1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Mönchengladbach: Zwischen Playstation und Karriere-Beratung

Mönchengladbach : Zwischen Playstation und Karriere-Beratung

Fußball verbindet, was ebenso banal wie abgedroschen ist. Im Profi-Bereich beschränkt sich dies, soweit es das innermannschaftliche Verhältnis angeht, häufig auf Zweckgemeinschaften. Der Zusammenhalt als leistungsförderndes Mittel - professionell eben. Doch es gibt auch Beziehungen, die recht ungewöhnlich sind, sich nicht in der gemeinsamen Etappe zur sportlichen und finanziellen Gewinn-Maximierung erschöpfen.

WahlVerwandtschaften statt Zweckfreundschaft: Wie zwischen Sascha Rösler (30) und Jungspund Marko Marin (18). Eine Freundschaft, die eine (Fußball-)Generation überspannt. Mit den Kumpeln, die nur die zwölf Jahre trennen, sprach unser Redakteur Bernd Schneiders.

Wie schwer fällt denn die Trennung in der Weihnachtszeit?

Rösler: So schlimm ist es nicht. Es ist ja nicht so, dass wir nur zusammenhängen. Wir sind beide lockere Typen.

Und was stellen Sie in der Trennungszeit an?

Rösler: Ich werde zu Mama an den Bodensee reisen. Bisschen skifahren.

Marin: Klar, Apres-Ski vor allem.

Rösler: Ja, Wellness eben.

Und Sie Marko?

Marin: Ich fliege mit meinen Eltern wie jedes Jahr nach Bosnien, auch wenn dort erst später Weihnachten gefeiert wird.

Wenn man Jos Luhukay Glauben schenken darf, war es zwischen Ihnen beiden Liebe auf den ersten Blick . . .

Rösler: Wir haben gleich gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge schwimmen. Wir haben einen ähnlichen Humor, flachsen gerne und lieben Blödsinn.

Marin: Ja, das ging schnell. Wir sind sind immer gut drauf in der Kabine.

Rösler: Und im Trainingslager saßen wir zusammen an einem Tisch mit Olli Neuville und Alex Voigt. Das war eine super lustige Runde.

Aber Neuville ist doch so zurückhaltend?

Rösler: Ha, bei uns ist er nicht zurückhaltend.

Da waren Sie auch schon auf einem Zimmer?

Marin: Nein, ich war mit Johannes van den Bergh, Sascha mit Uwe Gospodarek zusammen. Erst danach sind wir Zimmergenossen geworden.

War das ein Vorteil, dass Sie schon vorher mittrainiert hatten?

Marin: In der Vorsaison ging ich noch zur Schule und hab nur sporadisch mittrainiert. Deshalb war ich wie ein Neuer.

Rösler: Normalerweise bist du als junger und obendrein neuer Spieler in der Hierarchie ganz unten. Du musst dich zurücknehmen und schauen, wie weit kannst du gehen. Bei uns aber konnte er so sein, wie er ist.

Aber er musste keine Taufe durchlaufen?

Rösler: Klar, kriegt er auch schon mal einen Spruch reingedrückt. Aber der Vorteil war für Marko, dass wir keine feste Gruppe waren, keine feste Gemeinschaft sondern ein neuer Haufen.

Marin: Ein paar habe ich schon gekannt. Den Trainer auch.

Und Sascha Rösler?

Marin: Jo, ich wusste, dass der schon mal in Aachen gekickt hat.

Sonst nichts?

Marin: Ich wusste, Sascha ist ein Kämpfer, einer, der für die Mannschaft spielt. Aber er hat auch bewiesen, dass er ein bisschen mit dem Ball umgehen kann. Dass er kommt, habe ich aber erst im Urlaub erfahren.

Rösler (lacht): Na super, auch mit dem Ball ein bisschen umgehen kann! Aber eigentlich bin ich ja auch gar kein richtiger Zehner, Die gibt es eigentlich kaum noch. Marko kann so einer werden. Heute gibt´s nur noch Rafael van der Vaart und Diego - und dann?

Marin: Sascha ist Teil des Doppel-Sechsers, er hat seine Stärken im Zweikampf. Aber ich nenne ihn trotzdem Günter.

Rösler: Du bist aber der einzige.

Warum Günter?

Marin: Wegen der Ähnlichkeit mit unserem Maskottchen. Und natürlich wegen Günter Netzer. Er hat auch lange Haare, ist blond . . .

Rösler: Klar, und dann schickst du auch noch die Kinder zu mir, um zu gratulieren!

Wie bitte? Hatten Sie Geburtstag?

Rösler: Nein, aber im Vincent-Kinderheim in Viersen kamen plötzlich alle Kinder zu mir und sagten: Alles Gute - nachträglich!

Marin (liegt halb am Boden und krümmt sich vor Lachen): Das war zuuuu schön!

Gibt es denn echte Freundschaften zwischen Spielern, wo doch so oft die Klubs gewechselt werden?

Rösler: Es gibt immer ein, zwei Spieler, zu denen man noch Kontakt hat, wenn man weg ist. Wie in Aachen mit Lehmann und Stehle, mit denen ich noch richtig dicke bin. Ansonsten sind es eher Zweckfreundschaften, und zu einigen hat man gar keinen Draht.

Wie lange werden Sie noch zusammenspielen dürfen?

Rösler: Bei Marko ist es noch ein langer Weg. Bei mir ist es überschaubar. Marko sollte auf jeden Fall auch nach dieser Sason noch mindestens ein Jahr bleiben. Am Besten natürlich in der Ersten Liga. Und dann mal schauen.

Sie werden in den Medien gefeiert. Bekommen Sie von Ihrem großen Freund auch nur Lob?

Marin: Ich kenne die Zeitungsartikel nicht. Aber wenn ich nicht spiele, kommt er schon mal und sagt: Du muss Gas geben beim Training.

Rösler: Ich muss gar nicht viele Tipps geben. Der Trainer macht das super. Marko will natürlich immer spielen, aber Jos Luhukay baut ihn perfekt auf. Gibt ihm die nötigen Pausen, auch wenn er es nicht einsieht. Nicht wahr, Marko? Wie in Freiburg. Deine Eltern waren da, Du hast nicht gespielt, das habe ich direkt nach dem Spiel gemerkt.

Und ihn wieder aufgerichtet. Aber Sie falten ihn auch schon mal zusammen im Spiel, wenn er das Dribbling übertreibt und nicht abspielt?

Rösler: Joooo, aber so oft nicht.

Marin: Aber gegen Aachen, da warst Du richtig sauer.

Rösler: Olli nimmt ihn eigentlich häufiger zur Seite.

Oliver Neuville, der Ruhige?

Marin (mit glänzenden Augen): Olli ist Olli. Mit ihm zusammen zu spielen . . . das ist was Besonderes.

Haben Sie denn sonst Vorbilder? Zehner natürlich?

Marin: Ja, Dejan Savicevic. Oder Mehmet Scholl. Von dem habe ich mir im letzten Erstliga-Spiel das Trikot geholt.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass Marko sich verändert durch die hohe Aufmerksamkeit, die er genießt?

Rösler: Marko ist von Natur aus ruhig.

Marin: Kalaaaasse!

Rösler: Um ihn muss man sich keine Sorgen machen. Er hat keine Flausen im Kopf, obwohl er erst 18 ist. Deshalb ist das ja eine so positive Sache. Er ist schon extrem weit für sein Alter. Marko kann ein ganz Großer werden. Aber das sagen schon zu viele.

Können Sie ihm aus eigener Erfahrung was raten?

Rösler: Er ist schon viel weiter als ich mit 18. Besitzt ein viel größeres Potenzial. Er hat etwas ganz Seltenes, was die Leute lieben. Wichtig ist, dass er viel spielt. In der Zweiten Liga bei einer Top-Mannschaft, das war genau das Richtige. Hier ist er einer der Leistungsträger. Das war der beste Einstieg. Und jetzt noch der Aufstieg, wenn wir weiter so spielen . . . Er muss sich weiter entwickeln. Effektiver werden. Alles andere wird zwangsläufig kommen. Und was ist ein großer Klub? Gladbach kann auch wieder einer werden. Und ist es für mich schon mit meinen 30 Jahren.

Ist für Sie die Zuneigung der Fans schon Alltag?

Marin: Alltag? Wenn die Fans meinen Namen rufen, kann das nie Alltag sein. Das ist unglaublich.

Und wie gehen Sie mit dem öffentlichen Lob um?

Marin: Positiv, ich fühle mich geehrt. Aber einen großen Stellenwert besitzt es nicht für mich. Du kriegst viel Lob - und wenige Tage später spielst du richtig schlecht!

Wessen Lob ist denn das Wichtigste?

Marin: Das von meinem Vater. Wenn er nach einem Spiel kommt und sagt: Das war kalaaaasse! Der ist immer dabei, selbst beim Training. Aber er ist auch der Kritischste von allen. Er sagt mir exakt, was ich verbessern muss. Aber, wenn ich wirklich schlecht war, kommt er nicht sofort, sondern erst später.

Knallt´s dann auch schon mal?

Marin: Nein, wir haben ein Super-Verhältnis. Wir telefonieren täglich fünf, sechs Mal miteinander.

Und nehmen Sie von Sascha auch was an? Auch außerhalb des Sports?

Marin (grinst): Ja, man kann viel von ihm lernen. Wie man sich kleidet etwa. Dann steht er vor einem und sagt: Schau, meine Weltklasse-Hose!

Rösler: Du bist doch sogar im Schlafanzug runtergekommen!

Wie - runtergekommen, im Schlafanzug?!

Marin: Da habe ich hier im Stadion noch im Internat gewohnt. Aber heute habe ich ein eigenes Zimmer.

Rösler: Ja, damit ich auch mal hier übernachten kann und nicht immer nach Aachen zurückfahren muss.

Können Sie denn auch von einem 18-Jährigen lernen?

Rösler: Nicht nur fußballerisch, auch menschlich. Er war schon immer korrekt, kümmert sich um jeden. Er behandelt alle im Verein gleich und mit Respekt, auch die anderen jungen Spieler. Dazu musst du aus Verhältnissen kommen, in denen der Respekt noch zählt. Und ich bin mir sicher: Er wird sich auch mit 24 nicht verändert haben.

Also nicht nur Respekt vor 30-Jährigen?

Marin: Sascha sieht ja noch jung aus. Ich habe ihn auf 25, 26 geschätzt - außer morgens . . .

Rösler: Aber im Ernst: Zum Geburtstag habe ich eine DVD vom Verein bekommen, mit Glückwünschen von allen. Markos Idee, er hat sie zusammengestellt. So etwas hat noch nie einer für mich gemacht. Da merkt man, wie weit er mit 18 schon ist.

Werden Sie sich denn jetzt nicht vermissen?

Rösler: Nein, wir sind doch nur befreundet. Am meisten vermisse ich die Kochkünste von meiner Mama.

Gibt es denn bei aller Freundschaft auch Dinge, die am anderen nur nerven?

Marin: Oh ja. Beim Spielen mit der Playstation - da ist Sascha wie auf dem Platz. Einmal hat er mich sogar aus dem Zimmer geworfen.

Rösler: Und Du?! Du telefonierst brutal oft. Dauernd hängst Du am Handy. Unglaublich, wen der Kerl alles kennt.