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Mönchengladbach: Wird der vorsichtige Dick jetzt zum Advocatus Diaboli?

Mönchengladbach : Wird der vorsichtige Dick jetzt zum Advocatus Diaboli?

Der Mensch an sich und der Fußball-Fan in Besonderem lechzt nach einfachen Erklärungen. Dick Advocaat ist in der Lage, diese zu liefern.

„Warum liefern unsere Borussen eine so miese Leistung ab, nachdem in den letzten Spielen doch ein mehr als zarter Aufwärtstrend zu konstatieren war?”, fragten sich die gequälten Anhänger des Mönchengladbacher Bundesligisten.

„Der Gegner war besser als die vorher”, so die lakonische Erkenntnis des holländischen Trainer-Routiniers. Sankt Simplicissimus, sei bei uns!

Der Hamburger SV also - besser als etwa die besiegten Bayern und Bremer oder Stuttgarter, gegen die Gladbach zwar nicht gewonnen, aber immerhin gut mitgehalten hatte.

Möglichst nicht viel ändern, hieß bisher die Advocaatsche Devise. Doch nach dieser Erfahrung, die für den 57-Jährigen neu - für die Zuschauer „dank” der 0:2-Heimniederlage gegen Hannover nicht - war, könnte der ehemalige Bondscoach früher als geplant zum Advocatus Diaboli werden.

Weder am System noch an der Stammelf hat der Holländer vorschnell Hand angelegt. „Jetzt ist das eine andere Sache”, lautet die Drohung des Trainers. Dabei hat er von Anfang an durch wenig dezente Hinweise dafür gesorgt, dass die restlichen Spiele in der Hinrunde Ausscheidungscharakter besitzen.

Sollte das eine Erklärung für die von Torhüter Darius Kampa erkannte „Unsicherheit” der Mannschaft gewesen sein? Das 1:3 ist auch eine Niederlage für Gladbachs neuen Hofnungsträger: Auf die Erfahrenen setzte Advocaat bisher bei seinem Risiko-minimierenden Kurs.

Doch gerade Christian Ziege, Marek Heinz, Jeff Strasser und auch Interims-Lichtblick Igor Demo gingen voran am Samstagnachmittag - allerdings nur in Sachen schlechte Leistungen.

Dick Advocaat ist anderen Fußball gewöhnt. Vom Oranje-Team her oder auch aus Glasgow, wo er sich bei den Rangers ein Star-Ensemble zusammenkaufen durfte.

So mag ihn zwar maßlos geärgert haben, dass seine derzeitigen Schüler 20 Minuten hinter den Hamburgern her hetzten, ohne sie bei ihrem munteren Kombinationstreiben auch nur ansatzweise stören zu können.

„Ich haben ihnen noch heute morgen gesagt: Wir wollen früh stören. Die Spieler haben es versucht - aber immer zu spät.” Noch mehr aber muss der Fußballlehrer geschockt sein von der Hilflosigkeit im Aufbau. Selbst in Überzahl nach Gelb-Rot für Khalid Boulahrouz.

Nicht einmal nach dem „Traumstart”, wie Kampa den 1:2-Anschlusstreffer durch den eingewechselten Joris van Hout (46.) nannte. „Wir konnten den Ball nicht gut in den eigenen Reihen halten”, analysierte Advocaat. Eine Pseudo-Druckphase von gut zehn Minuten war alles, was dabei heraussprang.

Die Niederlage war verdient, untauglich als Alibis sind die wirren Entscheidungen des Schiedsrichter-Jünglings Dr. Felix Brych, die Pfosten- und Lattentreffer von Vaclav Sverkos und Jeff Strasser und der fragwürdige Strafstoß an Sergej Barbarez durch Marek Heinz.

Was der Tscheche bei einem Rückstand im eigenen 16er zu suchen hatte? „Zuletzt habe ich fast linker Verteidiger gespielt”, sinnierte der frustrierte Techniker.

„Halb-links” korrigierte sein Trainer. Und erklärte gleich, wie es zu einer solchen Fehlinterpretation kommen konnte beim Duell Heinz-Barbarez: „Es ist die Frage: Wer ist besser? Ist der eine besser, muss der andere mitgehen.”

Die einfache Antwort auf sein grundsätzliches Problem kann und will der sensible Techniker nicht geben. Ein gekonntes Dribbling im Niemandsland des Mittelfeldes reicht nicht, um der Mannschaft zu helfen.

„Im Nationalteam habe ich viele Ballkontakte”, weist er vorsichtig in eine Richtung, in die auch Advocaat - „der HSV war individuell besser” - zielt. Ist also die derzeitige Mannschaft zu schlecht, um die Qualitäten eines Marek Heinz freilegen zu können?

„Solche Fehler macht man im Kindergarten”, geißelte der Coach das Verhalten beim Freistoß-Gegentor.

Das Erwachsenwerden dürfte bei den anstehenden Prüfungen auch nicht einfach sein. Glaubt auch Thomas Broich: „Erst müssen wir nach Berlin und dann kommt mit Leverkusen auch nicht gerade eine Blindentruppe.”