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Mönchengladbach: Gelingt es Gladbach, die weiße BVB-Weste zu besudeln?

Mönchengladbach : Gelingt es Gladbach, die weiße BVB-Weste zu besudeln?

Der Traum von einem sechsten Spieltag: Nur der Fußball steht im Mittelpunkt, nicht die virtuelle Nebenwelt auf den Monitoren, die das wirkliche Geschehen peu à peu überwuchert. Das sogenannte Borussen-Duell am Samstagabend (18.30 Uhr) wäre beispielhaft für eine Partie, die mehr spannende Aspekte liefert als ein Laptop-Trainer unterschiedliche Spielsysteme.

Etwa die Fragen: Ist Dortmunds Zu-Null-Qualität stark genug, um auch am sechsten Spieltag zu bestehen? Muss Mönchengladbach befürchten, von einer Mannschaft, die besser drauf ist als je zuvor, wieder mal vermöbelt zu werden? Hat die Mannschaft von Dieter Hecking dauerhaft die Balance zwischen Defensive und Offensive gefunden? Und vor allem: Gelingt es Raffael & Co. den Hebel an der womöglich einzigen Schwachstelle anzusetzen, die das extrem offensiv ausgerichtete Spielsystem des neuen BVB-Trainers Peter Bosz auch schon während seiner Erfolgsära bei Ajax Amsterdam zeigte: der Defensive?

Hecking glaubt daran: „Sie verteidigen sehr hoch und geben sehr viele Räume nach hinten. Das ist natürlich ein Ansatz für uns.“ Dieses Paket platzt also förmlich vor spannenden Inhalten, was beweist, dass die Bundesliga heuer attraktiver denn je ist — wenn man sich denn aufs Kerngeschäft, das früher mal ein Spiel war, konzentriert.

Welch schöne irreale Welt! Denn diese Ausführungen ignorieren die einzig relevante Fragestellung für die schwierige Aufgabe der Gladbacher beim BVB: Wird Matthias Ginter jubeln, wenn er sein erstes Tor für die niederheinische Borussia ausgerechnet gegen seinen alten Klub, der westfälischen Borussia erzielt? Das Ziel ein jeder humanistischen Berichterstattung muss es sein, den Leser, den Fan und den lesenden Fan davor zu bewahren, sich in den Stunden bis zum Anpfiff das Hirn über die wahre Liebe des inzwischen bereits so wertvollen Innenverteidigers zu zermartern. Hier also die — sensationelle — Lösung: Ginter würde nicht jubeln, aber sich freuen! Potzblitz!

Einer ähnliche Konstellation — nur umgedreht — entkommt Gladbach diesmal: Marco Reus. Der ehemalige Gladbacher hat nach seinem Kreuzbandanriss im Pokalfinale gerade erst die ersten sechs Wochen seiner Reha absolviert. Aber Pierre-Emerick Aubameyang und auch Neuzugang Andrey Yarmolenko sind würdige Vertreter, um das Gladbacher Abwehrnetz auf seine Reißfestigkeit zu überprüfen.

Fehlen wird bei diesem Stresstest weiterhin Torhüter Yann Sommer, dessen Knieverletzung noch nicht ausgeheilt ist. Mittelfeldspieler Christoph Kramer schafft es nur dank eines Hilfsmittels: Nachdem beim 26-Jährigen statt einer Schädelprellung ein Nasenbeinbruch festgestellt wurde, ist sein Einsatz nur mit Gesichtsschutz möglich. „Wenn ihn die Maske nicht behindert, wird er auch spielen“, sagt Hecking. Wichtig, denn gemeinsam mit Denis Zakaria verkörpert er die neue Balance.

Voraussichtliche Aufstellung: Sippel - Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt - Herrmann, Kramer, Zakaria, Johnson - Stindl, Raffael

(bsc)