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Aachen: Kai Vorberg: „Immer professioneller werden“

Aachen : Kai Vorberg: „Immer professioneller werden“

Seine berufliche Entwicklung hat den gebürtigen Kölner Kai Vorberg, 33, nach Warendorf verschlagen. Er ist zweifacher Welt- und Europameister, vielfacher Deutscher Meister und hat den Voltigiersport in vielerlei Hinsicht revolutioniert. Im Interview spricht die Legende unter den Voltigierern über seine Aufgaben als Disziplintrainer in Warendorf und die Aussichten der deutschen Starter bei der Europameisterschaft.

Als Disziplintrainer des deutschen Kaders unterstützen Sie die Bundestrainerin Ursula Ramge.

Vorberg: Genau, wir arbeiten seit 2012 zusammen und ergänzen uns richtig gut. Ein Athlet braucht mal ein aufbauendes Wort von der Bundestrainerin, beim anderen macht es Sinn, dass ich aus meinem Erfahrungsschatz heraus Tipps gebe.

Wollten Sie immer ins Herz des deutschen Pferdesports, nach Warendorf?

Vorberg: Also wenn mir das vor vier Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal in Warendorf lebe . . . Da ist es sehr beschaulich. Wenn ich nach Köln zurückkomme, wundere ich mich immer über die vielen Autos. In Warendorf spricht man ja schon von Stau, wenn mal zwei Ampelphasen hintereinander rot sind. Nein, Spaß beiseite, das ist ja wirklich schön gelegen, und wenn ich Lust auf Stadt habe, fahre ich nach Münster oder Osnabrück.

Parallel sind Sie weiterhin Student?

Vorberg: Ja, ich absolviere ein Di-plomtrainer-Studium an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes. Also so etwas wie die Fußballlehrer-Lizenz beim DFB.

Wie sieht die Abstimmung in Ihrer Arbeit mit der Bundestrainerin zum Beispiel hier bei der EM aus?

Vorberg: Wir betreuen den Kader und das Training, kümmern uns um die Abläufe und den technischen Hintergrund, sprechen ab, wer vielleicht noch einmal welche Korrektur oder Ansprache benötigt. Das Ziel ist, dass wir immer professioneller werden.

Professionalisierung steht auch bei Ihrer dritten Beschäftigung neben Studium und Disziplintrainer im Mittelpunkt . . .

Vorberg: Richtig, ich bin für die Deutsche Reiterliche Vereinigung, das Deutsche Olympische Komitee für Reiterei und den Olympischen Sportbund an einem Projekt tätig, in dem es um die Leistungsdiagnostik beim Pferd geht. Momentan gibt es für den Pferdesport noch keine professionelle Herangehensweise an eine Datensammlung und -auswertung. Das läuft mehr über langjährigen Erfahrungsschatz und viel Gefühl. Unser Projekt soll Hilfen an die Hand geben, um aus einer Menge von gesammelten Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Schauen wir auf die EM. Wie sind die Aussichten der deutschen Starter?

Vorberg: Bei den Männern sind wir in der prominenten Situation, die dazu geführt hat, dass ein Vize-Europa- und Weltmeister wie Erik Oese gar nicht am Start ist. Da wird es für die internationale Konkurrenz schwer. Bei den Frauen ist das anders. Unsere Starterinnen haben im Verlauf der Saison nicht so oft wie gewollt auf den vorderen drei Plätzen gestanden. Es gibt acht bis zehn internationale Starterinnen, die alle reelle Chancen haben. Im Pas de Deux schicken wir zwei Paare, die einen sind Vize-Weltmeister, die anderen Weltcup-Sieger. Da sollte etwas drin sein. Unser Team, die Neusser, sind Titelverteidiger, Weltmeister, die haben ihr Ziel fest vor Augen. Aber auch die anderen Nationen sind stark, Neuss wird das nicht im Vorbeigehen schaffen.

(ust)