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Senderechte für die Bundesliga: Rechteausschreibung ist spannend wie der Titelkampf

Senderechte für die Bundesliga : Rechteausschreibung ist spannend wie der Titelkampf

Die DFL will die Erlöse aus der TV-Vermarktung der Bundesliga auf mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Saison steigern. Für die Fußballfans droht ein Streaming-Wirrwarr.

Einst galt Fußball als schönste Nebensache der Welt. Mittlerweile ist die Nebensache ganz schön teuer geworden, zumindest für die Anbieter von Bewegtbildern: Soeben hat die Ausschreibung der Senderechte für die Bundesliga-Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 begonnen.

Die Deutsche Fußball-Liga hofft auf Einnahmen in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Saison. Das Angebot besteht aus vier Paketen, die unter anderem zum Beispiel die Samstagskonferenz (Paket A), die Einzelspiele samstags um 15.30 Uhr (B), die Topspiele samstags um 18.30 Uhr (C) oder die Freitags- und Sonntagsspiele (D) enthalten. Weil das Kartellamt untersagt hat, dass ein Unternehmen alle Pakete kaufen kann, werden Fußballfans, die Zugang zu jedem Spiel haben wollen, mindestens zwei Verträge abschließen müssen. Die Frage, wer am Ende das Rennen macht, verspricht ähnlich spannend zu werden wie der aktuelle Titelkampf.

Platzhirsch Sky

Deutschlands ältester Bezahlsender steht unter Zugzwang. Die Streaming-Konkurrenz von DAZN hat das Pay-TV bereits beim Kauf der Champions-League-Rechte (ab 2021/22) ausgebootet. Sky zahlt schon jetzt für die Bundesliga die enorme Summe von 900 Millionen Euro pro Saison, wird aber wohl noch was drauflegen müssen, denn einen weiteren Rückschlag kann sich die Plattform nicht leisten: Die Bundesliga ist für viele der rund fünf Millionen Kunden der einzige Grund, das Einstiegs-Abo von aktuell 24,99 Euro pro Monat abzuschließen.

Was für den Zuschlag spricht: Anders als die Mitbewerber DAZN und Amazon wird Sky über Kabel und Satellit verbreitet und kann daher einen ruckelfreien Empfang garantieren; das ist auch für die DFL kein ganz unwichtiges Argument. Den Interessenvertretern von Erster und Zweiter Liga mag es in erster Linie ums Geld gehen, aber den Zorn vieler Fußballfans aus Regionen ohne belastbaren Internet-Zugang will der Ligaverband vielleicht doch nicht riskieren. Was gegen den Zuschlag spricht: Sky gehört seit 2018 zu Comcast. Den Aktionären des amerikanischen Medienkonzerns werden deutsche Befindlichkeiten eher gleichgültig sein, sie wollen Gewinne sehen; und kaufmännisch lassen sich die teuren Bundesligarechte kaum rechtfertigen.

Senkrechtstarter DAZN

Der erst im Sommer 2016 gegründete britische Streamingdienst ist so etwas wie der neureiche Emporkömmling in der Medienlandschaft. Das Angebot umfasst schon jetzt Champions- und Europa-League sowie dank eines Deals mit Eurosport alle Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga. Allerdings ist die Kasse seit dem Erwerb der Königsklasse, die ab 2021/22 mit Ausnahme jeweils eines Dienstagsspiels exklusiv bei DAZN läuft, nicht mehr gut gefüllt; die Einnahmen des Streamingportals sind bei geschätzten zwei Millionen Kunden und Abokosten von 11,99 Euro pro Monat längst nicht so üppig wie bei Sky.

Und noch eins spricht gegen DAZN: Die Nutzung ist zwar sehr verbraucherfreundlich, aber es macht einfach keinen Spaß, Fußballspiele auf dem Tablet anzuschauen. Erst recht nicht, wenn aus dem Bewegtbild ein Standbild wird. Gut möglich, dass DAZN und Sky eine Partnerschaft eingehen, die sowohl die Bundesliga wie auch die Champions League umfasst.

Ressourcenkönig Amazon Prime

Das Online-Versandhaus ist der große Unbekannte im Poker um die Medienrechte. Schon der Einstieg in die Champions League war eine Überraschung: Ab Herbst 2021 zeigt Amazon jeweils ein Topspiel am Dienstag. Im Reigen der Konzerne sind die Amerikaner mit Abstand der Wettbewerber mit den größten Ressourcen. Die Bundesliga wäre allerdings nur Mittel zum Zweck: Auch bei der Produktion deutscher Serien („You Are Wanted“) geht es Amazon letztlich um Kundenbindung. Prime-Mitglieder zahlen 69 Euro pro Jahr, müssen dafür aber keine Versandgebühren entrichten, wenn sie auf dem Amazon-Marktplatz einkaufen.

Weitere Wettbewerber

Die sonstigen Giganten aus dem Bewegtbildgewerbe haben den deutschen Markt und damit auch die Bundesliga im Blick; die Frage ist nur, ob sie auch aktiv werden. Am 24. März wird Disney auch hierzulande seinen neuen Streamingdienst Disney+ starten. Der größte Unterhaltungskonzern der Welt ist bereits gut aufgestellt, könnte sich die Bundesligarechte aber locker leisten. Anders als Amazon hat man bei Disney zudem eine große Affinität zum Sport: Zu den vielen Konzerntöchtern gehört auch der einst durch den NFL-Football groß gewordene Sportsender ESPN. Theoretisch zählt auch Apple mit seinem Dienst Apple TV+ zum Kreis der Interessenten, aber das scheint weniger realistisch als ein Mitbieten der Deutschen Telekom, die bereits die Rechte an der EM 2024 besitzt.

Die „alten Damen” ARD und ZDF

Die DFL macht keinen Hehl daraus, dass sie ARD und ZDF als verlässliche Partner schätzt. DFL-Chef Christian Seifert hat zwar kürzlich etwas süffisant angemerkt, die „Sportschau“ stehe nicht unter Artenschutz, aber die Zusammenarbeit würde er wohl gern fortsetzen; es sei denn, andere wären bereit, für die zeitnahe Zusammenfassung am Samstagabend mehr als die aktuell 130 Millionen Euro zu zahlen, die für die ARD wohl auch die finanzielle Schmerzgrenze darstellen. Die RTL-Gruppe hat für den Sender Nitro gerade erst erneut viel Geld in Fußball investiert und sich neben den Rechten an der Europa League auch von 2022 bis 2024 die Übertragung der Europa Conference League gesichert. Auch die ProSiebenSat.1-Gruppe mischt noch mit und hält aktuell etwa die Übertragungsrechte für die EM-Qualifikationsspiele der U21-Fußball-Nationalmannschaft.