Aachen: Ingrid Klimke hat Weg und Tempo genau im Kopf

Aachen : Ingrid Klimke hat Weg und Tempo genau im Kopf

Auf Partys wird man Ingrid Klimke am Freitagabend ganz sicher nicht antreffen. Nicht nur, dass sie die Geländestrecke vier bis fünf Mal zu Fuß abgeht, das letzte Mal am Morgen vor dem Ritt. Im Kopf macht sie das noch viel öfter.

Denn die Vielseitigkeitsreiter müssen sich im Cross Country in Sekundenbruchteilen entscheiden: Muss ich das Tempo anpassen? Welchen Weg wähle ich, besonders in den Hinderniskomplexen, die immer auch Alternativen bieten?

„Weg und Tempo passend zu machen, dafür ist der Reiter im Gelände zuständig. Den restlichen Job macht das Pferd“, schildert Klimke, die noch im Vorjahr den Preis von Aachen auf Hale Bob gewann. Auf „Bobby“, wie sie ihren 14-jährigen Oldenburger nennt, warten 25 Hindernisse, davon vier im großen Springstadion. Als Durchschnittsgeschwindigkeit sind 570 Meter pro Minute vorgegeben. So ist es möglich, die erlaubte Zeit einzuhalten. „Die Pferde erkennen die Turnierplätze wieder. Wenn ich Bobby hier auslade, ist für den klar, aha, wir sind in Aachen.“

Blumenbuketts mit Signalwirkung

Aus der Startbox heraus wartet zunächst ein für die Pferde in gelb-roter Farbe deutlich wahrnehmbarer Hoch-Weit-Sprung, der allerdings direkt „reell hoch ist“, wie Klimke beschreibt. Sprung zwei ist ein flüssiger Hoch-Weit-Sprung, der auch pferdefreundlich gebaut ist. Mit einem Click-System versehen, schiebt sich die Holzplatte weg, wenn das Pferd im Falle des Unfalls gegen das Holz trifft.

Klimke macht auf ihrer Tour durchs Gelände auch auf Kleinigkeiten aufmerksam, die dem normalen Betrachter vielleicht entgehen. Manche Blumenarrangements stehen durchaus nicht nur zu Dekozwecken an Ort und Stelle, sondern haben Signalwirkung. Etwa, dass das Pferd versammelt werden muss, da eine technische Aufgabe ansteht, oder dass ein zu schnelles Grundtempo aus gleichem Grund kritisch werden könnte. So etwa ein buntes Bukett vor Hindernis vier.

Wenn der Parcoursbauer keine solchen Signale eingeplant hat, muss sich der Reiter Orientierungspunkte suchen. Ingrid Klimke hat zum Beispiel die Masten eines nahen Sportplatzes als solche vorgesehen. „Wichtig ist, dass es keine flexiblen Punkte sind. Das wäre nämlich dumm, wenn der Punkt am Tag der Prüfung auf einmal weg ist...“

Neu ist der Deutsche Bank Komplex, das Hindernis zwölf, in der Fachsprache ein Eulenloch. „Das hat man länger nicht mehr gesehen, jetzt ist es wieder in Mode“, erklärt Klimke. Sie prophezeit, dass es für die Besucher sicher spannend sein wird, dort zuzusehen. „Da gibt es sicher ein paar Vorbeiläufer.“ Bundestrainer Hans Melzer ist ebenfalls gespannt, wie die Reiter diesen Komplex meistern.

Denn die Pferde müssen zuerst auf den Aufbau springen und nach einem weiteren Galoppsprung durch das eigentliche kreisrunde Eulenloch. „Nicht nur dieser Sprung, sondern der gesamte Komplex ist technisch sehr anspruchsvoll.“ Er macht seine Schützlinge ganz speziell auf die schmalen Hecken im großen Stadion aufmerksam. „Da muss die Konzentration stimmen, sonst geht da ganz leicht mal was schief.“

(red)
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