkungen an. „Wir brauchen für die Aufgabe Spieler, die nicht so negativ sind.“ Dabei ist dem Trainerteam angesichts — oder trotz — der Bedeutung des Spiels gegen Mainz bewusst, dass die Dosis das Gift macht und Aktionismus wie die Einberufung eines dreitägigen Trainingslagers wohl fehl am Platz wäre.

Zuviel Kritik könnte lähmen und das notwendige Selbstbewusstsein rauben, „und spreche ich den Spielern zu intensiv Mut zu und versuche, sie wieder aufzurichten, kann das aufgesetzt und gekünstelt wirken.“ Für sich selbst hat Ruthenbeck jedenfalls eine Einstellung gefunden, mit der er in dieses „Überlebensspiel“ gehen will: „Hätte mir zu Beginn meiner Tätigkeit als Cheftrainer jemand gesagt, dass wir sechs Spieltage vor Schluss noch die Chance haben, um den Relegationsplatz mitzuspielen und den Abstand auf drei Punkte zu verkürzen, hätte ich das sofort unterschrieben und genommen.“ Voll fokussiert auf der einen Seite, trotzdem locker und ohne Hemmungen an die gewaltige Aufgabe heranzugehen, das ist der Spagat, den es zu schaffen gilt. Da hilft auch der Blick zurück: „Drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz“, rechnet Ruthenbeck hoch, „das hatten wir zum letzten Mal am zweiten Spieltag“.

Voraussichtliche Aufstellung: T. Horn - Sörensen, Meré, Heintz - Höger, Koziello - Risse, Hector - Osako, Bittencourt - Terodde

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