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Public Viewing: Fußball-Fans blicken Richtung Europameisterschaft

Public Viewing : Fußball-Fans blicken Richtung Europameisterschaft

Die Fußball EM ist in Sichtweite. Die Corona-Situation hat sich verbessert. Wie werden die Fans die Spiele verfolgen und feiern können? Ein Rundblick in den Nordkreis.

Im deutschen EM-Song singen Johannes Oerding und Wincent Weiss über die „Guten Zeiten“. Ob das ab dem kommenden Freitag, wenn die Fußball-Europameisterschaft 2021 steigt – die übrigens von der UEFA offiziell noch nach dem ursprünglichen Austragungsjahr 2020 „EURO 2020“ benannt ist – auch bei uns im Nordkreis „Programm“ sein wird, bleibt abzuwarten. Denn der Werberummel rund um das Event ist, angefangen von den Sammelbildchen über die EM-Wurst bis zum passenden Durstlöscher eher noch überschaubar. Und auch das Thema Public Viewing wird es gar nicht oder in reduzierter oder veränderter Form geben.

Wer erinnert sich da beispielsweise nicht gerne an die Weltmeisterschaft 2014 oder die Europameisterschaft 2016, als der Bereich rund um den Cinetower in Alsdorf zu einer wahren Fanmeile wurde. „Rudelgucken“ und abfeiern waren da mächtig angesagt, und die guten Leistungen der deutschen Mannschaft taten dazu ja ihr Übriges. Nun ist der Optimismus bei den Fans überschaubar, und das gemeinsame Schauen der Spiele auf der Riesenleinwand am Cinetower wird es zu Coronavirus-Zeiten nicht geben können. „Wir werden die EM nicht im Rahmen von Veranstaltungen begleiten, denn wir möchten uns aktuell auf das Kerngeschäft Kino und Gastronomie konzentrieren“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Stürtz. Grundsätzlich, so sagt Anne Koerner vom Ordnungsamt der Stadt Alsdorf, sei man bereit, auch zur EM Hygienekonzepte der Gastronomie zu prüfen und zu schauen, was möglich sei. An den Spieltagen ist in Alsdorf der Spätdienst des Ordnungsamtes indes wie gewohnt im Einsatz.

In der Gaststätte „My Way“ an der Kleikstraße in Herzogenrath wird das Thema Fußball traditionell großgeschrieben, sei es als Vereins-Gaststätte des SuS Herzogenrath oder als Heimat von Borussia-Mönchengladbach- und anderen Fanclubs. Zur EM werden die Spiele entsprechend der Gäste-Wünsche gezeigt, wobei nach Worten von Inhaber Daniele Schwarz voraussichtlich die Spiele der deutschen und der niederländischen Mannschaft besonders gefragt sind. „Es wird sicherlich keine Hully-gully-Partys geben, sondern die Möglichkeit, die Spiele entsprechend der Abstandsregeln an festen Tischen im Saal zu verfolgen“, sagt er und empfiehlt eine Reservierung unter lopschi@googelemail.com oder Tel. 02406/665185. Beim Ordnungsamt wird es nach Worten von Leiter Harmut Fries bei Bedarf anlassbezogene Einsätze geben. „Wir haben die Spiele mit deutscher Beteiligung im Auge und werden dann unterwegs sein“, sagt er.

 Vorfreude: Gastronom Willi Köhnen-Kratz serviert den Fußballfans Stefan Latten, Norbert Hilger und Sven Hohenbild schon mal ein Bier. 
Vorfreude: Gastronom Willi Köhnen-Kratz serviert den Fußballfans Stefan Latten, Norbert Hilger und Sven Hohenbild schon mal ein Bier.  Foto: MHA/Günther von Fricken

„Europameister U21. Freut Euch jetzt auf das Burg-Viewing zur EM“, lädt Gastronom Willi Köhnen-Kratz bei den Spielen der deutschen Mannschaft und den Finalspielen zur Baesweiler Burg ein. Er hat ein Gastro-Konzept erarbeitet, das eine Unterteilung in drei Bereiche vorsieht. So können Fans die Spiele entweder in der Scheune auf einer 30 Quadratmeter großen Leinwand per Beamer verfolgen oder an Fernsehgeräten im Bistro beziehungsweise im Innenhof der Burg. Das alles coronakonform an Tischen, wobei es beispielsweise in der Scheune von den aktuellen Inzidenzwerten abhängt, ob auch eines der drei „G“ vorzuweisen ist (geimpft, genesen, getestet). Für alle drei Areas können ab sofort Tickets bestellt werden unter der E-Mai-Adresse fussball@loewenherz-baesweiler.de.

Willi Köhnen-Kratz legt großen Wert darauf, dass es bei dieser EM nicht das sonst bei ihm gewohnte Public Viewing geben kann und diesmal auch nur ein Drittel der Platz-Kapazität genutzt wird. „Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Schauen der Spiele und kein Party-Event. Es wird an den Tischen bedient, und so kann es auch kein Schlangestehen geben“, sagt er. Dennoch würde er sich freuen, wenn die Besucher zu den Spielen im Fan-Outfit kommen.

Baesweilers Ordnungsamtsleiter David Schreier stellt heraus, dass sein Team zur EM so aufgestellt sei, dass Kontrollen im öffentlichen Raum möglich seien. „Wir sind ja immer noch in einer Pandemie, und es müssen neben den Corona-Regeln auch die Zeiten der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr eingehalten werden, das heißt, die Lautstärke sollte dann reduziert werden“ sagt er. Wobei es für die Ordnungsämter schwierig sei, private Feiern oder Partys zu unterschieden, weil da der Übergang durchaus fließend sei, wenn beispielsweise ein Tor fällt und gejubelt wird. „Wir hoffen da noch auf konkretere Vorgaben vom Land NRW“, sagt er weiter.

Bis zur Fußball-Europameisterschaft ist nach Worten von Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen, im Rathaus noch mit weiteren (privaten) Anfragen zu rechnen, zum Beispiel im Sinne von „Mit wie vielen Freunden kann ich im heimischen Garten schauen?“, nicht jedoch mit größeren, öffentlichen Veranstaltungen, wie diese aus den Vorjahren, etwa auf dem Gelände der Feuerwehr, bekannt seien. „Die Thematik Public Viewing ist so abschließend nicht in der aktuellen Verordnungslage berücksichtigt“, schildert er den Stand der Dinge. Sollte es zu Beschwerden bei der Übertragung der Spiele im (Nah-)Bereich von gastronomischen Einrichtungen geben, so werde diesen vom Ordnungsamt im Rahmen der Möglichkeiten nachgegangen. Es erfolge vor Ort „eine Abwägung der widerstreitenden Interessen und eventuell erforderlicher Maßnahmen“. Schaffrath: „Wie immer wird dabei im Einzelfall unter Abwägung von Punkten wie der örtlichen Verhältnisse, der Uhrzeit, aber auch der Bedeutung einer Europameisterschaft als Sportevent von nationaler Bedeutung nachgegangen.“

 Jasmin Engel, Fußballerin beim Kohlscheider BC, sieht Frankreich als Turnierfavorit.
Jasmin Engel, Fußballerin beim Kohlscheider BC, sieht Frankreich als Turnierfavorit. Foto: Engel

Die Aachener Polizei, so Polizeihauptkommissar Frank Plum von der Pressestelle, kenne die Problematik von vergangenen Großveranstaltungen (WM 2018), habe die Einsatzlagen im Blick und sei vorbereitet. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben nach seinen Worten gezeigt, dass Fußballgroßveranstaltungen wie die anstehende Europameisterschaft häufig Anlass für Autokorsos nach einem Spielende sein könnten. „Ein solcher ist grundsätzlich nicht verboten, allerdings kommt es dabei immer wieder vor, dass aufgrund der guten Stimmung und der ausgelassenen Feierlaune die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung missachtet werden. Typische Bilder sind die übermäßige Straßennutzung, grundloses Hupen, Missachtung der Anschnallpflicht, Herauslehnen aus dem fahrenden Pkw oder Missachtung von roten Ampeln“, so Plum weiter. Die Aufgabe der Polizei sei es, für die Verkehrssicherheit Sorge zu tragen und bei solchen, teilweise auch gefährlichen Situationen, konsequent einzuschreiten. „Nicht nur die Regeln der Straßenverkehrsordnung, sondern auch die der Corona-Schutzverordnung müssen in Pkw weiterhin beachtet werden“, sagt Plum abschließend.

Sportlich gesehen sind die Fans gespannt auf das erste Spiel der deutschen Mannschaft am kommenden Dienstag gegen Frankreich. So auch zwei Profi-Fußballer aus dem Nordkreis, die beim Regionalligisten FC Wegberg-Beeck gespielt haben bzw. spielen werden. Bei FC-Neuzugang Denis Schütte aus Alsdorf-Begau ist die Vorfreude auf die EM riesig, zumal beide seiner Nationen (Deutschland und Kroatien) im Turnier dabei sind und er sich wünscht, dass beide möglichst weit kommen. „Auch wenn es im letzten Jahr nicht einfach für die Deutschen war, ob sportlich oder auch abseits des Platzes, darf man sie nie abschreiben, zumal alle Gruppenspiele vor heimischem Publikum in München gespielt werden. Dies wird der Mannschaft sicherlich einen Extra-Boost geben, vor allem nach den unzähligen Spielen ohne Fans“, sagt der Defensivspieler. Als klaren Gruppenfavoriten und auch Turnierfavoriten sieht er aber Frankreich, sowohl aufgrund der Art, wie das Team Fußball spielt, als auch wegen der Qualität des Kaders, der mit Abstand der stärkste im ganzen Turnier sei.

 Profifußballer Denis Schütte lebt im Nordkreis ...
Profifußballer Denis Schütte lebt im Nordkreis ... Foto: MHA/Günther von Fricken

Stürmer Jannick Mause aus Baesweiler-Setterich freut sich darauf, durch die Corona-Lockerungen mit möglichst vielen Leuten die Spiele verfolgen zu können. Er glaubt, dass es Deutschland schwer haben wird, und sich vieles bereits im ersten Spiel gegen Frankreich entscheidet. „Wenn man gewinnt, kann das Team ins Laufen kommen und wieder mehr Selbstbewusstsein bekommen, wenn man verliert, ist das deutsche Team gegen Portugal bereits unter Zugzwang, und das wird dann schwer“, findet Mause, der aber denkt: „Platz drei ist mindestens drin.“

 ... genau wie Profifußballer Jannick Mause.
... genau wie Profifußballer Jannick Mause. Foto: MHA/Günther von Fricken

Fußballerin Jasmin Engel wird die Abendspiele während der Woche größtenteils zu Hause mit ihrer Familie verfolgen. „Am Wochenende werden wir aber sicherlich bei gutem Wetter mit Freunden im Garten sitzen und Fußball gucken“, sagt die Spielführerin des 2. Damenteams beim Kohlscheider BC, das in der Bezirksliga spielt.

Auf den Verlauf des Turniers sei sie sehr gespannt, weil sie nicht abschätzen könne, wie sich die deutsche Mannschaft schlagen werde: „Es sind einige Spieler zurückgekehrt, weshalb man nicht weiß, wie nun der Zusammenhalt untereinander ist. Außerdem waren die Gegner bei den Testspielen nicht die aussagekräftigsten, mit denen man sich in einer EM messen muss.“

Als Fan hofft sie, dass Deutschland als Gruppenzweiter weiterkommt, gesteht sich aber auch ein: „In der Realität glaube ich, dass es für einen der vorderen Plätze dieses Jahr noch schwierig wird.“ Ein Halbfinale fände sie schön, könnte sich aber auch vorstellen, dass es bereits im Viertelfinale eng wird. Auch für sie ist der Turnierfavorit klar Frankreich: „Das ist die Mannschaft mit der größten Konstante und sehr vielen guten Spielern, die schon seit einiger Zeit zusammenarbeiten.“