Magdeburg/Aachen: Jessica Balogun verpasst ihre WM-Chance

Magdeburg/Aachen: Jessica Balogun verpasst ihre WM-Chance

Es ist nicht gut, wenn man aus der gegnerischen Ecke so viel Lob erfährt. Nicht hinterher, nach einem Boxkampf. Gegen Mitternacht aber konnte sich Jessica Balogun nicht mehr wehren.

Kaum ramponiert, aber auch kaum zufrieden, musste sie in der Nacht auf Sonntag im Presseraum einer Magdeburger Großarena mildtätig lobende Worte auf sich einprasseln lassen.<p> „Sie hat den Kämpferwillen“, sagte ihre Gegnerin Christina Hammer, „das haben wohl alle gemerkt“. Ihr Promoter Ulf Steinforth wollte gar „stolz auf beide Frauen“ sein, die da im Vorprogramm der Supermittelgewichts-WM zwischen Sieger Arthur Abraham und Robert Stieglitz um Hammers WM-Gürtel von WBO und WBF gekämpft hatten.

Es war keine schwere Übung für den Veranstalter und seine Vorzeige-Athletin aus Dortmund. Schließlich hatte Hammer diese zehn einseitigen Runden mit ihrer überlegenen Reichweite, klareren Treffern und guter Beinarbeit dominiert. Keiner der drei Juroren wollte „Sugar J“ danach auch nur einen Durchgang zusprechen. Dreimal 100:90 lautete das eindeutige Urteil für die alte und neue Doppel-Weltmeisterin.

Ihre Gegnerin war einfach „zu oft reingelaufen“ in diese Schläge, wie sie hinterher gestand, und dabei selbst kaum zu deutlichen Aktionen gekommen. „Ich hatte einen schlechten Tag“, gab Balogun zu.

So leicht wollte ihr Trainer Mario Guedes die Sache nicht abhaken. „Sie hat heute eine Riesenchance weggeschmissen“, ärgerte sich der Ex-Profi und ehemalige Deutsche Meister im Schwergewicht. Sechs Wochen lang hatte er seiner Athletin eine andere Strategie eingepaukt, sie wurde nur im Moment der Entscheidung nicht umgesetzt.

Auch in den Rundenpausen konnte der Trainer seine Kämpferin nicht erreichen, um sie umzustellen. So rannte Balogun in die dritte Niederlage ihrer Karriere (23 Siege), die gleichwohl noch Zukunft hat — wenn ein paar Dinge umgestellt werden.

(job)