Mönchengladbach: Gladbach muss sich selbst überwinden

Mönchengladbach : Gladbach muss sich selbst überwinden

Es gab Zeiten, in denen man pfleglich darüber spekulieren konnte, ob für Borussia Mönchengladbach der anstehende Gegner in der Fußball-Bundesliga ein geeigneter oder ungeeigneter sei. Das ist Vergangenheit, derlei Überlegungen verbieten sich spätestens am 23. Spieltag mit der Partie gegen Borussia Dortmund. Klar ist: Der stärkste Gegner der Hecking-Elf ist sie selbst.

Die niederrheinische Borussia hat sie alle gehabt: die spielerisch starken wie Leverkusen, die Bad Boys aus Frankfurt, die Umschaltweltmeister aus Leipzig, die Minderbemittelten aus Stuttgart, die Renn-Monster aus Freiburg, und auch den am Boden liegenden Erzrivalen aus Köln. Probleme gab es mit allen, Niederlagen gegen alle obendrein. Und auch die fußballerischen Diagnosen sind so breit gestreut wie die Vereine: mal mangelte es an defensiver Stabilität, mal und am häufigsten an offensiver Durchschlagskraft, zuletzt am liebsten beides zusammen, häufig kam die Hecking-Elf nicht mit einem extremen Pressing zurecht, um im folgenden Spiel den Abwehrriegel einer sich verschanzenden Mannschaft nicht knacken zu können, mal überboten sich die Gladbacher Protagonisten darin, auf alle erdenklichen Arten Großchancen zu versemmeln.

Was also sagt man nun zu einer Aufgabe wie die westfälische Borussia, die obendrein ihre eigene Krise peu à peu erfolgreich zu beenden scheint? Wie wär's mit: „Es sind kleine Dinge, die verändert werden müssen.“ Das sagt Dieter Hecking. Und: „Ich habe ausreichend Erfahrung, mit kritischen Situationen umzugehen. Ich bin kein Freund von blindem Aktionismus, nur um irgendetwas nach außen zu rechtfertigen.“

Erst recht nicht, wenn der große Hoffnungsträger erneut nicht gesetzt ist: Raffael ist immer noch nicht beschwerdefrei. Doch die Reduzierung auf die eventuelle Rückkehr des Brasilianers in die Startelf wird nicht reichen, das weiß auch der 53-jährige Fußballlehrer zu genau. Er muss an zwei Stellschrauben drehen: die eine beeinflusst die Mentalität seiner Spieler.

Die muss endlich zu mehr Überzeugung in den Angriffs- und Torabschlussaktionen führen. Die andere muss einen taktischen Rahmen speisen, der sein Team zu einem Maximum an Stabilität, Konzentration und Risikobereitschaft führt und die größte Chance garantiert, gegen den Revierklub zu punkten, der (noch) nicht in der Form des Hinspiels ist. „Man hat auch gesehen, dass Dortmund nach wie vor Phasen im Spiel hat, wo sie noch nicht wieder diese Dominanz haben wie am Anfang der Saison. Aber wir dürfen ihnen keine Räume geben, denn das Umschaltspiel ist nach wie vor gut.“

Womöglich hilft auch eine kurze Frage in der Kabine, die vom Charakter her leicht martialisch und antiquiert daherkommt: „Wollt ihr euch nicht für die 1:6-Blamage im Hinspiel rächen?!“

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Jantschke - Hazard, Kramer, Zakaria, Grifo - Raffael, Stindl

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