Aachen: Jill de Ridder: Mit dem „Herzenspferd“ beim Heimturnier

Aachen : Jill de Ridder: Mit dem „Herzenspferd“ beim Heimturnier

Den CHIO Aachen kennt sie von Kindesbeinen an. „Wir waren ja jedes Jahr hier. So richtig erinnern kann ich mich aber erst an die Besuche, als ich so zehn, elf Jahre alt war. Da habe ich mit meiner Freundin Autogramme geholt auf dem Programmheft — von Nadine Capellmann und Ulla Salzgeber.“ Jill de Ridder lacht bei der Erinnerung.

Heute wird sie selbst schon mal um ein Autogramm gebeten, wenn sie in den weißen Reithosen auftaucht. In Aachen, ihrem Heimturnier, wird die noch 25-Jährige erstmals in der Grand-Prix-Tour starten. Und auch die vor 15 Jahren angeschwärmte Capellmann ist am Start: Die Aachenerin stellt ihren Youngster Lagerfeld am Mittwoch im Prix St. Georges vor.

Für de Ridder, die 2007 Doppel-Europameisterin bei den Junioren wurde und 2010 Team-Gold bei den Jungen Reitern gewann, ist es der dritte Start in Aachen. Doch dieser Start toppt die beiden anderen. Die hübsche Amazone wird Whitney reiten, ihre zwölfjährige Stute, mit der sie schon 2014 hier gestartet ist und mit den Plätzen sieben und sechs im St. Georges und der Intermédiaire I einen guten Eindruck hinterließ. Nur ein weiteres Turnier ging die Stute danach, ehe sie langwierig an Hufproblemen laborierte. „Ich habe immer daran geglaubt, dass Whitney in den Sport zurückkehren wird, auch als zum Schluss kaum noch einer daran geglaubt hat“, sagt de Ridder. „2017 habe ich hier auf der Tribüne gesessen und gesagt: Nächstes Jahr will ich hier mit Whitney in der großen Tour reiten. Die meisten haben mich für verrückt gehalten, aber meine Mutter sagt immer: ‚Du musst ein Ziel haben und wenn es nur eine A-Dressur ist.‘“

Jill de Ridder hatte ein klares Ziel: Und im September, nach drei Jahren Zwangspause, meldete sich Whitney zurück. „Ich habe mein Jackett angezogen und bin kurzentschlossen beim Turnier der Familie Rueben in der M-Dressur geritten.“ Sie lacht: „Ich war im Genussmodus, war glücklich, habe mich gar nicht auf die Prüfung konzentriert.“ Zweite wurde sie trotzdem — für die 25-Jährige ein besonderer Moment, ist Whitney doch ihr „Herzenspferd“, wie sie selbst sagt.

Eigentlich hatte ihre Mutter, Team-Olympasiegerin Alexandra Simons-de Ridder die damals dreieinhalbjährige Stute gekauft, um sie auszubilden und weiterzuverkaufen. „Dann hat sie aber den Fehler gemacht und sie mir gezeigt“, sagt Jill de Ridder, die sich sofort in die schwarzbraune Schönheit verliebte. „Aber Whitney ist schon speziell, wie auch ihre Spitznamen zeigen: Golden Eye, Heilige Kuh oder Zimtzicke. Sie ist einfach ein Pferd mit Charakter, zeigt sofort, wenn sie jemanden nicht mag.“ Im Viereck sei sie griffig. „Ich muss ihr schon zeigen, dass ich die Reiterin bin“, sagt de Ridder lachend.

Drei Jahre Ausbildungszeit hat Whitney verloren, die sie im Winter schnell aufholte. „Ende des Jahres bin ich erstmals eine Intermédiare II geritten, im April den ersten Grand Prix.“ Das war bei den Aachen Dressage Days. „Nach einer hervorragenden Trabtour habe ich im Galopp das Reiten vergessen“, kritisiert die Blondine, die von Vater Ton, Mutter Alexandra und seit vergangenem Jahr auch von U 25-Bundestrainer Sebastian Heinze trainiert wird, sich selbst. Doch in München, Ranshofen oder im tschechischen Brno überzeugte die Stute mit vorderen Platzierungen im Grand Prix und im Spécial. „Luft nach oben haben wir aber immer noch.“

Das Ziel: eine gute Runde

Mittwoch, 16.45 Uhr, startet der Grand Prix der CDI-Tour — mit de Ridder. „Zu sagen, das ist mein Ziel und dann wirklich hier zu reiten, ist einfach toll“, sagt die 25-Jährige. Was sie nun erreichen will? „Dass meine Eltern und Sebastian sagen, es war eine gute Runde. Und mich dann vielleicht für die Flutlichtkür zu qualfizieren.“