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Eupen: Großes Spektakel am Eupener Kehrweg

Eupen : Großes Spektakel am Eupener Kehrweg

Es war ein Interview, das wie die Faust aufs Auge zu den bisherigen Auftritten der KAS Eupen passte: rotzfrech und unbekümmert. Nur wenige Augenblicke nachdem der Aufsteiger am 7. Spieltag mit 2:3 auf dem Feld von Meister Club Brügge verloren hatte, machte Henry Onyekuru, ein 19-jähriger Nigerianer, der seine zweite Profisaison spielt, keinen Hehl daraus, dass er sich vom Potenzial her in der Champions League sieht — gemeinsam mit seiner ostbelgischen Mannschaft wohlbemerkt.

„Wir wollen das Maximum erreichen und es in die Top 5 schaffen. Wir haben eine Mannschaft für die Champions League“, so der Flügelspieler.

Erfolgscoach: Jordi Condom.
Erfolgscoach: Jordi Condom.

Spätestens nachdem Onyekuru — mit sieben Treffern der torgefährlichste Spieler der KAS — seine Zukunftspläne in eine Liveübertragung posaunte, müsste man sich eigentlich fragen, was ein Spieler in seinem Alter ausgerechnet in Eupen zu suchen hat. Aber man tut es nicht. Und das tun wohl auch die meisten Fans der KAS Eupen, deren klares Ziel der Klassenerhalt ist, nicht mehr oder haben inzwischen wieder damit aufgehört.

Vor vier Jahren übernahm die katarische Aspire Academy den finanziell ruinierten belgischen Zweitligisten. Auch mit dem Ziel, junge und zum Teil hochtalentierte Fußballspieler in den Weltfußball zu katapultieren. Das einzige Problem: Für den ganz großen Sprung hat es bislang bei keinem einzigen Kicker gereicht. Doch genau das könnte sich nun ändern.

Denn wer nach Gründen sucht, wie es die KAS Eupen schaffen konnte, Gegner wie KAA Gent oder zuletzt Meister Club Brügge zu besiegen und gegen den RSC Anderlecht zu punkten, kommt an drei afrikanischen Spielern nicht vorbei: Henry Onyekuru (19), Amani Lazare (18) und Eric Ocansey (19). Die drei Offensivspieler, die mit ihren Leistungen dafür sorgen, dass sich selbst ausländische Spielerbeobachter die Klinke in die Hand geben.

Zuletzt wurde unter anderem über ein Interesse von Bundesligist RB Leipzig an einer Verpflichtung von Henry Onyekuru berichtet. Dass ein Wechsel schon im kommenden Sommer zustande kommt, ist jedoch schon alleine wegen der langfristigen Verträge der afrikanischen Spieler unwahrscheinlich. Von einem vielleicht vorschnellen Transfer riet selbst KAS-Kapitän Luis Garcia, seinerseits ehemaliger spanischer Nationalspieler und Profi von Espanyol Barcelona, ab: „Unsere jungen Spieler haben sicherlich Talent, keine Frage. Aber sie müssen jetzt ruhig und geduldig bleiben. Denn wenn es nach dem ersten großen Transfer nicht klappt, ist es verdammt schwer, den einen Schritt wieder zurückzumachen.“

Onyekuru, Lazare und Ocansey: Alle drei wurden von Aspire ausgebildet. Und alle drei wurden im Alter von 18 Jahren in Eupen mit ihrem ersten Profivertrag ausgestattet und sind mitverantwortlich dafür, dass bei Spielen der KAS und ihrem fast überfallartigen Offensivfußball vor allem eines geboten wird: Spektakel.

Langeweile ist in dieser Saison ein Fremdwort am Kehrweg. Zuletzt warf der Aufsteiger in einer hochdramatischen Partie Meister Club Brügge aus dem Pokal. Ein Tor in der 95. Spielminute hatte dafür gesorgt, dass die KAS zum ersten Mal in ihrer Geschichte in das Viertelfinale einzog (Gegner ist am kommenden Dienstag, 20.30 Uhr, KV Kortrijk) und deshalb sogar Chancen auf einen Startplatz in der Europa League hat.

Alleine bei den bislang acht Heimspielen der Eupener fielen 35 Tore. Dass dabei aber 18 Mal der Gegner jubeln durfte, ist das vielleicht größte Problem des Aufsteigers, der mit insgesamt 39 Gegentreffer in 17 Spielen die von den Zahlen her schlechteste Defensive der Liga stellt. Kaum Schuld an dieser Tatsache trifft Peter Hackenberg. Im letzten Jahr war der Ex-Aachener einer der Schlüsselspieler am Kehrweg, in dieser Saison kommt er erst auf sieben Einsätze. Während seine Mannschaft aus bislang 17 Spielen 16 Punkte holte und auf dem 12. Tabellenplatz steht, sah er meistens von der Reservebank aus zu. Zuletzt durfte der Innenverteidiger über 90 Minuten im Pokal ran — und überzeugte. Am Samstagabend wird Hackenberg mit großer Wahrscheinlichkeit wieder in der Anfangsformation stehen.

Dann trifft seine Mannschaft auf Sporting Charleroi. Das Bild vom kleinen David, der es erneut mit Goliath aufnehmen will, wird auch dann nicht lange auf sich warten lassen. „Wir sind in der 1. Liga so etwas wie der kleine Boxer, der die großen Gegner zumindest ärgern will“, hatte der spanische Cheftrainer Jordi Condom vor dem Saisonstart versprochen. Er sollte recht behalten.