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Köln: Wolfgang Overath lobt Albert Caspers weg

Köln : Wolfgang Overath lobt Albert Caspers weg

Wolfgang Overath ist am Ziel. Die Ikone des Bundesliga-Absteigers 1.FC Köln hat am Freitag die Macht beim „Geißbock”-Club de facto übernommen, de jure muss er noch bis zum 14. Juni, dem vorgesehenen Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung, warten.

Dann wird der Vorsitzende des FC-Verwaltungsrates, GEW/RheinEnergie-Chef Helmut Haumann, den Mitgliedern das einstimmige Votum seines Gremiums nahelegen, den Alt-Internationalen zum neuen Präsidenten zu wählen. Unvorstellbar, dass dann die Wahl Overaths nicht mit mindestens 99 Prozent erfolgt.

Das Handtuch flog erwartungsgemäß

Am Freitag um 12.30 Uhr hatte Albert Caspers wie erwartet das Handtuch geworfen, gegenüber dem Verwaltungsrat seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Und damit den Weg freigemacht für FC-Idol Overath. Der 71-jährige ehemalige Ford-Chef sah sich bis zum Schluss ausgebootet, kaltgestellt.

Als die Sitzung des Vereinsgremiums in der GEW-Zentrale am Parkgürtel gegen 15 Uhr zu Ende war und zur Pressekonferenz gebeten wurde, war Caspers längst gegangen. Er hatte gegenüber den sieben (von elf) anwesenden Verwaltungsräten lediglich seine Rücktrittserklärung abgegeben und verließ dann die Sitzung. Haumann stand in ständigem Kontakt zu den vier beruflich verhinderten Teilnehmern.

Enttäuschte Erklärung

Um 12.53 Uhr war die Ära Caspers, der das Amt seit dem 4. Dezember 1997 bekleidet hatte, beendet. „Ich habe für diesen Schritt mehrere Beweggründe. Zum einen bin ich nicht länger bereit, mich dem Druck der Medien und anderer Interessengruppen weiter auszusetzen. Zudem hoffe, dass ich durch diesen Entschluss angesichts wieder aufkeimender Diskussionen um die Präsidentschaft des 1. FC Köln weiteren Schaden vom Verein abwenden kann”, teilte er in einer für die Medien vorbereiteten Erklärung enttäuscht mit.

„Der Entschluss ist ihm sehr schwer gefallen”, gestand Haumann ein, der aber betonte, dass Overath dann einstimmig vom Verwaltungsrat nominiert worden sei. Bis zum 14. Juni werden nun die Vizepräsidenten Dr. Klaus Dieter Leister und Dr. Bernd Steegmann den Verein kommissarisch führen und dann ihre Ämter ebenfalls aufgeben. Denkbar ist, dass Overath seine beiden engsten Berater Jürgen Glowacz und Stephan Engels mit ins Vorstandsboot nehmen will, worüber sich die Sitzungs-Teilnehmer und auch Overath selbst aber ausschwiegen.

Vielmehr hoben Haumann und Overath die Verdienste Caspers’ hervor. „Wir werden ihm einen würdigen Abschied, wahrscheinlich auf der Mitgliederversammlung, gestalten”, sagte Overath. Ob Caspers dies allerdings will, erscheint ob der Ereignisse der letzten Zeit höchst fraglich.

Brutal und gnadenlos

Dass das Geschäft Fußball brutal und gnadenlos ist, weiß man. Pervertiert wird es, wenn der Mann, der einen Verein wie den 1. FC Köln aus der wirtschaftlichen Krise geführt, ihn komplett und erfolgreich in eine Kapitalgesellschaft umgekrempelt und den Stadionneubau realisiert hat, für die sportliche Misere verantwortlich gemacht wird. Dagegen bleiben diejenigen, die die sportliche Talfahrt zu verantworten haben, Manager Andreas Rettig und Trainer Marcel Koller, unangetastet. „Ich vertraue ihm und Andreas Rettig”, sagte Overath.

Caspers ist der Verlierer eines unrühmlichen Machtkampfes, in dem Overath, der Weltmeister von 1974, zuletzt den Druck auf seinen Vorgänger erhöht hatte. „Wir werden direkt wieder aufsteigen. Das ist unsere Verpflichtung unseren phantastischen Fans gegenüber”, so Overath. Daran muss er sich messen lassen.