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Aachen: Katschhof-Sieg ist eines seiner Karriere-Ziele

Aachen : Katschhof-Sieg ist eines seiner Karriere-Ziele

Dieses Jahr sollte das Jahr des Tobias Scherbarth werden, das hatte sich der Stabhochspringer so vorgenommen. Und ja, lange hat es danach ausgehen, dass das auch klappen würde. Ende Mai segelte er im amerikanischen Phoenix über 5,73 Meter — persönliche Bestleistung; Ende Juli schaffte er bei widrigen Witterungsverhältnissen in Ulm 5,60 Meter — Deutscher Meister.

Dass am Ende dann doch nicht alles rund lief, passt irgendwie in die bisherige Laufbahn des Leverkuseners. Seine Krankenakte ist lang, gleich zwei Fußbrüche stehen darin, und irgendwie scheint er immer mal wieder vom Pech verfolgt. So wie bei der EM in Zürich. Da ruhten die Hoffnungen auf ihm, Scherbarth scheiterte in der Qualifikation ohne gültigen Versuch an seiner Einstiegshöhe von 5,50 Metern. Im Interview spricht Scherbarth über seinen „Salto nullo“ in Zürich und seine Ziele beim „10. NetAachen-Domspringen“ der Alemannia am Mittwoch (ab 18 Uhr).

Herr Scherbarth, sind die Tränen nach dem Aus in Qualifikation bei der EM mittlerweile getrocknet?

Scherbarth: Ja, das sind sie, aber so etwas bleibt natürlich trotzdem im Hinterkopf. Ärgerlich ist, dass das bei meinem ersten Großereignis passieren musste. So ist der Sport eben.

Auf Ihnen ruhten als Deutscher Meister viele Hoffnungen. War der Druck zu groß?

Scherbarth: Druck hat mein eigentlich immer, daran ist es sicherlich nicht gescheitert. Ich mache mir ja auch selber immer den Druck, meine beste Leistung abrufen zu wollen.

Woran hat es dann gelegen?

Scherbarth: Ich glaube, dass ich einfach einen schlechten Tag erwischt habe. Und dann kam da auch noch ein bisschen Pech hinzu, zum Beispiel mit dem Wind. Wirkliche Vorwürfe kann ich mir eigentlich nicht machen. Ich habe bis heute keinen Fehler gefunden, der ausschlaggebend für das frühe Aus war.

Sie sind schon Ende Mai 5,73 Meter gesprungen, konnten sich seither nicht mehr steigern. War Ihre Form zu früh auf dem Höhepunkt?

Scherbarth: Das würde ich so nicht so sagen. Ich war auch bei den Deutschen Meisterschaften topfit, da bin ich bei Regen 5,60 Meter gesprungen, und ich bin überzeugt, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Und generell gilt, dass man nicht bei jedem kleinen Wettkampf Bestleistungen abrufen kann. Das ist körperlich und mental einfach nicht möglich.

Wie kann man sich nach einem solchen Negativerlebnis beim Saisonhöhepunkt für weitere Springen motivieren?

Scherbarth: Stabhochspringen macht mir nach wie vor viel Spaß. Da hinterfrage ich nicht alles, nur weil mal ein Wettkampf schlecht gelaufen ist. Nichtsdestotrotz steckt einem so eine Enttäuschung schon in den Knochen. Und es wird auch noch ein bisschen dauern, bis ich das alles endgültig verarbeitet habe. Trotzdem: Ich bin persönliche Bestleistung gesprungen, bin Deutscher Meister geworden, das war alles in allem eine gute Saison.

Kurz nach Ihrer persönlichen Bestleistung über 5,73 Meter haben Sie gesagt, dass sie in diesem Jahr noch die 5,80 Meter anpeilen wollen.

Scherbarth: Die 5,80 Meter sind immer in meinem Hinterkopf. So ein Wettkampf, in dem das gelingen kann, kommt manchmal um die Ecke, da erwartet man ihn gar nicht. So hoch zu springen, ist schon lange mein Ziel. Wenn ich einen guten Tag erwische und die Bedingen passen, dann wird mir das auch gelingen.

Vielleicht am Mittwoch beim „10. NetAachen-Domspringen“?

Scherbarth: Warum nicht? Wenn es an dem Abend nicht allzu kalt wird, es keinen Gegenwind und keinen Regen gibt, und ich gut drauf bin, kann das auf jeden Fall klappen. Das ist aber nicht das primäre Ziel, zuallererst will ich einen guten Wettkampf machen.

Nur drei Kontrahenten beim Domspringen sind in diesem Jahr höher gesprungen als Sie. Da könnte man sich nicht mit Platz 8 oder 9 in Aachen zufrieden geben, oder?

Scherbarth: Natürlich will ich mich auf dem Katschhof positionieren, wo ich meiner Meinung nach auch hingehöre. Von meiner Bestleistung her kann ich vorne mitspringen. Ich würde gerne meine deutschen Konkurrenten hinter mir lassen. Und die anderen am liebsten auch.

Sie wollen also gewinnen.

Scherbarth: Ich will immer gewinnen. Natürlich ist das nie einfach, aber ich glaube, man sollte mental immer darauf eingestellt sein, dass man bei einem solchen Wettkampf Erster werden kann. Wenn ich sagen würde, siegen sei mir nicht wichtig, dann wäre ich falsch im Sport.

Wen haben Sie als ärgsten Konkurrenten für Mittwoch auf dem Zettel?

Scherbarth: Mark Hollis aus den USA hat einen echt guten Lauf. Aber auch alle anderen Springer, die dieses Jahr schon 5,70 und mehr gesprungen sind, sollte man nicht außer Acht lassen. Im Stabhochsprung ist nichts unmöglich. Und das Springen in Aachen ist sowieso speziell.

Was ist für Sie das Besondere am Domspringen?

Scherbarth: Eine solche Atmosphäre haben wir bei keinem anderen Wettkampf im Jahr. Dass die Zuschauer so nah an uns Springern dran sind — ein echter Hexenkessel. Und das sage ich jetzt wirklich nicht einfach so: In Aachen zu springen, fühlt sich richtig geil an.

Also wäre ein Sieg auf dem Katschhof ein kleiner Trost für den „Salto nullo“ bei der EM in Zürich?

Scherbarth: Ja, ich glaube, das kann man so sagen. Es ist ohnehin eines meiner Karriere-Ziele, einmal in Aachen zu gewinnen. Warum sollte mir das nicht schon dieses Jahr gelingen?