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Frauenfußball-Länderspiel: Die zwei Gewinner auf dem Aachener Tivoli

Frauenfußball-Länderspiel : Die zwei Gewinner auf dem Aachener Tivoli

Die deutschen Fußballerinnen siegen auf dem Aachener Tivoli im Länderspiel gegen Belgien souverän mit 2:0 – und neben dem Team gibt es einen weiteren Gewinner.

Es gab zwei Gewinner an diesem Abend: Die Komplimente galten der Spielstätte, die mit Blick auf die WM-Bewerbung 2027 mächtig punktete. „Ein tolles Stadion“, unterstrich Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Felicitas Rauch bezeichnete den Aachener Tivoli als „kleines Schmuckkästchen, das optisch sehr authentisch ist. Es hat viel Spaß gemacht, hier zu spielen.“

Kein Wunder, denn der Tivoli ist für die DFB-Frauen ein gutes Pflaster: Nach der EM-Qualifikation im Oktober 2019 (8:0 gegen Ukraine) gewannen sie das erste Länderspiel 2021 im Rahmen des Mini-Turniers „Three nations – one goal“ gegen Belgien souverän mit 2:0 (1:0).

Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann war es die fehlende Präzision der deutschen Fußballerinnen, die deutlich höher hätten gewinnen können, wenn nicht müssen. „Die Mannschaft hat viel Engagement gezeigt. Da gab es gute Ansätze, aber im letzten Drittel wurden zu oft nicht die richtigen Entscheidungen getroffen“, sah Martina Voss-Tecklenburg bei aller Spielfreude Licht und Schatten. „Das Engagement und die Bereitschaft, Dinge umzusetzen und das Tempo hochzuhalten, waren da. Aber der letzte Pass kam nicht an, im Tennis würde man sagen, zu viele Unforced Errors.“

Nur 88 Sekunden nach Anpfiff hieß es 1:0: Rauch legte von links für Klara Bühl auf, die sich im Strafraum durchsetzte, Svenja Huth schnappte sich den Ball und traf. Doch das erhoffte Tor-Feuerwerk blieb aus. Zwar dominierte die DFB-Elf die Partie und schnürte die Belgierinnen größtenteils in deren Hälfte ein, doch der Ertrag blieb mager.

Eine gute Chance vergab Sydney Lohmann (4.) nach einen Zuspiel von Kathrin Hendrich, einen Schuss von Dszenifer Maroszan (8.) klärte die belgische Keeperin Amber Tysiak zur Ecke. Erstmals in die Nähe des deutschen Tores kamen die „Roten Flammen“ per Freistoß (15.). Deutlich gefährlicher war der erste Freistoß der DFB-Elf, doch der Schuss von Sara Däbritz (20.) wurde abgeblockt, der Nachschuss von Rauch prallte an den Pfosten.

Der erste Konter der Gäste, die tief und kompakt standen, wurde abgewehrt, nach dem zweiten zappelte der Ball zwar im Netz, doch der Treffer wurde wegen Abseitsposition (27.) ebenso nicht gegeben wie das Tor von Lea Schüller (31.). Erst Ende der ersten Hälfte kamen die Belgierinnen besser zur Geltung, auch weil die Angriffswucht der DFB-Frauen nachließ: Tine de Caignys Schuss (40.) ging über das Tor. Und einmal kam Hendrich über rechts, doch Lohmann kam nicht an den Ball.

Hälfte zwei war ein Spiegelbild: Deutschland dominierte klar. Während der Schuss von Huth (54.) knapp über die Latte strich, verwertete Schüller nur eine Minute später eine Huth-Hereingabe per Direktabnahme zum 2:0. Die nächste Huth-Hereingabe verpasste Schüller (59.) knapp.

Die agile Kathrin Hendrich

Da die DFB-Frauen sich durch die Mitte zu oft festliefen, versuchte Hendrich (65.) es direkt von links, verfehlte nur knapp. Nur einen langen Ball von de Caigny musste Merle Frohms parieren. Beide Teams wechselten durch, was den Spielfluss etwas unterbrach. Nur ein Mal drangen die „Roten Flammen“ in den deutschen Strafraum ein, doch Tessa Wullart (76.) ging im Duell mit Rauch zu Boden.

„Natürlich wünscht man sich als Spielerin ein Tor zu machen, auch wenn das nicht meine vornehmliche Aufgabe ist“, sagte Hendrich, zumal die Partie aufgrund ihrer doppelten Staatsbürgerschaft für sie speziell war. Sie agierte zwar rechts in der Viererkette, überzeugte aber mit guten Offensivaktionen.

Die Eupenerin kreierte zahlreiche Chancen und versuchte es auch direkt. „Nach vorne hätten wir mehr Durchschlagskraft haben müssen, aber hinten haben wir wenig zugelassen und zu null gespielt“, unterstrich die 28-Jährige, „aber es war nicht unbedingt unser bestes Spiel. Fehler passieren, da müssen wir weiter dran arbeiten.“

Verteidigung unter Stress?

Ob Hendrich am Mittwoch, 18.30 Uhr, in Venlo gegen Europameister Niederlande, der Belgien 6:1 geschlagen hatte, zum Einsatz kommt, ließ Voss-Tecklenburg offen. „Doch es wäre interessant zu sehen, wie die Verteidigung reagiert, wenn sie unter Stress gerät“, erwartet die Bundestrainerin ein ganz anderes Spiel gegen einen offensiven Gegner. „Ein anderer Gegner, der andere Stärken hat und uns anders fordern wird.“

Frauen-Nationalteam trainiert auf dem Tivoli