Kann Mönchengladbach die Bayern-Krise verstärken?

Borussia Mönchengladbach bei den Bayern : Krisenverstärker oder Prügelknabe?

Mönchengladbach reist selbstbewusst zu den Bayern, aber Trainer Dieter Hecking warnt vor dem wackelnden Riesen

Gibt es passende Momente, in denen eine Mannschaft bestehend aus Normal-Sterblichen auf die Münchner Bayern trifft und mehr als eine Niederlage einheimsen kann? Ja, etwa zu Beginn der Saison, wenn der Moloch von der Isar noch nicht so richtig ins Rollen gekommen ist. Oder im Zentrum des Champions-League-Stresses, wenn die Großkopferten im Englische-Wochen-Rhythmus noch mehr als sonst zur Königsklassen-Krone schielen und das Kleinvieh in der heimischen Liga aus den Augen verlieren.

Bisher war es auch so, dass man Lewandowski & Co. besser nicht begegnete, wenn sie sich gerade eine Nachlässigkeit erlaubt hatten, also eine Niederlage oder zumindest ein Unentschieden. Das sprengt die DNA der Dauersieger und führt in der Regel dazu, dass der nächste Gegner fürchterlich für die vorhergehenden Versäumnisse der Elite-Kicker verprügelt wird. Was aber nun Borussia Mönchengladbach am Samstagabend (18.30 Uhr) in der Allianz-Arena erwartet oder blüht, nachdem die Bayern gleich drei Negativ-Erlebnisse aufgelistet haben, mögen manche, die es gut mit den Niederrheinern meinen, sich lieber nicht vorstellen.

Von Berufs wegen darf Dieter Hecking kein Schreckensbild an die Besprechungsraum-Wand im Borussia-Park malen, der Gladbach-Coach muss aber zumindest warnen. „Die Bayern sind auf der Suche nach der Leichtigkeit in ihrem Spiel, die anscheinend gerade nicht da ist. Aber es wäre fatal, sich darauf zu verlassen, dass das auch am Samstag so bleibt, denn das kann sich bei dieser Mannschaft auch schlagartig wieder ändern.“

Für den Westfalen ergibt sich aus den drei Enttäuschungen (!) kein Patentrezept. Augsburg, Hertha und Amsterdam seien zu verschieden, auch in ihren Vorgehensweise. „Wir müssen den Ansatz finden, der zu uns passt.“

Mut macht dabei das 2:2 in Wolfsburg vom vergangenen Spieltag. Zwar haben Kramer & Co. zwei Mal eine Führung aus der Hand gegeben. Doch nicht nur die vordergründig auffälligen Akteure wie Alassane Pléa als Torschütze und Gegentor-Vorbereiter deuteten eine neue Qualität an. Mittlerweile besitzt Hecking etliche Akteure, die zumindest in Niedersachsen bewiesen, dass sich seine Mannschaft auf dem Weg zu neuer Solidität befindet. Wie etwa Oscar Wendt, den aus großen Teilen der Fanschaft so bereitweilig und notorisch Kritisierten. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison konzentrierte sich der Schwede auf seinen defensiven Part. Und auf der anderen Seite (der Viererkette) überraschte Michael Lang mit einer Leistung als Rechtsverteidiger, die man nach so einer langen Verletzungspause nicht voraussetzen durfte.

Das Duo kann mit dieser Konzentration und Abgeklärtheit die bei der Hertha noch so durchlässigen Außenbahnen dichtmachen, was gegen Ribery und Robben oder wen auch immer gefragt sein wird. Man mag das für selbstverständlich halten für Verteidiger, doch das Anforderungsprofil dieser Spezies lautet schon seit Jahren eher nach „vorne wirken“. Und ein Bayern-Exemplar, das vorschnell zum legitimen Lahm-Nachfolger hochgejubelt wurde, zeigte unlängst bei der WM, zu welchen Problemen diese überzogene Ausrichtung führen kann. Joshua Kimmich also. Die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, ist aber kein individuelles Problem, sie wird auch die große Herausforderung für die Gladbacher werden. „Ich werde versuchen, meine Mannschaft so einzustellen, dass sie mutig auftreten, viel Leidenschaft zeigen und alles abrufen wird, was sie in den ersten Spielen dieser Saison gezeigt hat“, beschreibt Borussias Fußballlehrer.

Sein Unterricht zeigte zuletzt positive Effekte. Sowohl Thorgan Hazard als auch Patrick Herrmann scheinen das Lernziel „Defensiv-Arbeit für Stürmer“ erreicht zu haben. Und damit einen Beitrag zum „kollegialen“ Abwehrverhalten leisten zu können: Von ihren langen Läufen Richtung eigenes Tor und einer Vermännlichung ihrer Zweikampfführung profitierten beim VW-Klub gerade auch ihre Hintermänner Wendt und Lang. Die Helfer-Mentalität als ein Schlüssel zum möglichen Erfolg. Und dazu passt eine sich andeutende Rückkehr von Kapitän Lars Stindl: „Es kann sein, dass er in München im Verlauf des Spiels wichtig für uns wird“, sagt Hecking.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lang, Elvedi, Ginter, Wendt - Hofmann, Kramer, Zakaria - Herrmann, Pléa, Hazard

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