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Köln: Geburtstag des kölschen Originals: Hans Schäfer fühlt sich nicht als Held

Köln : Geburtstag des kölschen Originals: Hans Schäfer fühlt sich nicht als Held

„Bozsik, immer wieder Bozsik. Der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball, verloren diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt! Toooor! Tooor! 3:2 für Deutschland!“

Man kann das abgedroschen finden, diesen legendären Kommentar an den Beginn einer Geschichte über Hans Schäfer zu stellen. Von jenem Juli-Tag in Bern 1954, WM-Endspiel Deutschland gegen Ungarn. Aber viel mehr Erinnerung als die Worte von Radiomann Herbert Zimmermann geht eben nicht. Herausgeschrien und markant geformt sind sie Teil des nationalen Bewusstseins. „Ich kann mich an alles gut erinnern, die Bilder sind sofort wieder da“, sagte Horst Eckel am Mittwoch, als wir ihn in seiner Heimat Kaiserslautern am Telefon erreichen.

Humorvoll und uneitel: Hans Schäfer.
Humorvoll und uneitel: Hans Schäfer. Foto: dpa

Eckel und Schäfer — sie sind die beiden letzten Überlebenden aus den Kadern der Endspielteilnehmer. Erst vor wenigen Tagen ist mit Joszef Toth der letzte ungarische Vizeweltmeister im Alter von 88 Jahren verstorben. Hans Schäfer, das kölsche Original, feiert am Donnerstag seinen 90. Geburtstag.

Schäfer hat sich zurückgezogen. Er lebt im Kölner Stadtteil Lindenthal, äußert sich seit Jahren kaum öffentlich. Nur dem „kicker“ gönnte er einen Einblick in seine Welt. Danach ließ seine Familie über den FC die Bitte verbreiten, „keine Interviewwünsche an ihn heranzutragen“.

Auch den Ehrentag will er nicht groß zelebrieren. „Wir feiern im engsten Kreis und werden das eine oder andere Fässchen Kölsch köpfen“, sagt Schäfer, passionierter Kölschtrinker. „Aber am Abend wird der Fernseher angemacht. Der FC soll mich an meinem Geburtstag mit einem Sieg beschenken.“ Die Kölner spielen am Abend in der Europa League bei Bate Borissow in Weißrussland.

105 wolle er werden, hat Schäfer gesagt. „Ich habe noch viel vor.“ Diese Aussagen seien „typisch Hans“, findet Eckel, der 1954 Zimmernachbar (Zimmer 301) Schäfers im Hotel Belvédère in Spiez war: „Immer vorausschauend und mit typisch rheinischem Humor.“

Kontakt wieder aufgenommen

Das Verhältnis der beiden ist nach jahrelanger Funkstille wieder freundschaftlich. „Probleme gibt es immer mal im Leben“, sagt Eckel. „Hans und ich hatten aber keinen Streit. Schon damals wurde viel geschrieben. Nur weil es zwischen uns auch mal lauter wurde, waren wir doch nicht gleich zerstritten. Ich werde der Erste sein, der ihn anruft und zu seinem ganz besonderen Geburtstag gratuliert.“ Eckel selbst ist 85 Jahre alt. Mit Schäfer verbindet er viel Gutes. „Hans war nicht nur ein sehr guter Fußballer, er ist auch immer für die Mannschaft und jeden Kameraden da gewesen. Er hat überall geholfen, ein Nein war für ihn ein Fremdwort.“

Was Schäfer und Eckel eint, ist die Ablehnung des Personenkults um die „Helden von Bern“. „Es ist doch kein Heldentum, wenn ich ein Spiel gewinne, und sei es eine Weltmeisterschaft“, sagte Schäfer 2006 der „Zeit“. Und ein Wunder sei es auch nicht gewesen: „Im Sport haben Außenseiter immer eine Chance. Wir haben sie genutzt, daran ist nichts Übernatürliches.“

Wegen dieser Einstellung sei „De Knoll“ (der Dickkopf) „ein Vorbild, von dem ich meinen Spielern gerne erzähle“, sagt DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch. Für FC-Präsident Werner Spinner ist Schäfer „das größte Fußball-Idol unserer Stadt“ und „eine der größten Legenden des deutschen Fußballs“. Als Schäfer noch die Fäden zog, war der FC das „Real Madrid des Westens“. Weiße Trikots, eine feine Adresse im deutschen Fußball. 1962 führte er die Kölner zum Meistertitel, 1964 gelang dasselbe in der ersten Bundesligasaison. 1963 wurde Schäfer Deutschlands Fußballer des Jahres.

Weniger präsent als Eckel

Unvergessen bleibt er aber vor allem wegen jenes Spiels am 4. Juli 1954 im Wankdorfstadion von Bern. Seinerzeit mit Horst Eckel, der noch deutlich präsenter ist als Schäfer. „Warum er sich zurückgezogen hat? Es reicht ihm eben, wenn er sein Leben zu Hause genießen kann“, sagt Eckel uns. „Ich gehe halt gerne mit meiner Frau ein wenig spazieren und bin auch bei den meisten Spielen des 1. FC Kaiserslautern noch im Stadion“, so Eckel. „Hans hat halt zurückgeschaltet und ist froh darüber.“