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Freiburg: Zwischen Werbe-TV und hartem Boden: Volker Finke über den SC und Alemannia

Freiburg : Zwischen Werbe-TV und hartem Boden: Volker Finke über den SC und Alemannia

Seit 1991 arbeitet er beim SC Freiburg. Der Vertrag enthält keine Laufzeiten, keine Ausstiegsklauseln. Unbefristet bis ans Ende seiner Trainertage, wenn Volker Finke denn will.

„Präsident Achim Stocker und ich haben schon seit Jahren nichts mehr zu Papier gebracht”, sagt Finke.

Die Beziehung ist so stabil wie Stahlträger, Finke ist der dienstälteste Trainer der Branche.

Mit dem 54-Jährigen, der am Montag zum Rückrundenauftakt der 2. Fußball-Bundesliga Alemannia Aachen erwartet, sprach AZ-Redakteur Christoph Pauli.

In dieser Woche gab es auf der SC-Homepage eine Umfrage. 8,6 Prozent schließen einen sofortigen Wiederaufstieg aus. Warum sind das noch so viele?

Finke: Die Fans wissen einfach, wie stark die 2. Liga ist.

Aber die Ausgangslage ist doch selten luxuriös derzeit, sie beklagen kaum noch Verletzte.

Finke: Wir haben in der Tat zwei Jahre lang heftig geblutet. Derzeit können wir alle Positionen doppelt besetzen. Das lässt mich wieder ruhiger schlafen.

Zudem haben Sie sich mit Rolf-Christel Guié-Mien von Eintracht Frankfurt in der Winterpause verstärkt. Gab es neben dem unbestritten sportlichen Wert auch die Überlegung, einen Konkurrenten entscheidend zu schwächen?

Finke: Das ist sachfremd. Der Spieler wollte schon im Sommer zu uns. Da wir wussten, welche Forderungen die Eintracht gestellt hätte, haben wir erst gar kein Transfergespräch geführt. Das hat mir damals schon leid getan, Guié-Mien wollte zu uns. Jetzt hat er sich überraschend wieder bei mir gemeldet. Die Zahlen seines Beraters waren zunächst utopisch, plötzlich hat er dann unser Angebot akzeptiert.

Beim letzten Abstieg ist die Mannschaft zerbröselt. Diesmal ist sie aufgrund der bestehenden Verträge zusammengeblieben. Macht das die Sache leichter?

Finke: Nein, im Gegenteil, dieser Aufstieg wäre der schwierigste. Du nimmst die ganze Chemie und das Negative des Abstiegs mit in die 2. Liga. Und es gibt noch eine neue Erfahrung: Über Spieler in der ersten Liga wird fünfmal so viel berichtet. Als Spieler musst du damit erst einmal klar kommen, dass die jetzt aber nicht fünfmal besser sind als du selbst.

Was vermissen Sie derzeit am stärksten in der 2. Liga?

Finke: Nichts, ich genieße diese Ruhe für eine gewisse Zeit. Das Begleitprogramm in Liga 1 ist einfach anstrengender und intensiver. Die Protagonisten werden dort sogar außerhalb des Spielfeldes verfolgt. Das gefällt mir eh nicht. Deswegen gibt es auch nicht ein privates Bild von meiner Frau und mir. Da lege ich großen Wert drauf.

Wie stark leidet der Fußball-Fan Finke denn unter der zeitweise rustikalen Abart des Fußballs in der 2. Liga?

Finke: Es ist ein Vorurteil. Bochum ist so ein Gegenbeispiel, die können mit einer kaum veränderten Mannschaft auch in der Bundesliga bestehen. Aus meiner Sicht ist der vermeintliche Leistungsabfall ein Wahrnehmungsproblem: Wenn die Zahl der kriminellen Delikte 20 Prozent zurückgeht, aber die Berichterstattung über Straftaten um 600 Prozent ausgeweitet wird, habe ich subjektiv den Eindruck, ich müsste mir eine Knarre besorgen. Das ist aber nicht so.

Was sind denn die Vorteile des Daseins in Liga 2?

Finke: Wenn es funktioniert, ist es ein Erkenntnis-Prozess für die Spieler. In der Bundesliga verläuft das Leben wie im Werbefernsehen. Jetzt sind wir wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Aus dieser Situation kann man lernen.

Der 1. FC Köln könnte eine weitere Saison ohne deutliche finanzielle Abstriche nicht stemmen. Wie stark würde das Korsett Sie in Freiburg einschnüren?

Finke: Natürlich wäre es dauerhaft auch bei uns ein Problem. Aber wir haben hier unsere Gehälter nie an die Erlöse der Fernsehverträge gekoppelt. Stattdessen haben wir 55 Millionen Mark aus dem im Fußballbereich erwirtschafteten Geld in eine verbesserte Infrastruktur und in unser Jugend- und Regionalisierungskonzept gesteckt. Wir sind wirtschaftlich kerngesund. Das haben wir alles selbst gewuppt.

Sie steigen auf und ab, wieder auf und ab und jetzt vermutlich wieder auf. Gibt es keine Sehnsucht nach stabileren Verhältnissen?

Finke: Jetzt ist der Punkt erreicht, dass wir bald die letzte Baustelle für ein neues Verwaltungsgebäude abschließen. Wir treten in eine Phase ein, in der wir Geld für die Mannschaft ausgeben können.

Welche Meinung haben Sie zu Ihrem Auftaktgegner Aachen?

Finke: Ich sehe Aachen in erster Linie als ein sehr kompaktes Team. Sie haben zwar keinen großen Kader, aber richtig starke Spieler. Wenn sie weiterhin von Verletzungen verschont bleiben, haben sie eine klasse Startelf. Dann können sie jeden in der Liga schlagen und eine gute Rolle spielen.