1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Leverkusen: Ziege legt sich auf die Schlachtbank

Leverkusen : Ziege legt sich auf die Schlachtbank

Gegen den Beinamen „Opa” wehrt sich Horst Köppel weiter fleißig, wenn auch wahrscheinlich vergebens. Einen anderen, allerdings positiven, ist er seit Samstagnachmittag los.

Aus dem „Zu-Null-Horschtl” ist zum Abschluss der Saison Zu-Fünf-Horst geworden.

1:5 bei Bayer Leverkusen untergegangen - den Einstieg in seine Zweijahresvertrag-Ära hatte sich der ehemalige Profi wohl anders vorgestellt. „Das war sehr enttäuschend für mich. Ich hätte schon gedacht, dass die Spieler die Ärmel hochkrempeln und sich wehren.”

Das war zugegebener Maßen schwierig. Die Gladbacher trugen halt kurzärmlige Sommertrikots. Und hatten diese Jahreszeit auch bei der Art ihres Fußball verinnerlicht. Nach der frühen Führung (Neuville/2.) und dem 1:1 kurz vor der Halbzeit (41.) fraßen die Gäste vier Tore innerhalb von elf Minuten (58. bis 69.).

Knackpunkt oder Alibi?

„Die Verletzung von Nico van Kerckhoven war der Knackpunkt”, glaubt Horst Köppel. Das muss er wohl auch hoffen, denn ansonsten wäre überdeutlich geworden, dass er mit dieser Mannschaft und ihrer mentalen Instabilität in der neuen Saison wie seine diversen Vorgänger große Probleme bekommen wird.

Aber spinnen wir die van-Kerckhoven-Blessur als Möchte-gern-Leidfaden einmal weiter fort: Kurz vor dem Ausgleich zog sich Gladbachs bester Innenverteidiger einen Muskelfaserriss zu. Köppels Reaktion: Er verschaffte Christian Ziege ein Comeback (40.).

Zu früh. Denn der Kapitän hatte seine Einsatzfähigkeit zuvor auf zehn bis 15 Minuten eingeordnet. Hätte sich Köppel daran gehalten, wäre vielleicht noch ein Unentschieden rausgesprungen. Denn in der 55. Minute - da hätte Köppel Ziege wieder auswechseln müssen - stand es noch 1:1.

Aber das Problem „Wie backe ich mir sekundenschnell einen Innenverteidiger” war so oder so nicht lösbar. In der Restspielzeit von Halbzeit 1 übernahm Bernd Thijs diese Position. Und übernahm sich gleich mit einer Abseitsstellung, die keine war und Dimitar Berbatow den Ausgleich ermöglichte (41.).

In der Kabine traten die Borussen unterhaltsam den Beweis an, dass mit Köppel ein großer Schritt in Sachen Debattier-Kultur vollzogen wurde: Wer will nicht mehr, wer hat noch nie? Bernd Thijs Beitrag war ein sehr kategorischer: „Ich kann das nicht!”

Womöglich wurde Youngster Marcell Jansen sogar rot, als Köppels Blick plötzlich an ihm hängenblieb. Doch auch der 19-Jährige wehrte sich ebenso tapfer wie erfolgreich. Nun hat irgendein undemokratischer Nichtsnutz die Pausenzeit auf kärgliche 15 Minuten beschränkt.

Nicht jeder Köppelianer fand noch die Zeit, seine Einstellung zur ausgelobten Position ins Gruppengespräch einzubringen. So sah sich Christian Ziege genötigt - den Wieder-Anpfiff von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer schon in den Ohren -, sich auf die Schlachtbank zu legen. Kapitäns-Schicksal. Sein Debüt war sicherlich einmalig - „Ich habe das noch nie gespielt.”

Doch artig wie ein Lamm ertrug Ziege seinen Opfergang nicht. „Ich find das richtig Scheiße, wenn einer wie Craig Moore sich aus der Verantwortung stiehlt und sich verp...”

Der Vertrag des australischen Innenverteidigers war nach einer Alkohol-Eskapade aufgelöst worden. Mit der Folge, dass in Leverkusen für diese Position nur noch Amateur Sebastian Plate auf der Bank saß. „Den wollte ich nicht ins Feuer werfen”, sagte Köppel.

Sportdirektor Peter Pander erklärte den Blitz-Rauswurf. „Ein Profi ist mich einer, der bis zum Schluss für den Verein da ist.” Moore wurde auch nicht verabschiedet: „Ich wollte ihn nicht mehr sehen”, bekannte der Manager.

Bayer zeigt sich gnädig

Der Ex-Wolfsburger ahnt womöglich, dass die Innenverteidiger-Malaise nicht als Alibi taugt. Denn auch vor dem van-Kerckhoven-Ausfall vergaben die Leverkusener zahlreiche Chancen.

Und wenn die Bayer-Profis sich nicht nach dem fünften Treffer plötzlich als sehr genügsam erwiesen hätten, wäre der Fleck auf Köppels bisher so strahlend weißer Weste wesentlich größer geworden. So gibt Peter Pander schon mal eine interpretationsanregende Devise für die Zukunft aus: „Es wird darauf ankommen, aus wenig viel zu machen.”