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Aachen: Hartwigs „good bye” beim NetCologne-Domspringen

Aachen : Hartwigs „good bye” beim NetCologne-Domspringen

Beim 3. NetCologne-Domspringen echauffierte sich Björn Otto noch. Jeff Hartwig hatte gerade bei seinem Satz über 5,70 Meter die Latte gerissen, sie im freien Fall mit all seiner Erfahrung aber wieder auf den Aufleger schieben können. „Das nicht zu ahnden, ist eine Frechheit den anderen Springern gegenüber”, wetterte Otto, der 2007 dennoch vor Hartwig siegte.

Am 24. September, bei der vierten Auflage des Domspringens, wird sich Otto nicht aufregen - er hat seine Saison mit Blick auf die WM 2009 in Berlin bereits beendet. Aber heute in drei Wochen wird sich auch sonst niemand aufregen, sollte Jeff Hartwig dieses Kunststückchen auf dem Katschhof noch einmal präsentieren.

Jeff Hartwig wird mehr oder weniger Narrenfreiheit haben zwischen Dom und Rathaus, Jeff Hartwig wird der Star des Abends sein, Jeff Hartwig wird der umjubeltste aller umjubelten Stabhochspringer sein - es ist Jeff Hartwigs Abend. Einen Tag vor seinem 41. Geburtstag wird der US-Amerikaner seine Karriere in Aachen vor sicherlich wieder 5000 Zuschauern beenden.

Einer der Größten seiner Sportart sagt good bye - und viele werden ihm die Ehre erweisen. „17, 18 Leute hätten wir locker verpflichten können, einige sogar ohne Gage”, sagt Michael Leers, Abteilungsleiter Leichtathletik bei Alemannia Aachen und mit Thomas Fischer der „Macher des Meetings”.

Doch mehr als zwölf, 13 Springer werden nicht an historischer Stätte die Höhenjagd in Angriff nehmen, mit einem Dutzend Athleten ist die Grenze erreicht. Natürlich sind die deutschen Asse fast komplett am Start - mit Ausnahme von Otto und Youngster Raphael Holzdeppe. Der Olympia-Achte fehlt aus einem simplen Grund: Der 18-jährige Abiturient muss am nächsten Tag zur Schule.

Da sein werden: Danny Ecker, Tim Lobinger, Lars Börgeling, Fabian Schulze, Richard Spiegelburg und der deutsche Jahresbeste Alexander Straub (5,81 m). Den Stab in die Hand nimmt auch Rens Blom, der niederländische Weltmeister von 2005, der nach einem verkorksten Jahr mit zwei Achillessehnen-Operationen und dem verpassten Olympia-Start „noch einmal Spaß haben will”. Zu bewundern sein wird bei freiem Eintritt auch der Franzose Jérôme Clavier, Siebter in Peking.

Gut möglich, dass auch Hartwigs Trainingspartner Derek Miles (4. bei Olympia) und Brad Walker (USA) zum „Good Bye” Anlauf nehmen. „Die Verhandlungen laufen”, sagt Leers. Walkers „Salto Nullo” bei den Olympischen Spielen haben den Weltranglisten-Ersten billiger werden lassen, der mit Leers aber noch um ein Flugticket feilscht. „Aber nicht mit uns, das Angebot steht”, sagt der Alemanne, der ein Budget von gut 100.000 Euro zur Verfügung hat.